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Reinhard Mey 1982 mit seinem Sohn Max

Reinhard Mey: Familien-Fundament erschüttert

Berlin - Wegen des Dramas um seinen 27 Jahre alten Sohn Max, der seit Monaten im Wachkoma liegt, hat der erfolgreiche Liedermacher einen rührenden Brief an seine Fans verfasst.

Reinhard Mey liebt seine Familie und seine Kinder über alles und hat sie auch schon oft besungen und verteidigt. “Nein, meine Söhne geb' ich nicht“ sang er einmal, als es um den möglichen Militärdienst seines ältesten Jungen Frederik ging. Und auch das kunterbunt-fröhliche Familienleben mit all den Alltagsfreuden, Sorgen und Widrigkeiten („Ankomme, Freitag den 13.“) stand immer im Mittelpunkt der Songs des Liedermachers und leidenschaftlichen Fliegers, der so gern “über den Wolken“ flog und seinen Traum von einer besseren Welt nie aufgegeben hat.

Jetzt hat den 66-Jährigen ein Schicksalsschlag getroffen, der “das Leben unserer Familie in seinem Fundament erschüttert“, wie Mey auf seiner offiziellen Webseite bekanntgab und in der ARD -Sendung “Beckmann“ (Montag/22.45 Uhr) sagt. Sein zuletzt in Asien lebender zweitältester Sohn Maximilian (27), der 2003 das Elternhaus verließ, habe offenbar durch eine nicht erkannte, verschleppte Lungenentzündung und Herzrhythmusstörungen im Frühjahr einen Zusammenbruch mit Atem- und Herzstillstand erlitten und liegt seitdem im Wachkoma.

Vergangene Familienidylle

Reinhard und Hella Mey leben in Berlin und haben drei Kinder, neben Maximilian (“Max“) noch Frederik (31) und Tochter Victoria-Luise (23), alle drei sind längst aus dem Haus, Frederik ging sogar als Zimmermann auf Wanderschaft. In einem seiner Lieder schildert Reinhard Mey ein fröhliches Beisammensein der Familie auf seiner Lieblingsinsel Sylt und besingt darin auch seine Söhne und die Tochter: “Spaßvogel, Weltverbesserer, ein bisschen wie ich war/Und ich seh mich in ihm wieder, noch einmal ein junger Narr“ ist der eine, und der andere, “der, wenn es zwei Wege gibt, immer den schweren nimmt...der frei ist, ein Rebell, der furchtlos und allein gegen den Strom anschwimmt“.

Am Nachbartisch verfolgt ein älteres amerikanisches Ehepaar das muntere Familiengeplauder. Als die Eheleute das Restaurant verlassen, sagt der Texaner im Vorbeigehen zu Reinhard Mey bewundernd: “What a lucky man you are!“ (Was für ein glücklicher Mann sind Sie!). Beim Erscheinen seines Albums “Bunter Hund“ 2007 erzählte Mey in einem dpa-Gespräch auch davon, dass es nun ruhiger geworden sei in seinem Haus am nördlichen Stadtrand von Berlin . Max sei schon vor Jahren nach Asien gezogen und ließ sich in Kambodscha nieder, nachdem er zuvor in Thailand seine Freundin kennengelernt hatte. Kambodschas Geschichte faszinierte Max so sehr, dass er sogar die Landessprache Khmer erlernte. “Er ist wohl noch auf der Suche, aber das Asiatische fasziniert ihn“, meinte der Vater damals. “Er belastet sich auch kaum mit Besitztümern. Ich bin sicher, er besitzt ein Paar Flip-Flops, ein Paar Shorts, drei Unterhosen und drei T-Shirts. Max ist wohl der Gelassene von uns allen.“

Max und die Musik seines Vaters

Du bist ein Riese, Max!...Ich wäre gern dein Freund“ widmete Mey seinem Sohn einmal ein Lied, Max hörte aber nach eigenem Bekunden die Musik Reinhard Meys nicht oft, wie er in einer 2005 erschienenen Autobiografie des Vaters einmal bekannte (“Reinhard Mey - Was ich noch zu sagen hätte“ mit Bernd Schroeder). “Ich höre Musik hauptsächlich, um zu entspannen, und wenn man seinen Vater hört, dann ist das nicht unbedingt entspannend.“

Hannes Wader oder Konstantin Wecker mag Max sehr. Von seinem Vater gefiel ihm zuletzt vor allem das Lied “Die Zeit des Gauklers ist vorbei, verklungen seine Schönfärberei“. Darin heißt es auch: “Nun zieht die Stille in das Haus, wo wir fröhlich gewesen sind... Hab vieles falsch gemacht, gewiss. Wenn Du vergessen kannst, vergiss.“ Auf die Frage, warum er nach Thailand aufgebrochen ist, meinte Max in dem Buch: “Als ich mit 15 oder 16 mal in Burma gewesen bin, hatte ich die Idee, mal nicht in Deutschland zu wohnen. Thailand ist nur ein Versuch, ob es mir möglich ist, mich an eine sehr fremde Kultur anzupassen. Selbsterfahrung. Keine Ahnung.“

Die Kindheit in Kisten

Er könne auch nicht sagen, ob das mit seinem Elternhaus oder mit ihm selbst zu tun hat. “Ich komme mit meinen Eltern in der Regel eigentlich ziemlich gut aus, obwohl wir auch 'ne Menge Schwierigkeiten hatten.“ Er mag auch Deutschland, glaubt aber, dass er “in fremden Umgebungen besser klarkomme“. Auch dabei konnte er wie auch seine Geschwister der Unterstützung des Vaters sicher sein. “Ich werd' sie lehr'n, den eig'nen Weg zu gehen“, singt Mey in einem Lied. Dabei kann es auch mal “Schwere Wetter“ geben, wie der manchmal auch grüblerische Liedermacher singt.

Und wenn er Fehler gemacht habe, “dann mit Liebe“. “Drei Kisten Kindheit“ hat Mey in den Keller geräumt, seit alle drei Kinder aus dem Haus sind. Irgendwann wollte er den Keller mal aufräumen, aber bisher traute er sich nicht. “In die Kisten gucke ich nicht rein“, bekannte er 2007. “Die Kinder haben alles verstaut, auch viele sehr persönliche Dinge wie Tagebücher, die die Eltern vielleicht nicht sehen sollten... Vielleicht kommen die Kinder ja eines Tages noch mal darauf zurück, jedenfalls denken sich die Eltern das immer. Aber so ein Kinder-Keller konfrontiert einen auch immer mit Unaufgeräumtem überhaupt...Die Jahre vergehen, das merkt man daran schon sehr.“

dpa

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