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Dieses Urlaubsfoto von Patrick Lindner im Holocaust-Mahnnmal in Berlin sorgte für Empörung.

Schlagerstar pietätlos?

Patrick Lindner: Shitstorm wegen Urlaubsfoto

Berlin - Lächelnd hockt Patrick Lindner zwischen zwei Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Der Urlaubs-Schnappschuss, den der Schlagerstar auf Facebook postete, sorgte für Empörung.

"Unfassbar!" Widerlich!" Er habe das "Gedenken an die Opfer des Faschismus mit Füßen getreten." Das sind nur ein paar der vielen Kommentare, die am Mittwoch neben dem Schnappschuss zu lesen waren, den Schlagerstar Patrick Lindner auf sein Facebook-Profil gestellt hatte. Darauf lächelt er sonnenbebrillt und gut gelaunt in die Kamera, während er mit dem Rücken an einer der 2711 Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin lehnt, seine Turnschuhe stützt er dabei an die gegenüberliegende. Das Kunstwerk soll an die Vernichtung von Millionen Juden im zweiten Weltkrieg erinnern. 

"Ich bin erstaunt und zugleich entsetzt, wie viel Einfalt und Gedankenlosigkeit jener Heile-Welt-Sänger an den Tag legt. [...] Dieses Bild verhöhnt jene, für die es dort errichtet wurde", meint eine Userin - und sehr viele pflichten ihr bei. Ganz besonders echauffiert sich Schlager-Kollege Björn Casapietra. In mehreren Beiträgen macht er seiner Empörung Luft, beschreibt eindringlich die Kriegsgräuel und fügt hinzu: "Dieses Mahnmal soll an diese unfassbaren Untaten unserer Vorväter erinnern. Das sind GRÄBER, Patrick. Unschwer zu erkennen! Lehnst du dich mit Rücken und Sohle an die Gräber deiner Angehörigen? Unfassbar."

In der Tat symbolisieren die Stelen auf der etwa 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors für die meisten Grabsteine, die graue Farbe erinnert viele an die Asche der Juden, die in den Öfen der Konzentrationslager der Nazis verbrannten. Doch auch wenn diese Deutung auf der Hand liegt: Das Mahnmal, das nach einem Entwurf des US-Architekten Peter Eisenman entstand, war bereits bei seiner Einweihung im Jahr 2005 umstritten - nicht zuletzt, weil der Künstler sich einer eindeutigen Entschlüsselung entzog.

Deshalb gibt es auch Menschen, die Lindner verteidigen: "Andere Touristen pinkeln dazwischen, kleben Kaugummis an, malen Liebesherzchen und was nicht alles. Und keiner sagt was", schreibt einer. "Und nu hat´n Promi sich mal hingehockt und alle schrei´n Zeterundmordio. [...] Also kommt mal wieder runter!"

Einen Tag nachdem das umstrittene Bild online ging, hat Lindner es heruntergenommen und eine Erklärung veröffentlicht. In der schreibt er: 

"Dass ein Foto, das an dieser Stelle jeden Tag Tausende von Menschen machen, eine derartige Hysterie auslöst, war mir in keinem Augenblick klar. Dass es aber dazu führt, dass Menschen sich aufs Übelste beschimpfen und persönlich beleidigt werden, das hat mich derart schockiert und mir gezeigt, was in unserem Land los ist.

Was ich vor allen Dingen nicht wollte, Leuten hier auf meiner Seite eine Plattform geben für unflätige, anmaßende, ja sogar hetzerische Kommentare! Ich werde deshalb dieses Foto entfernen, um solchen beleidigenden Kommentaren keine Plattform mehr zu bieten."

Die Vorwürfe "lehne er entschieden ab", so der 52-Jährige und bedankt sich bei denen, die seine Absicht verstanden haben: "Für mich und meine Familie war es ein kultureller Ausflug in unsere Hauptstadt und ganz einfach ein Gruß auf meiner Facebookseite an meine Fans und Freunde, so wie ich das fast täglich mache."

Darunter postete Lindner einen Link zu einem Interview mit Eisenman, in dem der unter anderem erklärt, er habe einen Ort des öffentlichen Erinnerns schaffen wollen, den auch normale Menschen besuchen können, ohne sich schuldig zu fühlen. Er habe nichts gegen Menschen, die zwischen den Stelen picknicken oder Kinder, die dort spielen, so der Architekt des Mahnmals.

Bereits 123 Personen gefiel Lindners Stellungnahme.

hn

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