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Vor dem Konzert durften seine Fans mitentscheiden, welche Stücke Herbert Grönemeyer im Circus Krone spielen sollte.

Grönemeyer im Circus Krone

Party ohne Männer und Alkohol

München - Kein „Alkohol“, kein „Mensch“, keine „Männer“, keine „Currywurst“. Herbert Grönemeyer im Münchner Circus Krone – ohne seine allergrößten Hits.

„Was soll das?“ – spielte er natürlich auch nicht. Ganz einfach: Es sollte eine Zeitreise zum Jubiläum „Blick zurück – 30 Jahre – Halbzeit“ werden. Diese Club-Tour macht nur auf kleinen Bühnen halt. Und Grönemeyer erscheint dort größer, ein bisschen fülliger, jedoch fitter denn je.

Die Fans hatten vor den Konzerten das Wort: 50 Lieder standen im Internet zur Wahl. Alte und neue Juwelen jenseits der Klassiker. Ein Best-of von gestern bis weit über „Mensch“ hinaus – aber eben ohne die Gassenhauer. Und ohne die Sentimental-Werke „Stück vom Himmel“, „Der Weg“ und „Demo“, Grönemeyers musikalische Aufarbeitung der Todesfälle von Frau Anna (45) und Bruder Wilhelm (44) binnen weniger Tage 1998.

Der Liedermacher hat sich selbst immer wieder hochgezogen, Licht und Schatten durchlebt. Jetzt steht er da mit seinen 56 Jahren, aufgeräumter als je zuvor. Keine melodramatischen Seelenspiegel, auch die früher gern benutzten politischen Botschaften braucht er nicht mehr. Es ist pure Lust auf Musik, die aus seinen kleinen Augen strahlt.

Natürlich versteht man immer noch nicht jedes Wort dieses Ruhrpott-Helden, der jetzt je die Hälfte des Jahres in London und Berlin verbringt. Egal, denn: „Zusammen mit dir können die Tomaten ruhig fliegen“, grölt er in „Total egal“. Tomaten und Buh-Rufe gab es noch nie für einen der letzten deutschen Bühnenheroen mit bislang 13 Millionen verkauften Alben. Aber schwierig war die Anfangszeit dennoch, bis zum Durchbruch mit dem Album „4630 Bochum“. „Zwei Leute beim ersten Konzert waren es“, erinnert sich Grönemeyer. „Und hier in München mussten damals im Alabama auch zehn Biertische eng zusammengestellt werden, damit es voll aussah.“

Das war jetzt im Krone, dem Circus der 3000 Glückseligen, ganz anders. Sie lieben ihr Idol und lauschten seinen Anekdoten: Dass die Mama das anrüchige „Moccaaugen“ nicht mochte. Dass es Anrufe von aufgebrachten Psychologinnen gab für „Kinder an die Macht“. Und dann flogen sie auch schon auf die Bühne, die Teddys und die Gummibärchen. Grönemeyer, der herrliche Kindskopf, schmiss singend zwei in die Luft und fing sie mit dem Mund. Es waren die einzigen Showeffekte auf der Bühne, die lediglich von fünf nostalgischen Stehlampen geschmückt wurde. Und natürlich von sechs großartigen Musikern, die seit Ewigkeiten an Grönemeyers Seite stehen. Sie sind in den großen Arenen schlicht zu weit weg, um ihren Spaß an der und die Hingabe an die Arbeit zu sehen – allen voran Saxophon-Veredler Frank Kirchner. Imposant ist sie, diese Jubiläums-Tour von Grönemeyer, voller Kraft, Energie und richtig laut. In Wien musste vor ein paar Tagen ein parallel stattfindendes Konzert im angrenzenden Mozart-Saal abgebrochen werden wegen des Herbie-Donners nebenan. Ärger mit der Nachbarschaft gab es im Krone nicht.

Stefan Dorner

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