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Queen Elizabeth II: Leben, Tod und Karriere der Rekord-Monarchin

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Königin Elizabeth II. - 65 Jahre auf dem Thron
Rekord-Monarchin Queen Elizabeth II. © Str/EPA/dpa

Sie war die am längsten regierende Königin in der Geschichte der britischen Royals und prägte im Lauf ihrer Regierungszeit viele Dinge in der Welt entscheidend mit. Ihr kam es auch zu die angestaubte Monarchie in die Neuzeit zu führen.

London – Ihr Amtsantritt kam überraschend und hielt ebenso überraschend lange an: Queen Elizabeth II. (*21.04.1926, † 08.09.2022) war die am längsten regierende Monarchin der britischen Königsfamilie und stellte damit einen Rekord von 70 Jahren auf. Eine lange Zeit, in der viel geschah. Mit Queen Elizabeth II. begann ein Umdenken innerhalb des Königshauses und machte die Royals beliebter denn je. Ihr ältester Sohn Charles, nun König Charles III., erbte ihre Krone, nachdem die Ausnahmeregentin am 8. September 2022 im Beisein ihrer Familie friedvoll auf ihrem Landsitz Balmoral in Schottland verstorben war.

Elisabeth II. aus dem Haus WindsorKönigin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland sowie die als Commonwealth Realms bezeichnete souveränen Staaten
Geboren:21. April 1926, Bruton Street, London, Vereinigtes Königreich
Kinder:Charles III., Andrew, Duke of York, Anne, Princess Royal, Edward, Earl of Wessex
Gegründete Organisationen:Lancaster University, University of Ulster, Hopwood Hall College

Queen Elizabeth II.: Die längste Regierungszeit des britischen Königshauses

Queen Elizabeth II. wurde am 21. April 1926 als Tochter von König George VI. (56, † 1952) geboren. Ihr Vater starb am 6. Februar. Damals war Elizabeth 26 Jahre alt. Da sie laut der Thronfolge die rechtmäßige Erbin der Krone war, wurde sie automatisch durch den Tod ihres Vaters die regierende Monarchin im britischen Königshaus. Seitdem ist Queen Elizabeth II. das Oberhaupt der Königsfamilie und damit die derzeit am längsten regierende lebende Monarchin der Welt.

Im Jahr 2022 feierte Queen Elizabeth II. ihr Platinjubiläum – 70 Jahren auf dem Thron mit viel auf und ab liegen hinter ihr. Zu diesem Anlass feierte Großbritannien ein viertägiges verlängertes Wochenende im Juni geplant. Der Frühlingsfeiertag von Ende Mai wurde auf Donnerstag (2. Juni) verschoben und ein zusätzlicher Feiertag am Freitag (3. Juni) abgehalten. Nach den gigantischen Feierlichkeiten zog sich die gebrechlichere Queen nach Schottland in die Sommerferien zurück, von denen sie nicht mehr zurückkehren sollte.

Queen Elizabeth II.: Der Stammbaum regelt die Thronfolge

Innerhalb der Königsfamilie regelt der Stammbaum die genaue Thronfolge. Dabei müssen auch die Reihenfolge der Geburten sowie die Blutlinie beachtet werden. Seit Queen Elizabeth II. verstorben ist, ist der rechtmäßige Erbe auf den Thron ihr ältester Sohn Charles, der nun als Charles III. regiert. Nach ihm folgt dessen ältester Sohn Prinz William mit seinen drei Kindern. Erst wenn diese Linie ausgeschöpft ist, weil Mitglieder des britischen Königshauses den Titel ablehnen oder versterben, geht der Anspruch auf den zweiten Sohn des Königs, auf Prinz Harry, über.

Obwohl Prinz Harry und Meghan Markle ihre königlichen Pflichten zu Beginn 2020 niedergelegt haben, bleibt die Reihenfolge der Thronfolge davon unberührt. Auch wenn nicht anzunehmen ist, dass der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass Harry der Thron zufallen würde, bleibt die Frage, ob er das Erbe antreten würde. Da Queen Elizabeth II. mit ihrem Ehemann Prinz Philip (99, † 2021) insgesamt vier Kinder hat, bildet der Stammbaum eine große Verzweigung rechtmäßiger Erben.

