Ein Raubautz mit verletzlicher Seele

- So berühmt wie er ist kaum ein Zweiter. Ein Mann voller Ausstrahlung, auf der Leinwand, auf dem Bildschirm, auf der Bühne: Klaus Löwitsch. Gestern ist er in der Münchner Schreiber-Klinik an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Klaus Löwitsch wurde 66 Jahre alt. Seiner direkten Wirkung konnte man sich nur schwer entziehen.

<P>Wer ihn je live erlebt hat, nicht privat, sondern auf der Bühne, der musste erkennen, das sich hinter dieser berühmten, mitunter auch berüchtigten Maskerade der Fiesheit ein differenzierter Charakter, ein gar nicht so selbstgewisser Mensch, also ein interessanter Künstler verbarg.</P><P>Die Unsicherheit, das Sich-Infragestellen, der ständige Zweifel - sie gehören zum Beruf, machen den sehr guten Schauspieler aus. Aber sie führen mitunter auch dazu, das alles hinter einer lauten, lärmenden Fassade zu verstecken. Oder im Alkohol zu ertränken. Wobei es dann schon mal großmäulig zu gerichtsmassigen Kneipenspektakeln kommen kann. Klaus Löwitsch gehörte zu jenen Schauspielern, auf die das zutrifft. Und doch war er ein ganz Großer seines Berufs.</P><P>Vor allem das Fernsehen bediente sich nur zu gern seines Rabauken-Images. Denn Löwitsch - so wie ihn sich die Medien drechselten - war ein Quoten-Kracher. Als Super-Macho und Gangster-Jäger Peter Strohm in der gleichnamigen TV-Serie bediente der einstige Fassbinder-Schauspieler ("Der Händler der vier Jahreszeiten") als perfekter Action-Darsteller die Zuschauererwartungen an spannende Unterhaltung aufs Beste. Doch stieg Löwitsch hier 1996 selbst aus, weil er die Drehbücher "zu overflächlich" fand. Die andere Seite des Klaus Löwitsch sahen die Fernsehzuschauer in dem Gerichtsdrama "Das Urteil". Für seine Rolle des Juden Rabinovicz wurde er 1998 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Einer seiner letzten Kinofilme: "Was tun, wenn's brennt?", worin er sich mit Sinn für Ironie selbst parodierte. Ein absoluter Film- und Fernsehstar.</P><P>Aber letztlich war Klaus Löwitsch ein Bühnenmensch - und ist dies auch immer geblieben. Er wurde am 8. April 1936 in Berlin als Sohn eines Architekten geboren. Seine Theaterlaufbahn begann er als Tänzer im Ballett der Wiener Volksoper. Dann wechselte er ins Schauspielfach, wirkte in weniger bedeutenden Filmen mit. Seine große, prägende Schule: Von 1961-1972 war Löwitsch an den Münchner Kammerspielen engagiert, einem Haus, in dem er zu jenem Künstler reifte, als den wir ihn erleben durften. Ende der 70er-Jahre dann der Wechsel zum Bayerischen Staatsschauspiel. Hier war er nicht nur Shakespeares Richard III., sondern 1982 spielte er in Kipphardts Stück "März" die Titelrolle des authentischen, schizophrenen Dichters - mit einer Tiefe, Verrücktheit und Wahrhaftigkeit, die diese Uraufführung zu einer Sensation machten.</P><P>In den letzten Jahren kehrte Klaus Löwitsch noch einmal zum Theater zurück. Die Mauer war gefallen; Berlin, seine Heimatstadt, sein Ziel. Sehr bescheiden wollte er sich hier einordnen. Am Deutschen Theater spielte er die Rolle des schlitzohrigen und weisen Richters Azdak in Brechts "Der kaukasische Kreidekreis". Thomas Langhoff, der Regisseur und damalige Intendant, erinnert sich an ihn:</P><P>"Klaus Löwitsch hatte sich spät entschlossen, wieder Theater zu spielen. Schließlich hatte er sich bei mir schriftlich beworben. Ich fand die Idee gut, sagte ihm zu. Er bestand aber darauf, mir vorzusprechen. Also kam er nach Wien, wo ich gerade inszenierte, und hat mir dort zwei Stunden lang Trakl-Gedichte vorgetragen. Er wollte mir wohl damit sein eigentliche Wesen zeigen. Löwitsch war nur ein gespielter Raubautz, aber mit einer sehr verletzlichen, sensiblen Seite. Er war ein richtiger Vollblutschauspieler, ja, natürlich, auch einer mit vielen Macken. Einer, der sich bewusst in Abenteuer begeben hat; die aber waren, so glaube ich, nicht so wild wie das, was dann die anderen oft daraus gemacht haben. Er war ja von Haus aus Tänzer, und ich glaube, er ist es sein Leben lang geblieben. Er hat seine Rollen durchgetanzt, hochdiszipliniert. Ich habe ihn richtig lieb gehabt. Mit ihm verlieren wir einen ganz, ganz großen Schauspieler." <BR></P>

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