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Gut gelaunt: Roland Kaiser.

Großes Interview

Roland Kaiser: Darum liebe ich den FC Bayern

München - Roland Kaiser ist glühender FC-Bayern-Fan. Im großen Interview in München spricht der Sänger über seine Verehrung und über die Kunst des Abschaltens.

München, ein Hotel in der Nymphenburger Straße, zehn Uhr morgens. Interview mit Roland Kaiser. Gallionsfigur des deutschen Schlagers, 90 Millionen verkaufte Platten, Santa Maria, Dich zu lieben … Seit 40 Jahren auf der Bühne, 2010 dem Tod, dank einer Lungentransplantation, gerade noch von der Schippe gesprungen, danach ein glänzendes Comeback, und jetzt? Erfindet er sich mit 62 wieder neu. Zu hören ist das auf seiner Platte Seelenbahnen und ab April auch auf seiner Tournee. In München wird er am 4. Mai im Circus Krone spielen. Aber vorher hat er in der Stadt noch einen ganz anderen Termin. Am 5. November in der Allianz Arena. Als Fan: FC Bayern gegen AS Rom. Der Sänger ist glühender FCB-Anhänger …

Ein Berliner, der in Münster lebt und den FC Bayern liebt … wie kommt’s?

Roland Kaiser: Ich mag den Verein aus verschiedenen Gründen. Erstens kenn ich kaum einen anderen Verein, der bisher im sozialen Bereich dermaßen aktiv war, der sich dermaßen um ehemalige Spieler bemüht und der sich so anständig verhält wie die Bayern – einige Bundesliga-Klubs würde es ohne ihre Hilfe ja nicht gar nicht mehr geben. Und zweitens spielen sie exzellenten Fußball.

Trotzdem sind die Bayern vielen auch Feindbild? 

Kaiser: Das ist es ja … Mir wird zu viel und zu schnell auf denen rumgehackt. Das kann ich nicht leiden. Wer so viele Erfolge hat und nicht verschuldet ist – im Gegensatz zu allen anderen großen europäischen Vereinen … Ich kann da nur meine Bewunderung aussprechen.

Haben Sie einen speziellen Kontakt zum Klub?

Kaiser: Nein, aber ich hab mal auf der Weihnachtsfeier gespielt.

Haben Sie selbst mal gekickt?

Kaiser (lacht): Ja, bei Rapide Wedding in Berlin, rechter Verteidiger …

Jetzt aber zur Musik. Für die neue CD arbeiteten Sie mit vielen renommierten Musikern zusammen ... auch mit Musikern von Rammstein ...

Kaiser: Till hab ich schon vor vielen Jahren kennengelernt …

Rammstein macht doch eine völlig andere Musik … 

Kaiser: Musiker machen ja nicht gegeneinander Musik, sondern miteinander. Dabei ist es Till ja egal, was ich mache, so lange ich es gut mache. Wir haben beide nach einer Form der Zusammenarbeit gesucht. Und dann haben wir gesagt: Eh wir jetzt beide mit einem Duett auf die Bühne gehen, womit wir wohl beide bei unseren Fans ein Stück Glaubwürdigkeit riskieren würden, schreibt er für mich tolle Texte.

Welches Lied ist von ihm?

Kaiser: Es heißt: Ich weiß alles.

Ein beängstigender Song und eine beängstigende Vorstellung … 

Kaiser: Sie haben nicht unrecht. Ich weiß, dass du weißt, dass ich alles von dir weiß … Das ist fast schon ein mystische Vorstellung, fast schon böse … Aber es gibt in Zweierbeziehungen ja viele Abgründe …

Maite Kelly hat gleich sechs Songs für Sie geschrieben ... 

Kaiser: Sie hat mich mal nach einem Konzert angesprochen und gemeint, das Konzert war toll, aber die Musik, die du zurzeit machst, macht mich nicht wirklich an.

Und dann?

Kaiser: Hab ich sie gefragt, was soll ich dagegen machen? Und sie meinte: Mich schreiben lassen. Dann hat sie mir sechs Songs geschrieben. Alle waren toll,alle haben mich überzeugt und sind auf meinem aktuellen Album.

Wie ist das, wenn Sie jemand knallhart kritisiert?

Kaiser: Ich find das hochangenehm. In einem Elfenbeinturm sitzen und einsam Entscheidungen zu treffen, ist falsch.

Ihr Tourneeprogramm – 21 Konzerte in vier Wochen – ist gewaltig. Macht Ihnen das Angst?

Kaiser: Nein, eine Tournee ist pure Lebensfreude. Live spielen macht irrsinnig Spaß – wenn man tolle Musiker hat und weiß, dass man seinen Job kann.

Wie geht’s Ihnen gesundheitlich – vier Jahre nach Ihrer Lungen-Transplantation?

Kaiser: Ich lebe mein Leben in einer großen Selbstverständlichkeit. Aber sehr bewusst und sehr gesund. Also alles in Maßen …

Welche Musik hören Sie, wenn Sie nicht selbst Musik machen?

Kaiser: Auf jeden Fall nicht meine eigene. Die LP höre ich mir ein oder zweimal an. Dann kommt die in den Schrank. Ich muss mich ja mit neuen Dingen beschäftigen. Ansonsten hör‘ ich Klassik und diese Klassiker. The Rat Pack: Frank Sinatra, Dean Martin, Samy Davis jr. Das sind einfach gute Songs.

Wie kommt’s, dass sich eine Großstadtpflanze wie Sie im beschaulichen Münster so wohl fühlt? Was hat Sie dorthin geführt?