Queen Elizabeth II.: Das waren zeit ihres Lebens die Top 10 Thronfolger laut Stammbaum

Trotz der genauen Reihenfolge hätten viele Briten lieber den jüngeren Prinz William als nächsten König als den tatsächlichen König Charles gesehen. Als Grund wurde vor allem das hohe Alter Charles III. angeführt. Zu seinen Geburtstagen wie etwas beim 72. Geburtstag veröffentlichte das britische Königshaus ein Bild von Queen Elizabeth II. mit Prinz Charles als Baby sowie ein aktuelles Foto der Monarchin mit ihrem Sohn. Der 73. Geburtstag des Prinzen von Wales viel mit dem Remembrance Day zusammen und blieb deshalb zumindest beim offiziellen Instagram-Account unerwähnt. Es dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass sein Geburtstag so unter den Tisch gekehrt wurde.

Queen Elizabeth II.: Kriegsjahre und Hochzeit

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Elizabeth mit ihrer Familie zunächst in Großbritannien. In den letzten Kriegsjahren wurde sie Teil der Frauenabteilung des britischen Heeres, wo sie eine Ausbildung zur Mechanikerin und LKW-Fahrerin machte.

Im Juli 1947 gab der Buckingham-Palast die Verlobung der Kronprinzessin mit Philip Mountbatten, ihrem Cousin dritten Grades, bekannt. Philip, der zwar britischer Staatsbürger war und in der Royal Navy diente, besaß kein Vermögen und hatte verwandtschaftliche Beziehungen zu Befürwortern des NS-Regimes, weshalb die britische Öffentlichkeit ihm zunächst kritisch gegenüber stand. Etwaiger Widerstände zum Trotz heirateten Elizabeth und Philip am 20. November 1947 in der Westminster Abbey.

Am 14. November 1948 wurde das erste Kind der Thronfolgerin geboren, der damalige Prinz Charles. Am 15. August 1950 brachte Elizabeth ihr zweites Kind, Prinzessin Anne, zur Welt. 1960 und 1964 folgten Prinz Andrew und Prinz Edward. Aufgrund von Philips Offiziersdienst lebte das Paar zeitweise in Malta. Der Tod König Georges VI. 1952 machte aus der Prinzessin die Queen – das Ende der gemeinsamen, unbeschwerten Zeit mit Philip auf Malta und auch das Ende seiner militärischen Karriere.

Die Malta-Zeit war die einzige Zeit der Queen, die sie unbeschwerte jenseits des Protokolls genießen konnte. So ist es kein Wunder, dass sie 2007 ihren 60. Hochzeitstag mit Philip dort feierte und im November 2015 den letzten Auslandsbesuch ihres Lebens nach Malta unternahm. Das pittoreske Zuhause der Queen, die Villa Guardamangia im Örtchen Pietà wurde 2019 von der maltesischen Regierung gekauft, soll restauriert und künftig besichtigt werden können.

Queen Elizabeth II.: Ihre Krönung

Ab Beginn der 1950er Jahre hatte sich der Gesundheitszustand von König George VI. zunehmend verschlechtert. Der Regent verstarb, während seine Tochter gerade Kenia bereiste. Elizabeth wurde mit dem Tod ihres Vaters automatisch zur britischen Königin. Am 02. Juni 1953 erfolgte ihre offizielle Krönung – die Zeremonie war eines der ersten weltweit übertragenen TV-Events.

Die Krönung von Queen Elizabeth II. fand erst über ein Jahr nach ihrem Amtsantritt am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey statt und wurde von einem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten verfolgt. Londons Straßen waren voller Menschen, die die Queen sehen wollten. Die Krönung war eine Premiere, da alle Menschen in Großbritannien an dem ehrwürdigen Event teilhaben konnten. Die Ausstrahlung im Fernsehen sorgte bereits im Vorfeld für Kontroversen in der Regierung. Dennoch blieb die Königin fest entschlossen, alle an ihrer Krönung teilhaben zu lassen.

Das Krönungszeremoniell verlief genau so, wie es die Etikette vorschrieb. Die Edwardskrone, die älteste der britischen Königskronen, wurde der jungen Monarchin aus dem Tower of London gebracht. Nur sie darf tatsächlich für den Akt der eigentlichen Krönung eingesetzt werden darf. Das Prozedur dauerte volle drei Stunden, vollgepackt mit Ritualen und Feierlichkeiten. Die eingeladenen Öffentlichkeit war auch ein strategischer Schachzug, der die Menschen der Monarchie näher brachten.

