Norah Jones ist ganz oben

- Köln - Sie ist das musikalische Äquivalent zu einer wohlig-warmen Decke, die an kalten Winterabenden die Schultern wärmt: Norah Jones. Mit ihrer soulig weichen Stimme und harmonisch langsamen Songs hat die Amerikanerin 2002 die Musikwelt überrascht.

Neben allzu gleich klingenden Popsongs und rockigen Chartstürmern war sie mit Hits wie "Come Away With Me" der Exot. Ihr Debüt-Album gewann acht Grammys. Ihre ersten beiden Platten verkauften sich weltweit mehr als 30 Millionen Mal. Und auch im nass-kalten Februar 2007 sehnen sich die Menschen offenbar nach der Jones'schen Wärme: Ihr drittes Album "Not Too Late" kam genau zur rechten Zeit und kletterte in den aktuellen Charts sofort von null auf eins.

Die junge Dame mit den dunklen Knopfaugen und einem oft schüchternen Lächeln scheint erwachsener geworden. Neben der Liebe macht sie jetzt auch die Politik zum Thema ihrer Lieder. Zudem hat die studierte Jazzpianistin für "Not Too Late" das Gitarrenspiel gelernt und erstmals alle Songs selbst geschrieben. Ihre erste Platte habe nur einen Teil von ihr preisgegeben, erzählte Jones jüngst in einem "New York Times"-Interview. Jetzt sei die Zeit reif gewesen, alles zu zeigen.

Musikalisch strahlt "Not Too Late" immer noch eine geballte Kraft an Harmonie aus. Wer sich in ihre Lieder einkuschelt, möchte nicht, dass die Platte je zu Ende geht. Ohne Krawall oder laute Töne nisten sich ihre Songs im Ohr des Zuhörers ein und sorgen für ein Wohlfühl-Erlebnis, das nicht viele Musiker erzeugen können. Auch auf Jones' neuer Platte begleiten Klavier, Saxophon oder Cello ihre Stimme. Neu ist der Sound der Country-Gitarre oder rasselnder Percussions, wie sie in den Songs "The Sun Doesn't Like You" oder "Until The End" vorkommen.

Die heile Welt, die Norah Jones' Melodien oft versprechen, findet sich in ihren Texten aber nicht immer wieder. In "Wish I Could" singt die 27-Jährige von einem Soldaten, der im Krieg gefallen ist. Bei "My Dear Country" schimpft sie - zwar mit zarter Stimme, aber dennoch vehement - gegen die Politik. Kritikern erscheint das neue Album deswegen mitunter "düster" oder gar "zynisch". Zwar sind die Texte ernster geworden, die Melodien und Jones' unverwechselbare Samtstimme aber versprechen die gleiche entspannte Atmosphäre, wie sie bereits ihre früheren Alben geschaffen haben.

Allen zu gefallen, sei ohnehin nie ihr Ziel gewesen, sagt Jones. Den plötzlichen und überragenden Erfolg ihres ersten Albums habe sie nicht nur in guter Erinnerung, erzählte die Musikerin kürzlich. Sie ist eben nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellt, das Blitzlichtgewitter auf sich zieht oder ein öffentliches Leben führt. Ihre Musik spiegelt das auch im neuen Album wider.

www.norahjones.de

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