Ein Original im besten Sinne

- Berlin - Deutschland trauert um einen großen Volksschauspieler: Günter Pfitzmann ist tot. Der populäre Darsteller, als Kassenarzt Dr. Brockmann in der ARD-Serie "Praxis Bülowbogen" vielen Fernsehzuschauern unvergessen, erlag am Freitagmorgen in seiner Heimatstadt Berlin im Alter von 79 Jahren einem Herzversagen. Das teilte der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums, Roland Hetzer, mit. Das Ärzteteam hatte in der Nacht zuvor einen dramatischen, fast fünfstündigen Kampf um das Leben des Schauspielers verloren.

<P>"Wir haben alles versucht, aber wir hatten keine Chance mehr", sagte Hetzer. Der Schauspieler, dem bereits 1986 vier Bypässe gelegt worden waren, war am Abend zuvor mit Anzeichen eines erneuten schweren Herzinfarktes eingeliefert worden. Trotz aller medizinischen Bemühungen starb er frühmorgens um 3.15 Uhr. Sein Sohn Robert war als Chirurg bis zuletzt an der Behandlung beteiligt. Auch der andere Sohn und Ehefrau Lilo waren in der Klinik. Seit einer Kriegsverletzung hatte der Schauspieler immer wieder gesundheitliche Probleme. Zuletzt war er im Frühjahr 2000 ins Herzzentrum eingeliefert worden. Im Sommer 2001 zog er sich bei einem Sturz aus dem Bett auf der Insel Mallorca einen Oberschenkelhalsbruch zu.</P><P>Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie viele Schauspielkollegen zeigten sich am Freitag tief betroffen von der Todesnachricht. Rau würdigte Pfitzmann als eine der "großen Schauspielerpersönlichkeiten in Deutschland", der ein großes Publikum erreicht habe. Schröder betonte in seinem Beileidsschreiben an die Witwe, Pfitzmann habe sich im Laufe seines über 50-jährigen Berufslebens in die Herzen des Publikums gespielt.</P><P>Ihm persönlich bleibe Pfitzmann auch dadurch in Erinnerung, dass er Ende der 50er Jahre in den Antikriegsfilmen "Hunde, wollt Ihr ewig leben?" und "Die Brücke" überzeugend dargestellt habe, was Krieg für die Menschen wirklich bedeutet. "Seine Heimatstadt Berlin, ja wir alle, werden Günter Pfitzmann sehr vermissen", so Schröder. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte, mit Pfitzmann sei "ein großer Charakterdarsteller und Volksschauspieler, ein Berliner Original im besten Sinne, von der Bühne des Lebens abgetreten".</P><P>Der Produzent der ZDF-Serie "Traumschiff", Wolfgang Rademann, nannte Pfitzmann einen "großen Komödianten". Der Kabarettist Hans Jürgen Diedrich, Gründungsmitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, verlor "einen tollen Kollegen", mit dem auch ein "großes Stück von Berlin zu Ende" sei.</P><P>"Pfitze", wie der volkstümliche Darsteller von seinen Freunden genannt wurde, war für viele Fernsehzuschauer der Inbegriff des typischen Berliners: schlagfertig und mit trockenem Humor. Bekannt wurde er auf dem Bildschirm vor allem als volksnaher Kassenarzt Dr. Brockmann in der "Praxis Bülowbogen" im Schöneberger Kiez von Berlin, als Würstchen-Otto bei den "Drei Damen vom Grill" mit Brigitte Mira oder als Werftbesitzer im "Havelkaiser".</P><P>Im Fernsehen sah man Pfitzmann seit 1958 unter anderem in "Gestatten - mein Name ist Cox", den Mehrteilern "Die Unverbesserlichen" mit Inge Meysel und "Am grünen Strand der Spree" sowie "Berliner Weiße mit Schuss". 1998 drehte er zusammen mit Harald Juhnke das ARD-Großstadtmärchen "Letzte Chance für Harry" um einen Obdachlosen und einen Manager.</P><P>Der am 8. April 1924 in Berlin geborene Pfitzmann eroberte auch die Bretter des Boulevard-Theaters mit Klassikern wie "Ein seltsames Paar" an der Seite von Harald Leipnitz. Einen seiner größten Bühnenerfolge feierte er in dem Musical "My Fair Lady" als Professor Higgins. Zusammen mit Wolfgang Gruner, Achim Strietzel und Jo Herbst gehörte Pfitzmann zu den "Männern der ersten Stunde" des Berliner Kabaretts "Die Stachelschweine".</P><P>Auf der Leinwand sah man ihn unter anderem in Antikriegsfilmen wie "Die Brücke" von Bernhard Wicki (1959). Andere Kinofilme waren "Hunde wollt ihr ewig leben?" (1958) und "LiebVaterland magst ruhig sein" (1975).</P>

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