Playboy auf Lebenszeit

- München - Es waren nur drei Jahre. Zugegeben, drei wilde, spektakuläre Jahre. Aber eben nur drei. Trotzdem wird Brigitte Bardot heute immer noch in einem Atemzug mit Gunter Sachs genannt, der mit ihr von 1966 bis 1969 verheiratet war. Eins von vielen Etiketten, die Sachs im Laufe seines Lebens aufgeklebt wurden. So wie der "Playboy" oder der "Multimillionär". Schubladen, in die er irgendwie passte, die ihm aber nie ganz gerecht wurden.

<P>"Die Playboys sind so tot wie die Musketiere oder Troubadoure", hat Gunter Sachs vor ein paar Jahren gesagt. Das Wort klingt verstaubt, aus einer anderen Zeit. Der Mann, der in der kollektiven Erinnerung in erster Linie mit attraktiven Blondinen und schillernden Partys in Verbindung gebracht wird, wird heute 70 Jahre alt. Er ist seit 33 Jahren mit derselben Frau verheiratet, kämpft vor Gericht um Grundstücksrechte und beschäftigt sich mit Astrologie. Zeit seines Lebens war Gunter Sachs für Überraschungen gut, auch im Alter ist das nicht anders.</P><P>Lange vor den Frauen kam die Mathematik. Geboren am 14. November 1932 im fränkischen Mainberg als Sohn des Kugellager- und Motorenfabrikanten Willy Sachs, war ihm zunächst die naturwissenschaftliche Laufbahn bestimmt. Er hatte prominente Großväter: Ernst Sachs, der Erfinder des Fahrrad-Freilaufs, und Wilhelm von Opel, der Sohn des Opel-Gründers. Auf das Mathematik- folgten Wirtschaftsstudium, Feinmechaniker- sowie Banklehre und ein Dolmetscherdiplom.</P><P>Anfang der 60er Jahre tauchte der blonde, braungebrannte Mann häufiger in der Boulevardpresse auf, meist in Zusammenhang mit einem Fischerdorf namens St. Tropez. Sachs machte es berühmt, zusammen mit anderen Stars und Sternchen, die die Französische Riviera als Party-Mekka entdeckten. Die Frauen an seiner Seite hatten prominente Namen: Ex-Kaiserin Soraya gehörte dazu. Das Mannequin Anne-Marie Faure heiratete er mit 23. Sie starb drei Jahre später bei einer Operation.</P><P>Und dann die Bardot. Ein Regen aus roten Rosen über ihrem Grundstück als Heiratsantrag. Die heimliche Hochzeit in Las Vegas, barfuß und im offenen Hemd. Drei Jahre im Liebesrausch. "Es war eine Lust, sie zu lieben, aber ich war nicht der richtige Mann für sie", sagt Sachs heute. 1969 heiratete er die Frau, für die er der Richtige war: die 13 Jahre jüngere Mirja Larsson, damals schwedisches Fotomodell, die für seine 1965 gegründete Modekette "Micmac" arbeitete.<BR>Bei all seinen amourösen Abenteuern ging es Sachs nie nur um die schnelle körperliche Befriedigung. Schöne Frauen sind für ihn eher wie Kunstwerke. "Ich bin in der Liebe wie ein Maler, der süchtig Bilder mit den Augen aufsaugt, wartet, bis das Gehirn sie in Gefühle verwandelt, die dann umgesetzt werden."</P><P>Sagt einer, der es wissen muss. Sachs, der Künstler. Seit den sechziger Jahren drehte er Dokumentarfilme, bestückte unzählige Fotoausstellungen. Sein bevorzugtes Motiv blieben immer die Frauen. Sachs veröffentlichte Fotobände und erntete Auszeichnungen, ist renommierter Kunstsammler. Die Zeitschrift "Medizin und Kunst" nahm ihn 1997 in die Hitliste der 100 wichtigsten lebenden Kunstschaffenden auf.</P><P>Eine späte Anerkennung. Nicht seine Kunst füllte die Schlagzeilen, sondern sein Privatleben. Als Sachs und sein Bruder Ernst-Wilhelm 1976 in die Schweiz auswanderten und 330 Millionen Mark aus dem Verkauf von Anteilen des Familienunternehmens unversteuert mitnahmen, entrüstete sich die Boulevard-Presse. Spott und Häme hagelte es, als Ernst-Wilhelm 1977 bei einer Skitour ums Leben kam. "Der Tote im Schnee ist an seinem Reichtum erstickt", kommentierte die "Bild". Sachs schlug zurück. Sein Brief an Axel Springer wurde berühmt: "Herr Springer, wir sind uns selten begegnet; ich möchte Sie nie wiedersehen."</P><P>Inzwischen ist es ruhiger geworden um Gunter Sachs, der mit seiner Frau Mirja zurückgezogen in London lebt. Mit ihr hat er zwei Kinder, Christian Gunnar (31) und Claus Alexander, 20 Jahre alt. Aus der ersten Ehe stammt der 46-jährige Rolf. Sachs' Vermögen soll sich von ursprünglich 250 Millionen Mark inzwischen verachtzehnfacht haben.<BR>Statt der Stars interessieren ihn heute viel mehr die echten Sterne. 1995 gründete er das "Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie in Bezug auf den menschlichen Charakter". Glaubt man seiner Theorie, so arbeiten Skorpione wie er überdurchschnittlich oft als Bäcker, Maurer oder Maler und leben häufig alleine. Ausnahmen bestätigen die Regel.</P><P><BR> </P>

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