Rasierpinsel und Oliven: Ehepaar hält Gedenken an Roy Black lebendig

Dortmund - Das Bett ist frisch gemacht, Rasierpinsel und sein Eau de Toilette Marke "Cacharel" stehen noch im Bad: Der Schlagerstar und Schauspieler Roy Black könnte jederzeit wiederkommen - wäre er nicht schon 1991 gestorben.

Mehr als 15 Jahre lang haben Irmgard und Friedhelm Tiemann dem Künstler von 1974 an eine Wohnung in ihrem Haus in Dortmund zur Verfügung gestellt, wann immer er sie brauchte. Als er starb, ließen die beiden vieles so, wie es war. Heute ist ein regelrechtes Museum aus der Wohnung geworden - und eine Pilgerstätte für Roy Black-Fans. An diesem Freitag wäre der an Herz-Kreislauf-Versagen gestorbene Musiker ("Schön ist es auf der Welt zu sein") 65 Jahre alt geworden.

Die Tiemanns sind keine normalen Fans. "Wir waren befreundet", sagt der 72-jährige Friedhelm Tiemann bescheiden. Die Freundschaft reichte weit. Die beiden opferten jahrelang ihren Urlaub und begleiteten den Sänger auf ungezählte Konzerte, chauffierten ihn im In- und Ausland, kümmerten sich um die Garderobe und versorgten eine Zeitlang sogar über ihre Adresse die Fans mit Autogrammen. Etwa einmal in der Woche übernachtete Roy Black bei den beiden. "Immer, wenn er Auftritte im Umkreis von 300 Kilometern hatte", erzählt Irmgard Tiemann und holt einen alten Gala-Anzug aus dem Schrank: "So kam er meistens an." Dann zog er einen Hausanzug an, kam eine Etage tiefer in die Wohnung der beiden - und war Gerd Höllerich, wie er mit bürgerlichem Namen hieß.

"Er wollte nur seine Ruhe haben - und hier hat er sie gehabt", erklärt Irmgard Tiemann, die ihr Alter nicht sagen will. "Wir waren für ihn wahrscheinlich ein Stück Familie. "Meine zweite Heimat" hat er einmal geschrieben." Zu essen gab es auch bei Familie Tiemann: "Sein Lieblingsgericht im Winter war Grünkohl". Ansonsten Frikadellen. Viel miteinander geredet habe man dann - und auch gemeinsam Fernsehen geguckt. Viele Fotos zeugen von unbeschwerten Stunden etwa auf dem Tiemannschen Balkon.

Es begann mit einer tiefen Verbeugung. "Gestatten, mein Name ist Roy Black", hatte der Sänger 1971 nach einer Konzertprobe in Köln zu Irmgard Tiemann gesagt. "Es hat mich umgehauen", erzählt sie. Weitere Konzertbesuche folgten, das Verhältnis wurde vertrauter und eines Nachmittags 1973 stand Roy Black unangemeldet vor der Wohnung der Tiemanns. Der Abend kam und irgendwann die Frage "Kann ich nicht bei euch schlafen?" Ein Jahr später richteten sie ihm dann eine 70 Quadratmeter-Wohnung in ihrem Mehrfamilienhaus im Dortmunder Süden ein - ohne jemals Miete dafür zu verlangen.

Die Wohnung und eine weitere als "Archiv" genutzte Wohnung gegenüber ist schon lange Anlaufstelle für Roy Black-Fans aus ganz Deutschland geworden. Maximal vier Anhängern am Tag zeigt das Paar nach Anmeldung sein Schätze. "Sie kommen um zwei und gehen dann um acht oder zehn wieder." 368 Fans waren es im vergangenen Jahr. Schon viele Freundschaften seien aus diesen Besuchen entstanden. Meist reicht die Zeit nicht: Allein 53 Ordner mit Presseartikeln gibt es. Preise, Filmplakate, Singles, Tonbänder, Bücher und hunderte Fotos kommen hinzu. Kurioses darf nicht fehlen: Etwa das Roy Black- Konterfei in einen Wandteppich geknüpft oder Roy Black-Schokolade. Im Kühlschrank steht immer noch ein Glas mit eingelegten Oliven - von damals.

"Wir wollen das Andenken an Roy bewahren." Würde keiner was machen, würde er bald vergessen werden, sagt Friedhelm Tiemann, der bis zu seinem 54. Lebensjahr beim Dortmunder Stahlkonzern Hoesch arbeitete. An diesem Freitag werden sie wieder besonders an ihren Gerd denken, der mit ihnen durch die Welt zog. Irmgard Tiemann zeigt im früheren Wohnzimmer auf einen Ständer mit fünf alten Kerzen darin: "Die zünden wir am Geburtstag an." Dazu wollen sie dann eine Platte auflegen. Wie jedes Jahr an diesem Tag.

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