Queen Elizabeth II.: Anfang und Verlauf ihrer Regierungszeit

Eigentlich war Queen Elizabeth II. nie direkt für den Thron vorgesehen. Zwar war auch sie innerhalb der Thronfolge berechtigte Erbin, aber erst an dritter Stelle. Eine Lebenssituation des damals amtierenden Königs Edward VIII. (77, † 1972) änderte die Umstände drastisch: Im Jahr 1936 dankte er ab, um die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson (89, † 1986) zu heiraten. Da Edward kinderlos war, ging der Thron an seinen Bruder König George VI. über – und nach dessen Tod an Elizabeth.

Von da an begann eine Regierungszeit, in der sie sich mit negativen Ereignissen, wie Terror, Katastrophen und Verlust, beschäftigten musste. Ihre Regierungszeit war auch geprägt von zahlreichen Ereignissen, die großen politischen Einfluss auf die Außenwirkung Großbritanniens nahmen.

Queen Elizabeth II.: Auf diese Weise stabilisierte ihre Regierungszeit Verbindungen der Länder

Ein Staatsbesuch in Westdeutschland 1965 verhalf beispielsweise zu einer Versöhnung beider Länder. Queen Elizabeth II festigte die Beziehung zu den USA, indem sie viel Zeit mit Präsident Ronald Reagan (93, † 2004) und seiner Frau Nancy (94, † 2016) verbrachte. Während einer königlichen Tour durch Australien und Neuseeland mit Prinz Philip und Prinzessin Anne im Jahr 1970 widersetzte sich Queen Elizabeth II. einer königlichen Tradition, als sie einen gemütlichen Spaziergang unternahm, um die Menschen persönlich zu begrüßen, anstatt ihnen aus geschützter Entfernung zuzuwinken.

Queen Elizabeth II.: Ihre Bildung und Erziehung

Angeblich bestand die Bildung von Queen Elizabeth II. aus Unterricht von 9:30 bis 11 Uhr und Aktivitäten im Freien oder Tanzunterricht mit einer Ruhezeit von anderthalb Stunden. Ihre Mutter Queen Mum (101, † 2002) und ihre Großmutter Queen Mary (85, † 1953) brachten ihr die königliche Etikette bei. Bis zu ihrem siebten Lebensjahr beschränkte sich ihre Ausbildung auf Lesen, Schreiben, Französisch und Klavier. Nachdem ihr Vater 1936 König geworden war und Elizabeth die mutmaßliche Erbin wurde, begann sie, Verfassungsgeschichte und Recht zu studieren und nahm Religionsunterricht beim Erzbischof von Canterbury.

Queen Elizabeth II. erzog ihre eigenen Kinder nicht ausschließlich zu Hause im Buckingham Palace. Sie soll sich für ihren Nachwuchs eine formellere Bildung und ein Studium gewünscht haben. Viele Menschen interpretieren die Entscheidung der Königin, ihre Kinder zur Schule zu schicken, als Signal dafür, dass sie selbst gern eine formellere Ausbildung gehabt hätte. Ihr Sohn Charles, ist der erste Erbe des britischen Throns, der die Universität besuchte und einen Abschluss machte.

Queen Elizabeth II.: Das Familienleben der Regentin geriet oft in den Hintergrund

Ihr Privat- und Familienleben geriet durch die vielseitigen Verpflichtungen oft in den Hintergrund. Die Kinder Prinz Charles, Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward blieben oft daheim, während ihre Mutter ausgedehnte Reisen antreten musste. Zwei Krisen brachten in ihrer Regierungszeit die Royal Family ins Wanken, alle anderen Mitglieder konnte sie stets hinter sich einen. Prinz Harry entschloss sich im Jahr 2020 zum Rückzug seinen royalen Aufgaben und Pflichten, Prinz Andrew wurden Titel und Ehren nach einem über Jahre andauernden Missbrauchsskandal, der schließlich in einem Vergleich endete, aberkannt.

