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Stehen vor ihrem großen Tag: Die Nikoläuse bereiten sich auf ihr Fest vor.

Erinnerungen an die eigene Kindheit

Promis über ihre Nikolaus-Erfahrungen: So war das damals ...

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München - Zweieinhalb Wochen vor Weihnachten steht der Nikolaus vor der Tür. Das Fest vor dem Fest hat nicht nur in Bayern traditionell. Hier erinnern sich zehn Prominente an früher.

Egal, ob man das Fest des Heiligen Nikolaus am 5. (wie traditionell in Bayern) oder am 6. Dezember feiert: Fest steht, dass der gute Mann, der vor fast 1700 Jahren in der heutigen Türkei wirkte, zum Brauchtum gehört wie Weihnachten. Jeder unserer Befragten, und sei es auch schon ein bisserl her, hatte noch lebhafte Erinnerungen an damals, als der Nikolaus kam. Auf dieser Doppelseite wollen wir Ihnen zur Einstimmung auf heute oder morgen Abend Erinnerungen präsentieren - vom Schlagerbarden bis zum Schriftsteller, vom Geistlichen bis zur Moderatorin. Wer war brav, wer weniger? Einige Befragte haben für die tz sogar noch Bilder aus ihrer Kindheit ausgegraben …

Matthias Bieber

Gütiger und Höllenhund

„Ich bin in einem Dorf an der holländischen Grenze aufgewachsen, und so kam neben dem Nikolaus auch der „Zwarte Piet“ - der „schwarze Peter“, das Pendant zum Krampus. Ich fand das faszinierend: Hier der alte, gütige, bärtige und behandschuhte Mann, daneben ­dieser Höllenhund! Mein Bruder und ich sagten jeder ein Gedicht auf, und ich weiß sogar noch, welches: Der Bratapfel. Ich habe mir fast in die Hose gemacht. Und dann durften wir in den riesigen Sack mit Obst, Schokolade und Nüssen greifen.“

Thomas Loibl (47), Schauspieler (Residenztheater)

Der Nikolaus hat’s im Griff

„Natürlich kam der Nikolaus jedes Jahr zu uns, als wir klein waren. Ich durfte ihm immer auf der Kniegeige etwas vorspielen. Meine Eltern haben tunlichst darauf geachtet, dass der Nikolaus nicht der Angstmacher ist. Sondern das Duo Nikolaus/Krampus bedeutet ja, dass Gott die absolute Güte ist, während der Krampus das Böse darstellt – aber der ­Nikolaus hat ihn im Griff, man muss keine Angst vor ihm haben.

Also, ich kann nur alle Familien ermutigen: Holt euch den Nikolaus ins Haus. Er soll zu allen Kindern kommen! Ich erinnere mich nur einmal, wir haben damals in einem dreistöckigen Haus in Laim gewohnt: Im Stiegenhaus lehnte ein Baugeländer. Dann kam der Nikolaus, und der Krampus hat mit der Kette so laut ans Geländer gehauen, dass ich oben in der Wohnung so viel Angst gekriegt habe, dass ich speiben hab müssen … Meine Eltern haben die zwei aber gleich heimgeschickt.“

Rainer M. Schießler (56), Pfarrer

Ich fand’s recht ungemütlich

„Der Nikolaus kam zu uns immer bewaffnet mit einem goldenen Pappstängel und einem furchterregenden Krampus mit einer eisernen Kette aus unserer Mühlenturbine. Überhaupt war sein Besuch eher unerfreulich, denn trotz meines tadellosen Betragens war er nur am Schimpfen. Auch wenn es danach Orangen, Nüsse und ein bisserl Schokolade gab: Ich fand, das hätte man auch gemütlicher haben können.“

Andreas Hofmeir (38), Tubist und Musikkabarettist

Ich weinte fürchterlich

„Meine erste Erinnerung an den Nikolaus ist fürchterlich. Ich war fünf, im Kindergarten in Weiden und habe schon die Nacht davor kaum geschlafen, nachdem meine Mutter mir gesagt hatte: Der Nikolaus kommt in den Kindergarten! Er hatte auch gleich die Rute selbst dabei, einen Krampus gab es da nicht, und ich habe vor Angst so fürchterlich geweint, dass die Kindergärtnerin zwei Stunden lang versucht hat, meine Mutter zu erreichen. Es hat Jahre gedauert, bis ich dieses Trauma überwunden hatte.“

Thorsten Otto (52), BR-Moderator

Größte Sorge: der Krampus

„Am 6. Dezember kamen bei uns der Nikolaus und der Krampus - der Krampus nur, wenn man nicht brav war! Das war dann auch alle Jahre wieder die größte Sorge von meinem Bruder und mir …

Da wir aber, was wir nicht wussten, offenbar immer doch recht brav gewesen waren, blieb es zu unserer großen Erleichterung bei den Geschenken vom Nikolaus. Und da das in einer längst vergangenen App- und Handy-freien Epoche war, gab es Feigen, Mandarinen, Datteln und für jeden von uns beiden einen - aus damaliger Perspektive bestimmt 90 Zentimeter großen - Schokoladen-Nikolaus!!!“

Andy Borg (56), Sänger, Moderator

Ich bescherte das Team

Waldemar Hartmann.

