Privates von den Promis? Nur wenige geben Interesse zu

- München - Wenn der Spitzentorwart Oliver Kahn zwar den Ball, aber die Hormone nicht mehr halten kann und fremdgeht, ist das mindestens so interessant wie die Abenteuer von Kahns früherem Vereinskameraden Stefan Effenberg, der sich anschickt, seine Biografie möglichst wirkungsvoll auf den Markt zu schießen.

<P>"Gleichzeitig wollen sie<BR>jedes Detail wissen."<BR>Joachim Westerbarkey</P><P>Oder will das alles überhaupt niemand wissen? Trotz der Verkaufsrekorde von Prominenten-Biografien und hoher TV-Einschaltquoten im Boulevardbereich geben nur wenige Deutsche zu, am Privatleben von Prominenten interessiert zu sein. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Münchner Meinungsforschungsinstituts polis im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.</P><P>Danach räumen nur 13 Prozent der Bevölkerung ein, sich für das Privatleben von Prominenten zu interessieren. Am vergleichsweise größten ist das Interesse noch bei Frauen (19 Prozent), den 14- bis 19-Jährigen (20 Prozent) und den 20- bis 29-Jährigen (18 Prozent).</P><P>"Hier liegt offensichtlich ein Voyeur-Effekt vor", sagt Claus Grimm von polis. "Das Interesse ist da, aber kaum jemand bekennt sich dazu."</P><P>Auch Kommunikationswissenschaftler Joachim Westerbarkey bestätigt diese Einschätzung. "Nach außen hin haben sich alle über die Affäre des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit einer Praktikantin entrüstet. Gleichzeitig wollten sie jedes Detail wissen. Hier wird die moralische Doppelbödigkeit der Gesellschaft deutlich, vielleicht sogar der heimliche Wunsch, so etwas selbst einmal zu erleben", meint der Professor an der Universität Münster. Jeder Zweite (56 Prozent) gab an, sich nicht für Medienberichte über Prominente zu interessieren.</P><P>Geschichten über Prominente erfüllten im Medienzeitalter zunehmend Klatschfunktionen. "Da bekommen die Menschen etwas geboten, über das sie sich mit Anderen gut unterhalten können", sagt Westerbarkey.</P><P>Je nach Gefühlslage oder Lebenssituation projizierten sie oft ihre eigenen Wünsche auf diese "modernen Helden", erklärt der Wissenschaftler. "Begeht einer von ihnen einen Fehltritt, kann man schnell wieder Abstand nehmen und den Sünder verurteilen, auch um sich selbst zu rechtfertigen."</P><P>Westerbarkey hat ferner beobachtet, dass immer wieder Sätze fallen wie: "Schau, die sind genauso wie wir" oder "Denen geht es auch nicht besser". Schließlich gehe "Bewunderung gern mit Neid einher, und je größer der Neid, desto größer die Schadenfreude".<BR>Die Meinungsforscher befragten zwischen dem 29. und 30. April 1138 Männer und Frauen ab 14 Jahren.<BR><BR><BR></P>

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