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Queen Elisabeth.

Prinzessin Lilibets schwere Bürde

90. Geburtstag der Queen: Als sich das Schicksal wendete

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München - In der tz-Serie zum 90. Geburtstag der englischen Queen Elisabeth II. blicken wir dieses Mal auf die Kindheit und Jugend der Regentin zurück.

Als Elizabeth Alexandra Mary am 21. April 1926 morgens gegen drei Uhr per Kaiserschnitt zur Welt kommt, ahnt noch niemand, dass soeben die künftige Königin von Großbritannien geboren worden ist. Als älteste Tochter von Prinz Albert – dem Bruder des britischen Thronfolgers – und seiner Gattin Elizabeth Bowes geht ihre Chance auf die Krone gegen null. In der Thronfolge rangiert die kleine Prinzessin lediglich auf Platz drei. Dass das Drehbuch ihres Lebens noch einmal umgeschrieben wird, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand – am wenigsten Elizabeth selbst.

Die Prinzessin und ihre vier Jahre jüngere Schwester Margaret wachsen behütet auf. Elizabeth gilt als ausgesprochenes Papakind. Der Herzog von York ist ein rührender Vater, der besonders Nesthäkchen Margaret „manche Tollheit nachsah“, wie es Thomas Kielinger in seinem Buch Elizabeth II. beschreibt. Der Erstgeborenen wird dagegen früh der Sinn für Verantwortung vorgelebt. Elizabeth – liebevoll Lilibet genannt – erhält Unterricht in Englisch, Literatur, Geografie, Bibelkunde, Geschichte und ab ihrem 13. Lebensjahr auch Verfassungslektionen. Dabei steht weniger die Bildung im Vordergrund als vielmehr die Erziehung zu Präzision und Sparsamkeit. Vor allem Schwester Margaret – meist die einzige Spielkameradin – bekommt die Ernsthaftigkeit der jungen Prinzessin zu spüren. Verschiedentlich ist ein tadelndes „Aber Margaret!“ aus dem Mund der Älteren zu hören. Gerade mal zehn Jahre alt, erstellt Elizabeth eine Liste aller Weihnachtsgeschenke, die ihre Schwester bekommen hat, damit diese auch ja nicht vergisst, bei wem sie sich zu bedanken hat. Präzision – eine Tugend der künftigen Königin.

Queen Elisabeth II: "Never complain, never explain!"

Dabei liebt das Volk Lilibet längst, was sie vor allem dem Geschick ihrer Mutter (der späteren Queen Mum) zu verdanken hat. Früh hat diese die Bedeutung von Medien und Fotografie für Image und Erhalt der Monarchie erkannt. Sie inszeniert ihre Tochter Elizabeth gekonnt zum Liebling der Nation. Im zarten Alter von drei Jahren ziert die Prinzessin bereits den Titel des Time-Magazins. Papa Albert, von der Familie Bertie genannt, schreibt an seine Mutter Queen Mary, es mache ihm „fast Angst, dass die Menschen Elizabeth so sehr lieben“. Bilder der glücklichen Familie werden als Gegenentwurf zum unsoliden Thronfolger Edward lanciert, der durch seine Liaison mit der zweifach geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson mehr und mehr in Ungnade fällt. Als König George V. im Januar 1936 stirbt, besteigt Edward VIII. den Thron – und beschließt nach nur zehn Monaten aus Liebe seine Abdankung. „Oh Gott, wie schrecklich zu hören“, soll Albert gerufen haben, als er die Neuigkeit von seinem Bruder persönlich erfährt. „Keiner von uns will das, ich am allerwenigsten.“

Doch wie heißt die eiserne Regel der Royals: „Never complain, never explain!“ Übersetzt: „Beschwere dich nicht, erkläre dich nicht!“ Aus dem schüchternen, stotternden Albert wird König George VI. – und aus Lilibet Kronprinzessin Elizabeth. Das Mitleid von Schwester Margaret ist der frischgebackenen Thronfolgerin sicher. Elizabeth selbst betet in dieser Zeit angeblich glühend um einen kleinen Bruder, der ihr die drohende Königswürde abnehmen würde – vergeblich, wie wir heute wissen.