„Es war der Tag, als ich erkannt habe, dass der Nikolaus der Onkel Karl ist. Das wurde von allen Seiten zwar mit großem Getöse abgestritten, aber ich war mir sicher. Seitdem - im Kindergartenkind-Alter - haben Nikolaus und Weihnachten ihren Zauber verloren.

Aber ich war auch schon selbst Nikolaus - für die deutsche Nationalmannschaft. Pressesprecher Niersbach und Bundestrainer Vogts haben mich dazu gebracht, und so wurde ich auf Länderspielreise durch den Hintereingang und die Küche des Hotels reingeschmuggelt. Als Erstes las ich Torwart Andy Köpke die Leviten. Als ich fertig war, sagte ich: „Hast du alles verstanden?“ Und er: „Ja, Waldi.“

Jeder Spieler bekam ein Geschenk. Bei Jürgen Kohler war das eine Kapitänsmütze - er wollte ja immer Team-Kapitän werden, aber es war immer wer im Weg. Und Matthias Sammer als großer Nicole-Fan, der ganz untypischerweise Ein bisschen Frieden liebte, erhielt eine Nicole-CD.“

Waldemar Hartmann (68), Sportreporter und Autor

Plötzlich war Mama weg

„Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter seltsamerweise immer verschwunden war, als der Nikolaus kam, und wieder auftauchte, als er weg war. Ich dachte mir dabei nichts. Auch der Knecht Ruprecht tauchte auf, und ich hatte immer eine Höllenangst. Ich war schon als Kind sehr zurückhaltend und nie der Draufgänger-Typ - und ein braver Junge, was ich ja geblieben bin. Der Ruprecht entpuppte sich übrigens als Bruder meiner Mutter.“

Heino (77), Sänger

Rettende Gedichte

Albert Ostermaier.

„Der in den Herrgottswinkel gedrängte blonde Junge mit den Apfelbacken und den panisch geweiteten Pupillen, das bin ich, den Nikolaus im Blick. Ich weiß nicht, ob ich deshalb so furchtbar glühte, weil mich meine überfürsorgliche Mutter trotz dieses völlig überheizten Esszimmers meiner Tante wieder einmal gegen meine Bronchitis und die Kälte der Welt in einen roten Rollenkragenpulli und Angora-Unterwäsche (zum Glück sieht man die roten Strumpfhosen nicht) gesteckt hatte - oder glühe ich so, weil mir die pure Angst die Röte ins Gesicht trieb?

Der Pulli kratzte furchtbar, aber passte wundervoll zu der roten Kerze, der roten Sitzbank, den roten Äpfeln und vor allem dem roten Kostüm des Nikolaus mit seinem langen weißen Wuschelbart. Er hatte ein großes goldenes Buch, in dem mich jemand mächtig angeschwärzt hatte. Und draußen wartete der schwarze Krampus mit den schwarzen Ruten, die durch die Luft pfiffen, wenn sie die unanständigen Kinder trafen, die rausgeschickt worden waren in die schwarze Nacht des Grauens, wo es kein Gebäck, sondern Backpfeifen gab und einem der Hintern versohlt wurde von sadistischen Schwarzkutten.

Vielleicht machte mich einer dieser Niko­laus­abende zum Dichter, denn ich lernte, dass man sich mit einem Gedicht retten konnte vor den Schlägen und Schlägern. Die Sünden wurden vergeben, und man wurde nicht in den Sack gesteckt, sondern nur die Plätzchen und Schokoladen wurden es. Aber die Ketten draußen hörte man die ganze Nacht. Oder war es der Wind?“

Albert Ostermaier (49), Schriftsteller

Ich verschmähte die Bananen

„Die erste Geschichte ist aus meiner Kindheit, als die ganze Familie bei den Großeltern gefeiert hatte mit den Nachbarskindern. Der Nikolaus kam durch den Sollner Garten zum Haus – und brachte das allererste Mal Bananen mit! Das war 1949, und mein Opa glühte vor Stolz. Und uns Kindern? Haben sie nicht geschmeckt, sie erinnerten uns an Kartoffeln. Der Opa war furchtbar traurig. Wir hielten uns an die mit Schwarzmehl gebackenen Plätzchen oder die köstlichen Lebkuchen. Die waren zwar so hart, dass man jemanden damit hätte erschlagen können, aber wenn man sie lang genug im Mund behielt, wurden sie weich.

Die zweite Geschichte war mit meinen Kindern, die damals schon Teenager waren. Aber die Nikolaus-Tradition wird bei uns seit Generationen gepflegt. Der Pfarrer - als Nikolaus verkleidet - sagte mir nach der Zeremonie: „Frau Reiber, Sie sind die einzige Familie, die ich kenne, wo der Nikolaus zu den Kindern hochschaut …““

Carolin Reiber (76), Moderatorin

Freude auf die Nüsse

„Der Nikolaus kam regelmäßig in die Au, vierter Stock. Er hatte einen Sack dabei, aber leider auch den Krampus. Zuerst hat der Heilige Nikolaus gesprochen, bevor mir der Krampus meine nicht zu wenigen schulischen Schandtaten vorgehalten hat. Trotzdem hat der Nikolaus Süßigkeiten dagelassen. Immer Schokolade und immer frisch geerntete Walnüsse. Die waren etwas ganz Besonderes.“

Florian Hufnagl (68), Kunsthistoriker

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