Oscar-Preisträger Sidney Poitier wird 80

- New York - Einer Wahrsagerin hat Sidney Poitier das Leben zu verdanken. Viel zu früh und viel zu schwach auf einer Bootsfahrt zwischen den Bahamas und Florida zur Welt gekommen, stand es schlecht um ihn.

Sidneys Vater, der schon mehrere Kinder zu Grabe getragen hatte, besorgte bereits einen Schuhkarton für das Begräbnis seines Jüngsten. Nur die Mutter wollte nicht aufgeben. Sie zog eine Wahrsagerin zu Rate, wie Poitier in seiner Biografie "The Measure of a Man" erzählt. Was Evelyn Poitier aus den Karten erfuhr, reichte, um ihren Kampfgeist für das Wohl des Jungen zu stärken.

"Mach Dir keine Sorgen um den Kleinen. Er wird es schaffen und gesund sein. Er wird in fast alle Winde der Erde ziehen und neben Königen einhergehen", zitiert der gefeierte Bühnen- und Filmstar die Prophezeiung, die ihm letztlich das Leben rettete. Jahrzehnte später hat Sidney Poitier gesellschaftliche "Barrieren wie ein Hürdenläufer überwunden", schrieb die "International Herald Tribune". Er war der erste US-Amerikaner mit dunkler Hautfarbe, der einen Oscar bekam und der mehr Geld verdiente als alle anderen Stars. Am Dienstag (20.2.) wird der hoch gewachsene und weiter gut aussehende Poitier 80.

Zu seinen "Erfolgen" zählt, dass er als erster Schwarzer in einem Hollywood-Film eine Weiße küssen durfte. Zwar wurde die Szene 1967 noch verschämt durch den Rückspiegel eines Taxis gedreht, aber sie gehört in die Reihe jener "Durchbrüche", für die Bürgerrechtler ihn feierten und für die manche Aktivisten der afro-amerikanischen Bewegung ihn lange als angepassten "weißen Schwarzen" schmähten.

Wie alt er werden musste, um Vorurteile zu überwinden und festgefahrene Strukturen aufzuweichen, weiß der Star von Filmen wie "In der Hitze der Nacht" und "Porgy and Bess", "Flucht in Ketten" und "Der Schakal" angeblich selbst nicht so genau. Manche Dokumente geben sein Geburtsdatum mit dem 20. Februar 1924 an, in anderen ist das Jahr 1927 verzeichnet. Poitier sagt augenzwinkernd, er halte sich da raus. "Schließlich bin ich noch fit, also was soll's?"

Zu seiner Herkunft hat sich der Schauspieler aber immer bekannt. Auf der paradiesisch abgeschiedenen Cat Island der Bahamas beheimatet, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen als jüngstes von acht Kindern auf. Sein Vater war Tomatenpflücker und konnte die Großfamilie eher schlecht als recht ernähren. Mit 13 musste Sidney die Schule verlassen. Er schlug sich in Miami als Straßenverkäufer und Parkwächter durch, schuftete auf dem Bau und als Packer im Hafen. Später ließ er sich zum Krankengymnasten ausbilden, ging zur US-Army und leiste bis 1945 Kriegsdienst.

Danach zog es Poitier ans Theater. Unbekümmert bewarb er sich am Broadway, wurde aber trotz seiner stattlichen Erscheinung wegen des damals noch "schrecklichen" westindischen Akzents abgelehnt. Aber er gab nicht auf. Statt als Schauspieler ließ er sich im American Negro Theater als Nachtwächter anstellen: Sein Lohn bestand aus kostenlosem Schauspielunterricht. Nach ersten kleinen Nebenrollen wurde die Hartnäckigkeit belohnt. Harry Belafonte fiel in einem Broadway-Stück aus, und der damals völlig unbekannte Poitier durfte einspringen - die Chance seines Lebens.

Den Oscar bekam Poitier 1963 für die Darstellung eines schwarzen Arbeiters auf der Farm weißer Nonnen: In Ralph Nelsons "Lilien auf dem Felde". Die Rassendiskriminierung in den USA war in weiteren bekannten Poitier-Filmen das zentrale Thema. In "Rat mal, wer zum Essen kommt", dem Film mit der schwarz-weißen Kuss-Szene, wird Poitier dem betuchten Elternpaar Katharine Hepburn und Spencer Tracy als künftiger Schwiegersohn präsentiert. Im Krimi "In der Hitze der Nacht" (ebenfalls 1967) musste sich Poitier als Kriminalexperte aus dem Norden gegen einen rassistischen Südstaaten-Sheriff (Rod Steiger) durchsetzen.

Da war er schon so populär, dass sich die Rollen- und Gagenangebote überschlugen. 1969 galt er als höchstbezahlter Filmschauspieler der Welt. Auch als Regisseur war er erfolgreich. Der Ruhm ist ihm bis heute nicht zu Kopf gestiegen. "Ich versuche immer noch, weiter zu lernen, die Dinge besser zu verstehen und selbst besser zu werden", sagt Portier.

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