Queen Elizabeth II.: Widrigkeiten in ihrer Regentschaft

Queen Elizabeth II. war bis zu ihrem Tode die am längsten regierende Monarchin der Welt. Sie war das erste und einzige britische Staatsoberhaupt, das ein Platin Jubiläum begehen konnte (2017). Während ihrer Regentschaft erlebte sie den Übergang des British Empire zum Commonwealth of Nations. Sie absolvierte über 100 Staatsbesuche und über 180 Reisen ins Commonwealth. In den 1960er und 1970er Jahren verkleinerte sich ihr Einflussgebiet durch die Dekolonisierung Afrikas zunehmend – weltweit schien die britische Monarchie zu bröckeln.

Nicht jeder war Queen Elizabeth II. wohlgesinnt: Im Juni 1981 schoss ein erst 17-Jähriger mit Platzpatronen auf die Königin. 1982 schlich sich ein Eindringling in ihr Schlafzimmer im Buckingham-Palast. Sie verwickelte den Mann in ein Gespräch, bevor er festgenommen werden konnte.

Das Jahr 1992 war für Queen Elizabeth II. ein „Annus Horribilis“: Mit Prinz Charles und Prinzessin Anne trennten sich gleich zwei ihrer Kinder von ihren Partnern. Außerdem brach ein Feuer in ihrem geliebten Windsor Castle aus und beschädigte über 100 Räume schwer. Ihre Zurückhaltung nach dem Tod von Prinzessin Diana sorgte wenige Jahre später bei der britischen Bevölkerung für massives Unverständnis. Man erwartete eine öffentliche Geste der Trauer von der Monarchin, die jedoch lange ausblieb.

Mit der Zeit konnte Queen Elizabeth II. ihre Beliebtheit aber wieder steigern. Der Auftritt Ihrer Majestät bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London 2012 begeisterte das britische Volk komplett.

Queen Elizabeth II.: Wie viel Macht hat sie tatsächlich?

Die britische Königin hat politisch betrachtet keine direkte Macht, sondern fungiert vor allem als Repräsentantin. Nach der britischen Verfassung hatte Queen Elizabeth II. aber einige Befugnisse und Privilegien. Ein einfaches Beispiel war ihre Fähigkeit, das Parlament einzuberufen und zu verlängern, indem sie im Wesentlichen parlamentarische Sitzungen eröffnete und schloss. Wenn das Parlament Gesetze erlässt, musste die Königin die vorgeschlagenen Gesetzesvorlagen unterzeichnen, bevor sie in Kraft treten können. Ihre Majestät begrüßte außerdem den Premierminister mit der traditionellen „kissing hands“ Zeremonie. Nur einen Tag nach der Begrüßung von Liz Truss im Amt, verstarb die Königin.

Außerdem war Queen Elizabeth II. Oberbefehlshaberin des britischen Militärs, und alle britischen Soldaten mussten ihr einen Eid schwören, bevor sie offiziell beitraten. Zudem besaß sie die Macht, den Krieg zu erklären – natürlich erst nach Rücksprache mit den entsprechenden Ministern.

Queen Elizabeth II.: Öffentliche Wahrnehmung und private Interessen der Königin

Im Laufe ihrer Regentschaft hielt sich Queen Elizabeth II. mit politischen Aussagen stets zurück. Trotzdem, so behaupten einige Staatsoberhäupter, die über die Jahre mit ihr zusammengearbeitet haben, habe sie im Hintergrund einen gewissen Einfluss auf verschiedenste bedeutende Staatsmänner und -frauen gehabt. Was sie nicht laut sagen konnte, verstand die Regentin mit subtilerin Mitteln zu zeigen: So erklärte sie sich mit der Ukraine solidarisch, indem sie Blumen auf Fotos in den Landesfarben gelb und blau arrangieren ließ.

Von der Bevölkerung wurde Queen Elizabeth II. besonders für ihr würdevolles Auftreten, gepaart mit ihrer Unerschütterlichkeit, geschätzt. Sie war auch die erste Regentin, die sogenannte „Royal Walkabouts“ vornahm: Spaziergänge, auf denen sie mit normalen Bürgern über deren persönliche Lebenssituation sprach.

Privat interessierte sich die Königin vor allem für Pferdesport und Pferdezucht. Auch im hohen Alter saß sie manchmal selbst noch im Sattel. Weltweit bekannt war auch ihre Vorliebe für Corgis.

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