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Rapper Casper

Rapper Casper: Durchbruch mit "XOXO"

Berlin - Von null auf eins: Shootingstar Casper schaffte mit seinem zweiten Album den Sprung an die Chartspitze. Selten kam deutscher Rap so klischeefrei und intelligent daher wie hier.

Alle lieben Casper: In den Charts liegt der 28-jährige Rapper mit seinem neuen Album “XOXO“ (Four Music, Universal) ganz vorn, die Kritiker jubeln über den “Anti-Gangster“ (“Hamburger Abendblatt“), der in seinen Texten ganz ohne Sexismus, dumpfe Sprüche und Goldkettchen-Klischees aufkommt und gerade deshalb den Nerv der Zeit zu treffen scheint. Die gute Nachricht: Es gibt intelligentes Leben auf dem häufig mental verödeten Planeten Deutscher Hip-Hop. Hier ist endlich einer, der auf Imponiergehabe und Macho-Gesten verzichten kann und selbstbewusst genug ist, seine Schwächen einzugestehen: “Wir scheitern immer schöner/ sind Versager mit Stil“ heißt es vieldeutig gleich im Opener “Der Druck steigt“. Spricht hier einer für eine ganze Generation?

Casper, der im richtigen Leben Benjamin Griffey heißt, kommt aus der ostwestfälischen Provinz, zählt die 80er-Jahre-Kultband The Smiths zu seinen Vorbildern, hörte früher viel Punk und lebte als Kind zehn Jahre in den USA: In einem schäbigen Trailerpark, nicht auf der Sonnenseite. Der Vater war Soldat in der US-Army, selten zu Hause, im melancholischen “Grizzly Lied“ versucht der Sohn zu klären, was ihn noch mit diesem Mann verbindet.

Eines wird schnell klar: Casper, der seit einem Jahr in Berlin lebt, macht mittlerweile sein eigenes Ding, hat die engen Grenzen des Genres gesprengt. In “Auf und davon“ künden Gitarren wie bei Coldplay vom Aufbruch aus einem Alltag, der wie “Treibsand“ empfunden wird. Den eingängigen Titelsong hat Casper zusammen mit Sänger Thees Uhlmann von der Hamburger Indieband Tomte eingespielt - so nah am Pop war deutscher Sprechgesang selten.

Stärker und authentischer noch wirken das elegische “Michael X“, eine traurig-trotzige Ballade über einen verstorbenen Jugendfreund, in der die ganze Ödnis der Provinz greifbar wird, oder “Alaska“ als seelische Landschaft, die Casper mit heiserer Reibeisenstimme beschwört. Natürlich beherrscht Casper auch die hinlänglich bekannte Hip-Hop-Show mit fetten Beats und der großen Inszenierung, aber selbst konventionelle Tracks wie das sehr tanzbare “So Perfekt“ nerven nicht mit hohlen Posen.

Für die deutsche Ausgabe des Musikmagazins “Rolling Stone“ ist “XOXO“ “die Rap-Platte, auf die sich alle einigen können“. Stimmt schon, aber dies heißt nicht, dass hier ein weichgespülter Konsens-Casper am Werk ist. Der Mann mit der Mütze hat ein sehr persönliches, keineswegs makelloses Album vorgelegt, mit einer Handvoll Songs, die man so schnell nicht vergisst.

dpa

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