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Peter Maffay engagiert sich für deutsche, israelische und palästinensische Jugendliche.

Peter Maffay für interkulturellen Dialog

München - Rockmusiker Peter Maffay bringt über seine Stiftung deutsche, israelische und palästinensische Jugendliche zusammen.  

Die ersten Eindrücke von Israel, wenn man mit dem Bus vom Tel Aviver Flughafen nach Jerusalem fährt: Die Zäune sind höher, die Gräben und Sperranlagen tiefer und unüberwindlicher geworden. Das Land gleicht einer Festung. Kaum vorstellbar, dass zwischen Israelis und Palästinensern trotz des in militärischen High-Tech-Schutzanlagen manifestierten Unfriedens noch normale Begegnungen von Mensch zu Mensch stattfinden. Und doch ist es so. Die Peter-Maffay-Stiftung arbeitet seit Jahren mit dem Peres-Center for Peace des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres zusammen, um deutsche, israelische und palästinensische Jugendliche zusammen zu bringen.

Musiker und Wohltäter: Peter Maffay seit 40 Jahren auf der Bühne

Musiker und Wohltäter: Peter Maffay seit 40 Jahren auf der Bühne

Begonnen hatte die Zusammenarbeit als deutsch-israelischer Austausch, sagt der 60-jährige Rockmusiker am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Jerusalem. Inzwischen werden palästinensische Jugendliche einbezogen - es entstehen trilaterale Begegnungen, bei denen es um Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen geht. Und die mit ihrer bloßen Existenz ein Gegenmittel zur Spirale der Gewalt sein wollen, die im Nahen Osten - wie zuletzt bei den Zusammenstößen im Mittelmeer zwischen Hilfsschiffen für den von Israel blockierten Gazastreifen und der israelischen Marine - immer wieder eskalieren können. “Sich denen anschließen, die sich jetzt einem Dialog verschließen, ist der falsche Weg“, sagt Maffay. “Man würde den Kräften, die radikalisieren, den Vortritt lassen.“ Natürlich könnten Musiker mit einem Konzert, wie es auf dem Jerusalemer Rathausplatz für den Abend geplant war, nicht alles verändern.

Wenn er aber mit der israelischen Sängerin Noa auf der Bühne singe, und diese mit arabischen Künstlerinnen wie Mira Awad und Zipi Maschid, sei dies an sich bereits ein Statement. Und wenn Jugendliche aus Deutschland, Israel und den palästinensischen Gebieten daran als Publikum teilhaben, ebenfalls. “In Israel arbeiten noch sehr viele Friedensgruppen“, sagt die Sängerin Noa im DAPD-Gespräch zur Lage zwischen Israelis und Palästinensern. In den Autonomiegebieten sei diese Arbeit zum Erliegen gekommen, aber in Israel gebe es noch viele Kooperationen etwa zwischen israelischen und arabischen Schulen, gebe es Beispiele gutnachbarlichen Zusammenlebens von Israelis und Palästinensern. “Die Gewalt bekommt die ganze (Medien-) Aufmerksamkeit“ sagt sie. “Gute Menschen sind langweilig.“ Den Einsatz gegen ein Hilfsschiff am 31. Mai mit neun türkischen Todesopfern nennt sie eine Katastrophe und fordert eine internationale Untersuchung - und nicht nur die gerade von der israelischen Regierung beschlossenen eigenen Ermittlungen, an denen auch zwei ausländische Beobachter teilnehmen sollen.

“Wir brauchen keine Mauern, wir brauchen Türen“

“Rückschläge können nicht der Grund sein, dass man nachlässt“, sagt Maffay und erinnert an das 20-jährige Jubiläum des mit friedlichen Protesten herbeigeführten Mauerfalls in Berlin: Man müsse die Hoffnung bewahren, “dass es hier auch so geschehen wird“. Begegnungen würden helfen, Konfliktpotenziale abzubauen. “Jede Mauer, die Menschen teilt, ist menschenunwürdig und verhindert, dass sich Menschen auf gleicher Augenhöhe begegnen.“ Patriarch Fuad Twal habe ihm bei einer Begegnung vor der Pressekonferenz gesagt: “Wir brauchen keine Mauern, wir brauchen Türen.“ “Ich kann Menschen verstehen, die sich dagegen wehren eingesperrt zu sein“, erklärt Maffay. “Jeder würde das tun.“

Seine Projekte schlössen aber jede Gewaltanwendung aus. Menschen, die miteinander reden, singen und spielen, begegnen sich eben anders. Der Unternehmer Joachim Hunold, der das Konzert organisierte, will dies unterstützen. Unternehmer hätten auch eine gesellschaftliche Verpflichtung, betont der Air-Berlin-Chef auf der Pressekonferenz, “jenseits der Politik Brücken zu schlagen über Grenzen, die übrigens nicht zu sehen sind, wenn man darüber wegfliegt“. 100 Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen hat Hunold zu den Begegnungen mit Altersgenossen nach Jerusalem fliegen lassen, vor dem Konzert am Dienstag besuchten sie die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem. “Ihr seid dafür nicht verantwortlich“, gibt ihnen Maffay mit auf den Weg. “Ihr seid aber mit dafür verantwortlich, dass sich das nicht wiederholt.“ Diese hundert Jugendlichen kehrten als Multiplikatoren zurück, sagt Maffay und dankt Hunold für ein Engagement, das über die Möglichkeiten seiner Stiftung hinausgegangen wäre. Das ergebe eine “wunderschöne Kraft“.

dapd

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