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Um Himmels willen! Seit 14 Jahren spielt Fritz Wepper, hier mit Janina Hartwig, in der Serie den Bürgermeister Wöller.

Viel mehr als nur "Harry"

Zum 75. Geburtstag: Der große Wepper

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München - Für viele ist er nach wie vor „der ewige Harry“. Dabei hat sich der Münchner Fritz Wepper längst freigeschwommen von der Assistentenrolle in „Derrick“, manche adeln ihn bereits zum Volksschauspieler. Am heutigen Mittwoch wird er 75 Jahre alt.

Probe für den Derrick: Fritz Wepper mit Horst Tappert 1977 in München.

281 Folgen. So oft hat Fritz Wepper an der Seite von Horst Tappert den Harry Klein gespielt. Zuvor hatte er unter eben diesem Namen in „Der Kommissar“ erste Erfahrungen als Assistent des Ermittlers gesammelt. Die Rolle des Fernsehpolizisten klebte an Wepper fortan wie Kaugummi am Schuh und verhinderte lange Zeit auch einiges in seiner Karriere. Dass in dem früheren Kinderstar nämlich mehr steckte als Sätze wie „Ist gut. Stefan“ oder „Alles klar, Stefan“, ließ sich phasenweise eher erahnen als erkennen.

Vielleicht hat ihm seine Gelassenheit geholfen: „Von meiner Mutter und meiner Großmutter habe ich gelernt, Dinge nicht so ernst zu nehmen“, sagte Wepper einmal. Dabei war seine Kindheit entbehrungsreich. Als er drei Jahre alt war, wurde sein Vater 1944 in Russland als vermisst gemeldet. Die Mutter musste sich mit ihm und dem knapp drei Jahre jüngeren Bruder Elmar alleine durchschlagen. Der Hunger nach dem Zweiten Weltkrieg war für Fritz Wepper nach eigenen Worten die größte Entbehrung, die er je erlebt hat. „Richtigen Hunger vergisst man nicht. Richtiger Hunger tut weh“, sagte Wepper kürzlich. Er sei damals um fünf Uhr abends mit einer Mohrrübe ins Bett geschickt worden, um diese Schmerzen zu überbrücken. Trotzdem ging es fröhlich zu. Seine Mutter sei sehr kultiviert gewesen und habe ihnen das Lachen beigebracht, erinnert sich Fritz Wepper. Das Erbe: Selbstironie und Mutterwitz.

Seine erste Rolle spielt er mit nur elf Jahren

Seit 1979 verheiratet: Fritz und Angela Wepper.

Schon als Kind liebte er Film und Theater, angeregt durch die Scherze des Münchner Komikers Karl Valentin, später durch Filme mit Peter Alexander rund um Graf Bobby und Baron Mucki. Mit elf Jahren stand Fritz Wepper in München auf der Bühne, wirkte in Märchenfilmen mit. Den großen Durchbruch brachte 1959 die Rolle des jugendlichen Wehrmachtsoldaten Albert in Bernhard Wickis Antikriegsdrama „Die Brücke“. Weppers schmerzverzerrtes, verweintes Gesicht bleibt im Gedächtnis. Dieser so beeindruckend gespielte Schüler Albert soll mit sechs Klassenkameraden in den chaotischen letzten Kriegstagen eine kleine Brücke verteidigen. Er wird schließlich der einzige Überlebende sein. Und der junge Wepper verleiht diesem anfangs fanatischen Kindersoldaten eine vibrierende, fiebrige Intensität. Bernhard Wicki bleibt ihm lebenslang ein Freund und Mentor.

Mit Kollegin Liza Minnelli.

Weitere Auftritte in mal mehr, mal weniger hochkarätigen Filmen folgen, und schließlich klopft Hollywood an. In „Cabaret“ sieht man Wepper neben Michael York und Liza Minnelli – die ihrem „Darling Fritz“ in der Bild zum Geburtstag gratuliert: „Warst Du nicht eben noch der junge, schneidige Mann, den ich vor so vielen Jahren am Set von ,Cabaret‘ kennengelernt habe?“, schreibt sie. Mit acht Oscars zeichnet die Academy Bob Fosses Regiearbeit im Frühjahr 1973 aus, unter anderem für die „Beste Regie“. Doch Wepper darf nicht zur Verleihung nach Los Angeles fliegen. Er muss seinen Vertrag als Assistent in „Der Kommissar“ erfüllen. Trotzdem erhält er einige interessante Angebote aus Hollywood. Als er jedoch auf seine Bindung an die deutsche TV-Serie bis zum nächsten Jahr verweist, hört er den, wie er sagt. „härtesten Satz, den ich in Verbindung mit meinem Berufsleben erfahren musste: ,Ok, forget it.‘“ Vergiss es!

