Prinz Bernhard gestorben

- Den Haag - Die Niederlande trauern um Prinz Bernhard. Im Alter von 93 Jahren starb der Vater von Königin Beatrix und langjährige Prinzgemahl von Ex-Königin Juliana (1909-2004) am Mittwochabend im Universitätskrankenhaus von Utrecht.

<P>Er erlag den Folgen von Krebserkrankungen an Lunge und Darm. In Nachrufen wurde der aus Deutschland stammende Prinz als unermüdlicher Botschafter für die Niederlande gewürdigt. Trotz einiger Fehler - etwa beim Lockheed-Skandal - habe er das Vertrauen der Niederländer bis ans Lebensende behalten. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sah in ihm einen "Menschen, den man lieb haben musste". <BR><BR>Das Lebensende des Prinzen war von Dramatik gekennzeichnet. Erst vor einer Woche hatte der Hof mitgeteilt, dass die Gesundheit des Prinzen, der in seinem Leben mehr als 50 teils schwere Operationen überstanden hatte, ständig schlechter werde. Die Ärzte hielten weitere Behandlungen für wirkungslos. Am Mittwochmittag wurden die Schmerzen so stark, dass der Prinz von Schloss Soestdijk ins Universitätskrankenhaus von Utrecht gebracht wurde. Dort starb er gegen 18.50 Uhr. Seine Töchter seien bei ihm gewesen, teilte der Hof mit. Die Leiche wurde noch am Abend zum Königsschloss gebracht, wo der Prinz seit seiner Hochzeit mit der damaligen Kronprinzessin Juliana 1937 gewohnt hatte. Auf dem Schloss wehten königliche Flaggen mit Trauerflor, im ganzen Land waren die Fahnen auf halbmast gesetzt.</P><P>In den Medien wurden vor allem die Verdienste Bernhards um den militärischen Widerstand der Niederlande im Zweiten Weltkrieg und um den Wiederaufbau des Landes hervorgehoben. "De Telegraaf" erinnerte auf seiner Titelseite - über einem großen Foto des bärtigen Prinzen - daran, dass er 70 Jahre lang eine wichtige Rolle in der Geschichte der Niederlande gespielt habe. "Wir werden ihn vermissen", versicherte das Blatt. Es bezeichnete ihn als einen "Vizekönig", der international großes Ansehen genoss.</P><P>Als "Charmeur mit schwachem politischem Empfinden" porträtierte "De Volkskrant" den Verstorbenen und spielte damit insbesondere auf seine Rolle im Lockheed-Bestechungsskandal der 70er Jahre an. Nach dem Tod seiner Frau im März habe der Unverwüstliche jede Lebenslust verloren. "Kämpferisch bis zum Ende" habe das Idol der niederländischen Veteranen und Widerstandskämpfer intensiv gelebt, erinnerte das "Algemeen Dagblad". Es sah in dem Pfeife rauchenden und schnelle Autos liebenden Familienvater, der den Oraniern zu Glanz und Farbe verhalf, auch einen "flamboyanten Abenteurer".</P><P>Mit der Kommentar-Überschrift "Ein leichter Vogel" bezog sich die christliche "Trouw" auf eine "zutreffende Typisierung" des Prinzen, der auf jedem Parkett zu Hause gewesen sei und den man "gut vorzeigen konnte". Er sei eben "ein schlauer Held" gewesen. Politiker würdigten seinen starken Charakter und betonten, dass er schwierige Zeiten für die Monarchie gemeistert habe. Weniger royalistisch gesinnte Abgeordnete des Parlaments sahen in ihm allerdings auch einen (politisch) "rechten Burschen mit einer Vorliebe für Uniformen".</P><P>Der Prinz wird am 11. Dezember in der Oraniergruft in Delft beigesetzt. Wie das Informationsamt des Hofs am heutigen Donnerstag mitteilte, bleibt seine Leiche bis zum kommenden Sonntagmittag auf Schloss Soestdijk, wo er seit 1937 gewohnt hat. Dann wird der Sarg nach Den Haag übergeführt und in Schloss Noordeinde aufgebahrt. Dort kann die Bevölkerung von Dienstag bis Donnerstag Abschied nehmen vom Vater der Königin und einstigen Prinzgemahl der im März gestorbenen Ex-Königin Juliana. Der Amtssitz von Königin Beatrix ist an diesen Tagen von 9.00 bis 23.00 Uhr für Trauergäste zugänglich..  </P>

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