Während die Familie im Buckingham-Palast Einzug hält, ziehen über Europa dunkle Wolken auf. Prinzessin Elizabeth ist 13 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Viele Londoner Kinder werden vorsorglich evakuiert, doch der Vorschlag, Elizabeth und Margaret in Kanada in Sicherheit zu bringen, wird von deren Mutter mit dem legendären Satz abgeschmettert: „Die Kinder werden nicht ohne mich gehen. Ich werde nicht ohne den König gehen. Und der König wird niemals gehen.“ Neunmal wird der Buckingham-Palast im Laufe der Luftschlacht über England getroffen, während die Prinzessinnen auf Schloss Windsor quasi im Exil leben. 1940 wendet sich Elizabeth in ihrer ersten Radioansprache an andere Kinder, die ihr Zuhause verlassen mussten: „Wir wissen aus Erfahrung, was es heißt, fern von denen zu sein, die wir lieben“, sagt sie mit der dünnen Stimme eines 14-jährigen Teenagers.

Nicht nur mental leisten die Prinzessinnen ihren Beitrag zur Unterstützung des Volkes: Sie stricken Socken, wickeln Mullbinden auf und spenden ihr Taschengeld ans Rote Kreuz. 1945 – am Vorabend ihres 19. Geburtstages – tritt Elizabeth in den Auxiliary Territorial Service ein, den weiblichen Arm der Armee. Sie lernt Lastwagen zu fahren und Motoren zu warten, kennt sich mit Zylinderköpfen und Kolben aus – während ihre Eltern in London die Stellung halten.

Queen Elisabeth II: "Eine der denkwürdigsten Nächte meines ganzen Lebens"

Eine Bombe verpasst das Königspaar im Palast nur knapp. Als die Royals die Zerstörung in der Stadt besichtigen, spricht die Königin den legendären Satz: „Mir geht diese Zerstörung viel näher als die Bombe, die bei uns fiel.“ Auf Augenhöhe mit dem Volk – in den Kriegsjahren steigt die Popularität der Königsfamilie und ebenso wie der Respekt vor ihr.

Am 8. Mai 1945 posiert Elizabeth neben dem Königspaar auf dem Balkon des Buckingham Palastes stolz in der Uniform der Armee – und mischt sich später mit ihrer Schwester Margaret unerkannt unters Volk, um das Kriegsende zu feiern. „Es war eine der denkwürdigsten Nächte meines ganzen Lebens“ wird sie später zugeben.

Nach Ende des Krieges sind der Prinzessin ein paar unbeschwerte Jahre vergönnt. Schon als Backfisch mit gerade mal 13 Jahren hatte sie sich unsterblich in ihren Cousin dritten Grades, Prinz Philip von Griechenland, verliebt. Die beiden halten über die Kriegsjahre Kontakt, sie schreiben sich. Auf dem Nachttisch der Prinzessin steht ein Bild des feschen Marinesoldaten, der im Oktober 1942 zum jüngsten Leutnant der Royal Navy befördert worden war. Im Sommer 1946 – während eines Landurlaubs – hält Prinz Philip auf Schloss Balmoral bei George VI. um die Hand der Thronfolgerin an. 

Die Windsors:

Ihre deutschen Wurzeln verleugnen die Royals gern. Bevor sie ihren Familiennamen 1917 in Windsor änderten, hieß die Familie seit 1840 Sachsen-Coburg-Gotha. Die Namensänderung wurde aufgrund innenpolitischen Drucks während des Ersten Weltkriegs vorgenommen. Zu deutlich war die Verwandtschaft mit dem verfeindeten deutschen Kaiserreich. Man entschied sich für Windsor, weil sich in der Kleinstadt die Residenz der Royals befindet. 1960 gab Queen Elizabeth II. bekannt, dass ihre Nachkommen den Familiennamen Mountbatten-Windsor (eine Annäherung des deutschen Battenberg) tragen sollen. Das Wappen der Queen (Foto) ist gleichzeitig Staatswappen und existiert, seit Königin Victoria 1837 den Thron bestieg. Es zeigt im ersten und vierten Quadrat drei goldene Löwen auf rotem Grund (England), im zweiten Quadrat einen roten Löwen auf goldenem Grund (Schottland) und im dritten Quadrat eine Harfe auf blauem Grund (Irland). Der Wahlspruch lautet: Dieu et mon droit (Gott und mein Recht).

Adelsexperte: "Vor ihr zu stehen ist ehrfurchtsvoll"

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