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Schauspieler Matthias Brandt hatte als kleiner Junge nur wenige intime Momente mit seinem berühmten Vater.

TV-Kommissar stellt erstes Buch vor

Brandt und die Reise zum kleinen Ich

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München - Matthias Brandt ist seit Jahren als Schauspieler erfolgreich. Das ist dem Sohn von Altkanzler Willy Brandt aber nicht genug. Deshalb veröffentlicht er nun ein Buch.

Vergessen wir für einen Moment, dass dieses Buch der Sohn von Willy Brandt geschrieben hat. Schöne Idee - aber in Wahrheit ­völlig aussichtslos. Allein die Aufforderung, die Biografie des Autors außen vor zu lassen, macht das Dilemma deutlich, in dem sich Matthias Brandt, der Schauspieler, seit seiner Geburt befindet. Er war, er ist, er bleibt der jüngste Sohn des Altbundeskanzlers. Und wenn er nun diese Sammlung von 14 Geschichten vorlegt, in denen der Leser ihn in die Bonner Jahre seiner Kindheit begleitet, dann kann der dabei nicht vergessen, dass die Streifzüge des Buben durch ein Elternhaus führen, in dem deutsche Geschichte geschrieben ­wurde.

Wer als erwachsener Mensch zurück an die Orte seiner Kindheit reist, der wundert sich, wie klein dort alles wirkt. War der Garten nicht breiter, das Klettergerüst nicht höher, der Weg zur Lieblingseisdiele nicht weiter? Brandt spielt mit dem umgekehrten Effekt. Der mittlerweile 54-Jährige hat die Verbindung zu seinem erst ein paar Jahre alten Ich nicht verloren. Das ist ein Glück. Plötzlich werden auch wir als Leser wieder so klein, dass eine Zinnsoldatenfigur fast die ganze Hand ausfüllt.

Wie in "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft"

Es ist ein bisschen wie in "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft". Aus dieser Perspektive wirkt alles wie die Kulisse für einen Film, in die man erst hineinwachsen muss, und der Protagonist selbst wie ein Statist, den kaum einer bemerkt, der als Dreikäsehoch durch eine Welt von Riesen ­stolpert, die er ­erstaunlich gut versteht, obwohl sie ihm doch niemand erklärt. Der erste Satz ist sinnbildlich: "Keiner da."

Aus Langweile stellt der kleine Matthias allerlei Blödsinn an. Er, der sich heute beruflich längst als erfolgreicher Theater- und Fernsehschauspieler vom ewigen "der Sohn von" emanzipiert hat, als Privatperson aber für viele noch immer erst aufgrund seiner Herkunft richtig interessant wirkt. Ob man seinen Geschichten glauben schenken darf? Denn nein, es ist ja keine Autobiografie, die er geschrieben hat. Ein Sprüchlein vornan gibt die Richtung vor: "Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden."

Gehörig viel Wahrheit in die Zeilen

Die vielen Details in Raumpatrouille - der Titel Anspielung auf die Leidenschaft des jungen Brandts für Raumschiffabenteuer, wie sie in den Sechzigern die halbe Welt ergriff - lassen erahnen, dass gehörig viel Wahrheit in den Zeilen steckt. Ausflüge mit dem blauen Bonanzarad in den Park, eine Schiffsfahrt mit der Mama in deren norwegische Heimat, Besuche bei den Sicherheitsleuten vor dem Haus. Oder bei den Nachbarn, Heinrich und Wilhelmine Lübke. Für den Buben nur ein nettes altes Ehepaar, das ihm das prachtvollste Stofftier schenkt, das es in der Spielwarenhandlung Puppenkönig zu kaufen gibt - für den Rest der Republik der Bundespräsident samt Gattin.

Brandt lässt die Zeit durch seinen genauen, kindlich-verträumten Blick auf die Dinge wieder lebendig werden. Und schenkt denen, die mehr vom Willy wissen möchten, auf den letzten Seiten einen Einblick in die seltenen intimen Momente zwischen Sohn und Vater. Angst­einflößend für den Buben, der dennoch mutig dessen Nähe sucht und sich ins väterliche Arbeitszimmer vorwagt. Im Nickipullover, in den die Schweißtropfen kullern. Ein Vater, der nie anwesend und doch immer präsent war – es ist ein Dilemma, mit dem Matthias Brandt leben muss. Und der Stoff, aus dem berührende Geschichten sind. Man ahnt, man hofft, da folgt noch mehr.

Katja Kraft

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