Kaiser: Die Liebe. Meine Frau Silvia ist Münsteranerin. Aber Münster ist Stadt genug, um in ihr Leben zu können. In Münster kann es Ihnen passieren, dass Sie von einem Stadtteil in den nächsten Fahren und Sie fahren an einer Kuhweide vorbei. Mitten in der Stadt, das finde ich schön.

Dann war es kein Zufall, dass Sie 2012 den Schlagersänger König im Münsteraner „Tatort“ mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl verkörpert haben, oder?

Kaiser: Das war ein Wunsch von mir. Ich hab‘ mal gesehen, dass Pilawa in einem Krimi eine Szene als Journalist hatte. Und als ich die beiden Autoren, die übrigens aus München kommen, kennenlernte, sagte ich ihnen, dass ich gern mal eine kleine Rolle spielen würde.

An was dachten Sie?

Kaiser: Ich schmeiß’ das Fahrrad von Prahl um und sag: Tut mir leid Herr Kommissar. Und geh dann weiter …

Und dann spielten Sie die Episodenhauptrolle … 

Kaiser: Ich sagte, seid ihr verrückt? Dann hab ich’s gelesen und mir gedacht, das reizt mich.

Für Ihre Konzertszene wurden damals 230 Fans gesucht.

Kaiser: Und über 200 000 haben sich beworben. Aber das lag natürlich nicht an mir. Der Krimi ist ja Kult bei uns!

Sie haben die Rolle toll gespielt, mancher sagt, besser als Liefers und Prahl …

Kaiser: Quatsch. Ich bin kein Schauspieler. Die Rolle war ja einfach. Ich musste ein Stück Distanz zu mir selber aufbauen und mich als Schwein präsentieren. Mehr war’s nicht.

Also keine weiteren Rollen mehr? 

Kaiser: Neeeein. Und wenn doch, dann müsste es gegen den Strich gebürstet sein. Irgendwas, womit keiner rechnet.

Eine Lungentransplantation hat Ihnen vor vier Jahren das Leben gerettet, Haben selbst einen Organspendeausweis?

Kaiser: Ja schon lange, den hatte ich schon vor der Transplantation. Ich beschäftige mich seit dem Wahlkampf 2008 – mit Frank Walter Steinmeier – mit diesem Thema. Das geschah bei uns beiden natürlich aus persönlichen Motiven. Daraus ist eine Freundschaft und eine enge Zusammenarbeit entstanden. Ich bin ja inzwischen auch Botschafter der Pichlmayr-Stiftung, die sich um transplantierte Kinder kümmert.

Hätten Sie gern gewusst, wer Ihr Spender war? 

Kaiser: Nein. Das würde ja meine Lebenssituation nicht verändern. Es gibt viele, die diese Neugier haben, ich nicht. Ich fühle mich ja auch nicht transplantiert, ich fühle mich geheilt.

Hätten Sie im Rückblick Ihr Leben gern gesünder gelebt?

Kaiser: Ich bereue, dass ich geraucht habe. Ich will keinem was vorschreiben, man muss nur darüber nachdenken, ob’s wirklich sein muss.

Sie sind ein Anhänger der SPD. Hatten Sie mal mit dem Gedanken gespielt, in die Politik zu gehen? Sie können doch gut mit Menschen.

Kaiser: Ich glaube, das ist zu spät. Mich nimmt keiner mehr. Ich bin schon zu alt … Obwohl es nicht falsch ist, wenn Jung und Alt den Dialog suchen – die Neugier und den Drang der Jugend und die Erfahrung der Älteren, wir brauchen beides.

Wenn Sie sich heute unsere Gesellschaft ansehen …

Kaiser: Dann sehe ich, dass die Ellbogen schon ausgeprägter eingesetzt werden als noch vor Jahren. Aber es lastet ja auch eine Menge Druck auf den Menschen. Dem sie sich aber auch freiwillig ergeben.

Inwiefern?

Kaiser: Die Leute sind nicht mehr in der Lage abzuschalten, rufen in der Nacht um 23.30 Uhr ihre Mails ab. So ein Blödsinn würde mir nie einfallen.

Wie handhaben Sie das?

Kaiser: Ich mach‘ mein Handy aus, wenn ich nicht erreichbar sein möchte. Ich schlafe nachts …

Wie schalten Sie ab?

Kaiser: Indem ich einfach nach Hause komme. Da ist keine Hektik. Wunderbar ist auch, wenn ich einfach fliegen gehe. Das ist eine ganz tolle Entspannung. Oben in der Luft, da ist alles – wie mein Freund Reinhard Mey sagt – nichtig und klein! Das ist toll.

Woher kommt diese Leidenschaft?

Kaiser: Als Kind hab ich mir stundenlang in Tempelhof Starts und Landungen angesehen und mir gesagt, das möchte ich auch mal machen.

Und vor 22 Jahren erfüllten Sie sich den Traum ...

Kaiser: … und mein erster Flug ging nach Berlin-Tempelhof.

Der Airport ist inzwischen Geschichte …

Kaiser: Das ist jammerschade. Andere Städte haben erkannt, dass sie einen Stadtflughafen brauchen und haben einen neuen gebaut. Berlin hatte den schönsten, den es gab und hat ihn zugemacht. Obwohl sie das Gebäude ja nicht mal abreißen können, steht ja unter Denkmalschutz, weil’s das längste zusammenhängende Gebäude der Welt ist.

Und der neue Großflughafen?

Kaiser: Wird vielleicht eh nie fertig …

WdP

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