Prozess gegen Michael Jackson eröffnet

- Santa Maria - In schwarzem Anzug und weißem Hemd ist Michael Jackson (46) zur entscheidenden Phase seines Missbrauchsprozesses erschienen. Richter Rodney Melville verlas den Geschworenen die neunseitige Anklageschrift.

<P>In ihr wird Jackson vorgeworfen, im Februar und März 2003 auf seiner Neverland Ranch einen damals 13-jährigen krebskranken Jungen sexuell missbraucht zu haben. Anschließend legte die Staatsanwaltschaft der Jury in ihrem Eröffnungsplädoyer nahe, dem jungen Kläger Glauben zu schenken.</P><P>In insgesamt zehn Anklagepunkten wird Jackson, der schon 1993 wegen pädophiler Neigungen angezeigt worden war, außerdem Kindesentführung, versuchte Erpressung und Freiheitsberaubung angelastet. Ihm drohen 20 Jahre Haft. Jackson bestreitet alles.</P><P>Eine rund 1900 Seiten umfassende Dokumentation mit der detaillierten Aussage des jungen Klägers vom Tathergang und anderen Zeugenaussagen vor einer Grand Jury in 2004 soll noch in dieser Woche veröffentlicht werden. Mehr als 1100 Journalisten aus aller Welt haben sich akkreditieren lassen, um den "Jahrhundertprozess" gegen den selbst ernannten "King of Pop" vor Ort zu verfolgen.</P><P>Der Popsänger erschien am frühen Morgen überpünktlich und sehr ernst vor dem Gericht des 77 000-Seelen-Städtchens Santa Maria (Kalifornien). Begleitet wurde er lediglich von seinen Anwälten und seinen Eltern. Die Polizei errichtete fünf Meter hohe Barrikaden, um seine Anhänger und Schaulustige aus aller Welt vom Eingang fern zu halten.</P><P>Nach den Staatsanwälten wollten Jacksons Verteidiger den Angeklagten in ihrem ebenfalls zweistündigen Plädoyer als einen gutmütigen und großzügigen Menschen darstellen, der nur nett sein wollte zu dem jungen Patienten - und in die Hände einer geldgierigen Familie fiel. Ziel von Jacksons Hauptverteidiger Thomas Mesereau ist es, bei der Jury Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Klägerfamilie zu wecken.</P><P>Tatsächlich hatte die Mutter schon einmal Klage wegen sexueller Belästigung geführt und war von einer Kaufhauskette mit 150 000 Dollar abgefunden worden. Spenden für ihren kranken Sohn soll sie für eigene Schönheitsoperationen ausgegeben haben, wie die Verteidigung ermittelte. Anhand von Quittungen will Mesereau nachweisen, dass die Familie des Jungen in einem kritischen Zeitraum auf Jacksons Kosten mehrfach ausgiebig Einkaufen ging und nicht, wie sie jetzt behauptet, gegen ihren Willen auf der Neverland Ranch des Popsängers festgehalten wurde.</P><P>In Jacksons Prozess "geht es nicht darum, wer die Tat begangen hat, sondern ob sie überhaupt begangen wurde", kommentierte der Strafverteidiger Steve Balash aus Santa Barbara der "Los Angeles Times". Die ehemalige Staatsanwältin und heutige Rechtsprofessorin Laurie Levenson von der Loyola Universität in Los Angeles meint, dass die Anklage "derzeit einen Vorsprung vor Jacksons Verteidigern" hat.</P><P>Auch andere Beobachter glauben, dass die überraschend schnelle Wahl der Jury nicht zu Jacksons Gunsten ausfiel. Unter den acht Frauen und vier Männern sind mehrere junge Eltern, die den Popstar als eine Gefahr für Kinder ansehen könnten. Nachteilig dürfte auch sein, dass nicht ein einziges Mitglied der Jury und des Pools von Ersatzjuroren Afroamerikaner ist wie Michael Jackson. Das Gericht erklärt das Fehlen eines Schwarzen damit, dass noch nicht mal jeder 50. Einwohner in dem für das Gericht zuständigen nördlichen Santa- Barbara-Kreis schwarz ist.</P>

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