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Status-Quo-Sänger Francis Rossi: entspannt und ehrlich.

Der Kick nach Rick

„Neustart“ von Status Quo: Francis Rossi im tz-Gespräch

München - Im tz-Interview im Hard Rock Café spricht Francis Rossi, Frontmann von Status Quo, über das Drama um Rick Parfitt und die Folgen für die Band

Am 14. Juni brach Status-Quo-Gründungsmitglied Rick Parfitt (68) nach einem Konzert in Antalya wegen eines Herzinfarkts zusammen. Er war ein paar Minuten lang klinisch tot, bevor er wiederbelebt werden konnte. Im tz-Interview im Hard Rock Café spricht Frontmann Francis Rossi (67) entwaffnend ehrlich über das Drama und die Folgen für die Band, das Älterwerden und die Zukunft. Heute erscheint das neue Album Aquostic II — That’s A Fact (siehe unten).

„Wir wussten, dass das irgendwann mit Rick passieren würde. Rick war immer der wilde Mann des Rock’n’Roll. Er hat es selber gesagt: ,Jetzt bezahle ich dafür‘“, sagt Rossi. Er erinnert sich an den Schock und die erste Zeit danach: „Wir wussten nicht, was wir machen sollten – schließlich konnten wir nicht abwarten. Wir wären verklagt worden. Schließlich leben wir nicht mehr in den 60ern oder 70ern, wo man Konzerte einfach absagen konnte.“ Heutzutage werde man auf Verdienstausfall verklagt. „Ja, meinst du, Angus Young wollte mit Axl Rose auf AC/DC-Tour gehen? Ich glaube das nicht“, so der 67-Jährige.

Doch der „Neustart“ mit Gitarrist Richie Malone – sagt Rossi nach längerem Schweigen – hatte einen unerwarteten Effekt: „Ich gebe es nur ungern zu: Aber Richie hat der Band einen mächtigen Kick gegeben. Es ist schon fast lächerlich, wie schnell man sich an etwas gewöhnt. Es zeigt, dass eben doch jeder ersetzbar ist. Das Leben geht weiter. Ich glaube, wir nehmen uns alle ein bisschen zu wichtig.“ Und dann ein echter Rossi: „Sogar, wenn der Papst stirbt, gibt’s kurz darauf einen neuen.“

Rossi ist ein Star ohne jegliche Allüren. Beim Interview erzählt und scherzt er, als würde man sich schon ewig kennen. Er zeigt Bilder auf dem Smartphone, schimpft über dessen neues Betriebssystem und über Gitarrendiebe, die ihm ans Herz gewachsene Instrumente gestohlen haben …

Quo-Urgestein Rick Parfitt (Foto) war klinisch tot – Richie Malone (o.) springt für ihn ein.

Über den Grund von der Abkehr vom elektrischen Rock’n’Roll nach der Tour hin zum Akustischen wurde bisher nicht viel gesprochen. Höchste Zeit, nachzufragen. Hat das mit Alter oder Reife zu tun? Rossi grinst vieldeutig: „Das Alter habe ich. Also ist es eine Frage des Alters.“ Er beeilt sich anzufügen, dass man in Sachen „Hingabe“ viel von den alten Rock’ n’Rollern gelernt habe. Little Richard, Jerry Lee Lewis. „Sie waren so inbrünstig beim Musikmachen, und das sind Status Quo auch. Der ganze Körper spannt sich an, und wenn du das nicht machst, klingt es langweilig. Doch wenn du älter wirst und besonders nach richtig guten Shows … autsch! Dann wird der nächste Morgen hart. Und obwohl das Herz sagt: Mach weiter!, sagt der Körper: Fuck off!“

Aber da sich Richie Malone so nahtlos in die Band einfügt – darf man da eventuell daraus folgern, dass Status Quo irgendwann wieder in voller elektrischer Größe touren werden? Francis Rossi windet sich ein wenig: „Vielleicht. Guter Punkt! Ich mache die Tür nicht zu – aber im Moment ist das natürlich nicht denkbar.“ Pause. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass da ein junger Kerl ankommt, der einen alle Entscheidungen infrage stellen lässt …“

Status Quo live: 30. November, 19 Uhr, Olympiahalle, Karten unter Tel. 54 81 81 81.

Hören Sie mal

Manche Quo-Klassiker wurden ursprünglich auf Akustik-Gitarren geschrieben, verrät Rossi im Interview. Beinahe kurios, dass sie nun den Weg in ihrer ursprünglich gedachten Version auf eine Platte finden. Es spricht für die Band, dass sie auch abseits von Effektzauber und Verstärkertürmen ihren tausendfach gehörten Songs neue Seiten abgewinnen kann. Insofern ist Aquostic II – That’s A Fact beachtenswert. Und bemerkenswert wird’s dank zweier neuer Songs (drei auf der Deluxe-Version), die auch Freunden von James Taylor & Co. gefallen dürften.

Christoph Ulrich

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