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Frauen demonstrieren vor Gericht bei dem Prozess gegen Model Gina-Lisa Lohfink

"No means no"

Prozess um Gina-Lisa Lohfink von Eklats und Protesten überschattet

Berlin - Der vielbeachtete Prozess um die angebliche Vergewaltigung des Models Gina-Lisa Lohfink ist am Montag von Protesten und Konfrontationen zwischen Lohfinks Verteidigern und der Vorsitzenden Richterin überschattet worden.

Lohfinks Anwälte Burkhard Benecke und Christian Simonis stellten am dritten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten gleich mehrere Ablehnungsanträge gegen Richterin Antje Ebner wegen Befangenheit.

"Es war ein ekliges Gefühl", sagte die angeklagte Lohfink über das Wiedersehen mit einem ihrer angeblichen Vergewaltiger, dem als Zeugen verhörten Fußballer Pardis F. Der 28-Jährige sowie Lohfinks frühere Managerin Alexandra Sinner wurden zur Samstagnacht vom 2. auf den 3. Juni 2012 befragt, in der Lohfink nach eigenen Angaben von F. und dem Nachtclubangestellten Sebastian C. vergewaltigt wurde.

Die Staatsanwaltschaft hält die Vorwürfe für frei erfunden und hatte deshalb ein Strafgeld über 24.000 Euro wegen falscher Verdächtigungen beantragt. Weil Lohfink die Zahlung ablehnte, muss nun in der Hauptverhandlung geklärt werden, was wirklich in der Nacht passierte. Dabei stützen sich beide Seiten auf ein vielfach im Internet verbreitetes Video von dem Geschlechtsverkehr. Auf diesem ist zu hören, wie Lohfink unter anderem "Hör auf, hör auf" und "Nein, nein, nein" sagt. Pardis F. zufolge bezogen sich die Äußerungen auf die Videoaufnahmen.

Die durch die Castingshow "Germany's Next Topmodel" bekannt gewordene Lohfink ist überzeugt, dass ihre Trunkenheit ausgenutzt und sie mit K.O.-Tropfen manipuliert wurde. Sie betrachtet ihre im Video festgehaltenen Äußerungen als Beweis, sich gegen den Sex gewehrt zu haben.

Der Fall Lohfink hatte die derzeit debattierte Reform des Sexualstrafrechts angestoßen, derzufolge körperliche Gegenwehr nicht Bestandteil einer Vergewaltigung sein muss. "Nach der Reform des Sexualstrafrechts wird es so einen Prozess nicht mehr geben", sagte Verteidiger Benecke am Ende des Verhandlungstages. Er und Lohfink bedankten sich bei den mehreren Dutzend Unterstützern, die vor dem Amtsgericht mit dem Slogan "Nein heißt nein, du bist nicht allein." demonstrierten.

Im Gericht kam es zu Tumulten, als F. den Saal verließ und ihn eine obenherum entblößte Femen-Aktivistin kreischend als "Schwein" beschimpfte. Zuvor hatte der für einen Fußballclub in Aserbaidschan spielende Profi Lohfinks sämtliche Vorwürfe bestritten. Er sagte: "Mir haben die Videos mehr geschadet als der Angeklagten."

Während Lohfink nach Bekanntwerden der Videos zum Gesicht der Berliner Erotikmesse Venus geworden sei, habe seine Karriere erheblich gelitten. Lohfink weinte während der Befragung von Pardis F. und musste den Saal zwischenzeitlich verlassen. F. berichtete, dass er sowohl in der Nacht vor als auch in der Nacht nach der angeblichen Vergewaltigung mit Lohfink geschlafen habe. Zugleich widersprach sich der Berliner mehrmals bei seinen Angaben zu seinem angeblich losen Verhältnis zu C. Lohfinks Verteidiger kündigten an, Beweise vorzulegen, dass F. und C. gemeinsam mit "zahlreichen Prostituierten" geschlafen hätten. Allerdings warf auch das Verhalten der Angeklagten Fragen auf - unter anderem weshalb sie auch die Folgenacht mit F. verbrachte oder warum in der wenige Tage später erstellten Anzeige gegen die Verbreitung der Sexvideos noch von "einvernehmlichem" Geschlechtsverkehr die Rede war.

 Als die Richterin die Öffentlichkeit nicht für die Sichtung der Sexaufnahmen ausschließen, sondern lediglich den Bildschirm von den Zuschauern abwenden wollte, kam es zum Eklat: "Ich glaube es hackt", brüllte Lohfinks Anwalt Simonis und stürmte mit Benecke und dem Model aus dem Saal, ohne dass Richterin Ebner den Prozess unterbrochen hatte.

Wegen der ständigen Auseinandersetzungen zwischen Ebner und der Verteidigung konnten die Videos nicht gesichtet und die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen werden. Zudem muss ein Schöffengericht über die Befangenheitsanträge befinden. Der Prozess gegen Lohfink soll am 8. August fortgesetzt werden. Über vier Jahre nach der angeblichen Vergewaltigung ist ein Urteil noch nicht absehbar.

dpa

Fall Gina-Lisa: Die Entscheidung!

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