Prozess gegen Immendorff vertagt

- Düsseldorf - Der Kokain-Prozess gegen Jörg Immendorff ist wegen des schlechten Gesundheitszustands des todkranken Malers am Dienstag abgebrochen und vertagt worden. Der 59-Jährige gab an, seit Tagen nicht geschlafen zu haben und unter Atemnot zu leiden.

<P>Er könne der Verhandlung nicht mehr folgen, sagte der wegen Drogenbesitzes angeklagte Immendorff. Nachdem ein Mediziner den Kunstprofessor in Augenschein genommen hatte, vertagte der Vorsitzende Richter den Prozess auf Donnerstag.</P><P>Zuvor hatte die erste Prostituierte als Zeugin im Prozess die Aussagen des Künstlers bestätigt. "Der Herr Professor Immendorff hat nie Kokain angeboten", beteuerte die 30-Jährige vor der Strafkammer des Düsseldorfer Landgericht. "Der hat nie gesagt: Bedient euch", versicherte sie mit osteuropäischem Akzent.</P><P>Allerdings hätten sich mehrere Liebesmädchen heimlich vom Kokainvorrat des Künstlers bedient, wenn dieser auf der Toilette oder im Nebenzimmer gewesen sei, gab die Blondine zu Protokoll. "Das war immer hinter seinem Rücken, wenn das passiert ist. Das hat er nie gesehen."</P><P>Auch sie selbst habe bei einer Immendorff-Party von dem weißen Pulver probiert - zum ersten Mal, berichtete die 30-Jährige, die sich bei den Drogen- und Sexorgien "Patrizia" nannte. "Ich bereue das." Ihren Lohn von 200 bis 300 Euro bezeichnete sie als "Taxigeld", das sie in ihrer Tasche gefunden habe. "Das war so eine Party, und da bin ich hingegangen. Ich wusste nicht, das man dafür was bekommt", gab die schwarz gekleidete Zeugin über ihr erstes Stelldichein mit Immendorff an.</P><P>Die Mädchen hätten sich darüber unterhalten, dass der Professor die Kokainreste im Klo heruntergespült habe. "Es war ja seine Party. Ob er es wegschüttet oder aus dem Fenster schmeißt, war seine Sache", nahm die Frau den Maler in Schutz. Sie sei bei drei "Partys" Immendorffs gewesen.</P><P>Zu Beginn des Prozesstages war eine andere Prostituierte nicht im Zeugenstand erschienen. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin eine Fahndung nach ihr ausgelöst. Polizisten konnten die Frau ausfindig machen. Sie gab an, erkältet zu sein. Ihre Vernehmung soll nun nachgeholt werden.</P><P>Wegen der Unterbrechungen gilt es als beinahe ausgeschlossen, dass der Prozess wie vorgesehen am Donnerstag beendet werden kann. Mit Blick auf seinen Gesundheitszustand habe der Kunstprofessor zudem um ein Film- und Fotografierverbot im Gerichtssaal gebeten, sagte ein Gerichtssprecher.</P><P>Immendorff hatte gleich zum Beginn des Prozesses vor einer Woche alle Tatvorwürfe gestanden. Polizisten hatten ihn vor einem Jahr bei einer Drogen- und Sexparty in der Suite eines Düsseldorfer Luxushotels erwischt. Der 59-Jährige ist im fortgeschrittenen Stadium an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS erkrankt. Ein Gutachter hatte ausgesagt, der Künstler werde bald sterben. Das Gericht will klären, ob Immendorff auch den Prostituierten Kokain angeboten hat oder es duldete, wenn sie sich etwas davon nahmen.</P><P>Der Maler hatte zu Prozessbeginn gestanden, seit etwa zehn Jahren Kokain zu nehmen. Immendorff ist Träger des mexikanischen Marco-Preises, des weltweit höchstdotierten Kunstpreises, und gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Maler Deutschlands. Der Prozess soll am Donnerstag mit der Vernehmung von Prostituierten fortgesetzt werden.</P>

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