Tatsächlich: Hollywood vergisst das rothaarige Talent aus München wieder – und er umgekehrt die Traumfabrik. „Es ist auch unsinnig, im Nachhinein irgendwas verändern zu wollen. Die Wirklichkeit ist nicht veränderbar“, fasst der Fatalist Wepper zusammen. Stattdessen avanciert Wepper dank „Harry Klein“ zu einem der bekanntesten Gesichter des westdeutschen Fernsehens.

Die zwei Brüder Elmar und Fritz Wepper.

Die biedermeierliche Polizeiserie „Derrick“ wird ein weltweites Phänomen. Wepper wird zum bunten Hund, längst nicht mehr nur in seiner Heimatstadt München. „Als ich vor Jahren in Taiwan in einer Straßenküche eine Suppe gegessen habe, erhellten sich plötzlich die Gesichter, als einer sagte ‚Hally? Dellick?’ Dann gab’s nochmal ein paar Fleischbällchen mehr zu dieser köstlichen Suppe. Das ist natürlich erfreulich“, erinnerte sich Wepper einst.

Die letzte Folge „Derrick“ strahlte das ZDF am Freitag, 16. Oktober 1998 aus. Viele dachten, mit diesem Tag sei die bis dahin stetige Karriere des Fritz Wepper vorbei. Doch er, der parallel zur Dauerrolle viel Theater spielte und dort sein im „Derrick“ eher brach liegendes komödiantisches Talent zeigen konnte, startete noch einmal voll durch. Zwischendurch riskierte er auch mal ein „Traumschiff“, ein „Traumhotel“ oder ähnliches. Doch mit dem festen Part des Bürgermeisters Wolfgang Wöller in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ erfand sich Wepper ab 2002 von Grund auf neu.

Die Brüder in Klein an der Isar.

Der ehrenhafte Polizeibeamte Klein neigte zwar im Gegensatz zu seinem transusigen Chef schon gelegentlich zum impulsiven Gefühlsausbruch. Doch im Vergleich mit dem cholerischen Intriganten Wöller war dieser brave Harry ein Chorknabe. Und Wepper gelingt es seit mittlerweile 14 Jahren, den Charakter immer weiter am Leben zu erhalten, ihm immer neue Facetten und Fiesheiten hinzuzufügen oder völlig unerwartete Seiten abzuringen. Auch wenn die meistens nicht das Beste im Manne zutage fördern. Seine Frau Angela ermahne ihn inzwischen gelegentlich, erzählte Wepper mal, „er möchte den Wöller bitte lieber nicht mit nach Hause bringen“.

Mit Tochter Sophie.

In den deutschen Wohnzimmern registrierte man den Imagewechsel zum Unsympathen restlos begeistert. Wepper als bauernschlauer Wüterich, flankiert von ein paar schlagfertigen Nonnen, das hatte es in dieser Weise und in diesem Tempo vorher noch nicht auf dem Bildschirm gegeben. In Wepper, der Walter Matthau als sein großes Vorbild bezeichnet, steckt ein großer Komiker, der den Leuten um sich herum erbarmungslos genau aufs Maul schaut und das mit einem sicheren Gespür fürs Timing in seine Rollen einfließen lässt. Nicht nur in den Wöller, sondern beispielsweise auch in den Psychologen Wendelin Winter. So hieß er nämlich in der ARD-Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“, in der Wepper mit seiner Tochter Sophie bis Ende 2015 regelmäßig vor der Kamera stand – als Filmvater. „Wir verstehen uns prächtig, gerade auch durch unseren ähnlichen Humor“, schwärmt Wepper.

Den Wöller will er noch lange spielen

Ansonsten verrät er wenig über sein Privatleben, vielleicht auch, weil es da schon den einen oder anderen Skandal gab. 1979 hatte er Angela geheiratet, 1981 wurde Sophie geboren. 2009 dann ein Bruch: Wepper ging eine Beziehung zu einer 35 Jahre jüngeren Frau ein und bekam mit ihr 2011 auch eine Tochter. Doch 2012 kehrte Wepper wieder zu seiner Ehefrau zurück. Wer mehr Details wissen will, den verweist der Schauspieler auf seinen Lieblingsschriftsteller Oscar Wilde: „Nicht die Frage ist indiskret, sondern die Antwort.“

Was seine Zukunft als intriganten Bürgermeister in „Um Himmels willen“ angeht, ist er auskunftsfreudiger: Den Wöller will Wepper noch lange spielen. „Wenn die Gesundheit mitmacht – und es hängt ja auch mit dem Alter zusammen, inwieweit man diese Leistung bringen kann“, sagt er, „möchte ich so lange dabei sein wie möglich.“

Ulrike Frick und Cordula Dieckmann

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