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Heinrich Böll kam nicht zu den Dreharbeiten. Dies trieb Romy Schneider in die Verzweiflung. Sie schrieb einen Brief an den Schriftsteller, den sie nie verschickte.

Romy Schneider: Dramatischer Brief an Heinrich Böll

Hamburg - Während der Dreharbeiten zu “Gruppenbild einer Dame„ schrieb Romy Schneider einen dramatischen und verzweifelten Brief an den Schriftsteller Heinrich Böll. Er wurde nie verschickt.

Romy Schneider schreibt einen Brief. Verzweifelt, wütend, hysterisch. Sie schreibt ihn an Heinrich Böll. Warum er sich denn nie am Set der Verfilmung seines Romans “Gruppenbild mit Dame“ blicken lasse. Ob er sie, die Hauptdarstellerin, so gering achte, nicht ernst nehme. Insgesamt Romy pur: egozentrisch, übergeltungsbedürftig, zugleich verletzlich, voll lebenslanger Komplexe. Der Brief scheint nie abgeschickt worden zu sein. Aber er fand sich im Nachlass der Schauspielerin. Und er gehört nun zu einer zentralen Szene des ARD-Dramas “Romy“, das an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) mit Jessica Schwarz in der Titelrolle ausgestrahlt wird, der “Lulu“ in der ZDF-Verfilmung des Wedekind-Dramas.

Romy wollte Wedekinds “Lulu„ sein

Auch Romy Schneider wollte immer mal die Lulu spielen, und Jessica Schwarz seufzt ein wenig: “Es ist nicht die einzige Parallele zwischen uns. Wie sie habe auch ich wahnsinnig jung angefangen, beide haben wir nie eine Schauspielschule besucht, und ich verstehe ihre Angst, zu versagen, nichts richtig zu machen.“ “Man hätte nicht einen, sondern viele Filme über Romy drehen können“, meint der zuständige Redakteur des Südwestrundfunks, Carl Bergengruen. “Mir schien es besonders wichtig, Kindheit und Jugend von Romy ins Bild zu setzen.“ Über die war auch Regisseur Torsten C. Fischer erstaunt: “Sie ist ja in einer geradezu Heidi-verdächtigen Idylle aufgewachsen.“ Von dort, mit fünfzehn, ging es direkt in die große Filmwelt, wo sie vor allem mit “Sissi“ ein Idol der älteren Wirtschaftswunder-Generation wurde, während ihre Altersgenossen weniger mit diesem marzipanreinen Jung-Mädchen-Idol anfangen konnten. Auch sie selbst stand ihrem Image einer “ewigen Sissi“ immer skeptischer gegenüber, brach nach Frankreich aus, reifte dort zur “La Schneider“, während ihr die deutschen Fans diesen “Verrat“ nie ganz verziehen haben.

Keine 1:1 Verfilmung - kleine Fehler inbegriffen

Fischer erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und 1:1- Realismus: “Ich habe dem Film etwas Skizzenhaftes gegeben.“ Vieles, zum Beispiel in der Beziehung zu ihrem französischen Dauerverlobten Alain Delon und dessen intime Verbindung zum Star-Regisseur Luchino Visconti, wird nur angetippt. Autor Benedikt Röskau lächelt: “Ich hatte keine Angst vor Delons Anwälten, eher vor seinen Bodyguards.“ Im Ernst: “Ich habe mich im Drehbuch ganz auf Romy konzentriert. Die anderen Figuren sollten sie nicht beiseite drängen.“ So werden nur ganz genaue Hinseher in einigen Mini-Auftritten die Knef, Axel Springer oder den Delon-Intimus Jean-Claude Brialy erkennen. Weder Fischer noch Röskau kannten Romy persönlich. Dagegen kannte sie ganz gut Maresa Hörbiger, Darstellerin der Romy-Mutter Magda Schneider. Die Burgschauspielerin und jüngste Tochter der Wiener Theaterlegenden Paula Wessely und Attila Hörbiger verteidigt die “Sissi“-Filme: “Kitsch, klar, aber Romy war schon dort als ganz großes Talent zu erkennen.“ Und sie verteidigt die oft als karrierebesessene Star-Rabenmutter verteufelte Magda: “Sie war in Romys Kindheit nicht viel da, hat immer hart gearbeitet, wie meine Eltern auch, stimmt. Aber für wen rackern sich Schauspieler so ab? Doch auch für ihre Familien, denen es gut gehen soll.“

Dpa

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