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Roger Willemsen.

Trauer um Bestseller-Autor

Roger Willemsen (†60) ist tot

Hamburg/Frankfurt - Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Dies bestätigten sein Büro in Hamburg und sein Frankfurter Verlag S. Fischer am Montag.

Einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Publizisten ist tot: Der Buchautor und Journalist Roger Willemsen starb im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens, wie ein Sprecher der S. Fischer Verlage am Montag in Frankfurt am Main mitteilte. Insbesondere seine in Fernsehsendungen, Zeitungen und Büchern verarbeiteten Interviews machten den studierten Germanisten auch einem größeren Publikum bekannt.

Nach Angaben des Verlagssprechers starb Willemsen am Sonntag in seinem Haus im schleswig-holsteinischen Wentorf bei Hamburg.Die Krebserkrankung war im August vergangenen Jahres - wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag - festgestellt worden. Daraufhin sagte er alle öffentlichen Veranstaltungen ab.

In den vergangenen Jahren hatte sich der 1955 in Bonn als Sohn eines Kunsthistorikers und einer Expertin für ostasiatische Kunst geborene Willemsen zunehmend auf sein Schaffen als Autor konzentriert. Unter anderem veröffentlichte der Intellektuelle, der immer wieder auch in aktuellen Debatten Position bezog, das brisante Buch "Hier spricht Guantanamo" und seine biografischen Reiseerfahrungen "Die Enden der Welt".

Roger Willemsen wurde vielfach für sein Werk ausgezeichnet

Zu einem Bestseller wurde 2014 sein Buch "Das hohe Haus. Ein Jahr im Parlament", für das er ein Jahr lang die Arbeit des Bundestags von der Zuschauertribüne aus verfolgt hatte. Der vielfach mit Preisen ausgezeichnete Willemsen war unverheiratet. Zu seinen persönlichen Leidenschaften gehörte unter anderem ein großes Interesse an Fußball.

Nachdem Willemsen zunächst als Literaturwissenschaftler, freier Übersetzer, Autor und als London-Korrespondent großer Medienunternehmen gearbeitet hatte, wurde er Anfang der 90er Jahre mit seinen Interview-Sendungen bekannt und entwickelte sich zeitweise zum aufstrebenden Star unter den deutschen Moderatoren. Für den Bezahlsender Premiere sprach er mit Prominenten wie PLO-Chef Jassir Arafat ebenso wie mit einem Bankräuber.

Später moderierte er ihm ZDF die Talkshow "Willemsens Woche", darüber hinaus auch viele große Kulturveranstaltungen und sonstige Sendungen. Außerdem arbeitete er unter anderem auch als TV-Produzent, Regisseur von Dokumentarfilmen sowie Dozent. Daneben verfolgte er viele weitere Projekte. So entwickelte er etwa mit Dieter Hildebrandt ein Kabarettprogramm und ging jahrelang mit einer von ihm selbst gereimten Fassung des Stücks "Karneval der Tiere" mit Pianistenbegleitung oder gar Orchester auf Tournee.

Politiker und Verlag trauern um Roger Willemsen

Auf die Nachricht von Willemsens Tod reagierten auch Spitzenpolitiker betroffen. „Deutschland verliert einen brillanten Intellektuellen, einen Weltbürger im besten Sinne und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens - intelligent, pointiert, streitbar“, schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel auf Twitter. Grünen-Chefin Simone Peter äußerte sich ebenfalls schockiert. „Wir trauern um einen wunderbaren Menschen, um einen wichtigen Intellektuellen, Autor und Moderator“, twitterte sie.

Der Linken-Politiker Gregor Gysi würdigte Willemsen als einen der herausragenden Journalisten und Publizisten Deutschlands. „Bestechend waren seine Intelligenz und Klugheit, seine Bildung, seine Beobachtungsgabe, seine Genauigkeit und seine Reaktionsschnelligkeit“, erklärte der Bundestagsabgeordnete. FDP-Chef Christian Lindner twitterte, Deutschland verliere einen seiner spannendsten Köpfe. „Sein kritischer Geist wird fehlen.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, Willemsen werde in den großen gesellschaftlichen Debatten des Landes als intelligente Stimme sehr fehlen. „Als scharfer Beobachter der politischen Verhältnisse hat er auch uns Politikern scharfsinnig einen Spiegel vorgehalten.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: „Mit Roger Willemsen verliert Deutschland einen seiner großen Intellektuellen.“

Als „zentralen Intellektuellen Deutschlands“ und „brillanten Autor“ würdigte ihn der Verlag S. Fischer. Willemsen sei auch ein „außerordentlicher Kämpfer für die Menschen“ gewesen, erklärte der verlegerische Geschäftsführer Jörg Bong.

dpa

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