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Zurück im Leben: Hansi Kraus mit seiner Frau Barbara und Hund Gustl. Der beliebte Volksschauspieler überlebte eine schwere Blutvergiftung nur knapp

"Lausbub" Kraus: Sieg über den Boandlkramer

München - Hansi Kraus geht es wieder gut. Fünfeinhalb Wochen lag er im Klinikum Rechts der Isar. Nach seiner Blutvergiftung besuchte die tz den 59-Jährigen.

Endlich! Die Sonne scheint wieder. Draußen im Park hinter dem Landtag. Und drinnen im Herzen von Volksschauspieler (Lausbubengeschichten, Die Lümmel von der ersten Bank) Hansi Kraus (59), der in einem Café sitzt, in die grünen Bäume schaut und die Frühlingsluft atmet. „Ich hab Schwein gehabt“, sagt er. Glück, dass er noch lebt. Fünfeinhalb Wochen lang war er im Klinikum Rechts der Isar, nach einem septischen Schock, einer Blutvergiftung. Die Ärzte haben um sein Leben gekämpft. „Sie wussten zwei Tage lang nicht, ob sie mich durchbringen!“

Diese Tage, in denen Kraus im künstlichen Koma lag, in denen seine Frau Barbara und die beiden Töchter vor Angst fast verrückt wurden: Jetzt sind sie Vergangenheit. Kraus ist wieder so gut wie gesund. Vor ein paar Tagen ist er aus der Klinik entlassen worden, jetzt baut er seine Muskeln wieder auf. Zum Beispiel mit Sit-ups und bei Spaziergängen mit Hund Gustl. Im Juni will er wieder auf die Bühne: „Ich fühle mich fit.“

Fit. So ganz anders als vor ein paar Wochen. Als Kraus von jetzt auf gleich in die Klinik musste. Barbara, früher Krankenschwester und jetzt Homöopathin, war stutzig geworden, als er seltsame Symptome, Rötungen und Schwellungen, bekam. Sie rief den Notarzt – und der nahm Kraus gleich mit. Nach ein paar Untersuchungen im Krankenhaus war klar: Die Ärzte müssen operieren, und zwar schnell! Eine so genannte nekrotisierende Fasziitis, eine extrem seltene Hautkrankheit, löste den septischen Schock aus. Hätten die Ärzte nicht sofort operiert, wären Organversagen und Tod sicher gewesen.

Kraus: „Ich erinnere mich, wie ich die Gesichter der Ärzte gesehen habe. Ich habe mir gedacht: ,So wie die schauen, schaut es wahrscheinlich nicht gut aus‘. Ich habe ihnen gesagt: ,Macht alles, was ihr für richtig haltet!‘ Dann haben sie mich ausgeschaltet!“

Vollnarkose, Operation, dann noch zwei Tage künstlicher Tiefschlaf. Komische Träume von blauen Wolken und von einem Tunnel. Kraus: „Ich fand das seltsam, weil ich gar kein Licht gesehen habe, das es ja normal am Ende eines Tunnels geben müsste.“ Das Licht: Es ist erst wieder gekommen, als die Ärzte Kraus aus dem künstlichen Koma zurückgeholt haben. Kraus war sofort wieder mittendrin im Leben: „Mein erster Gedanke war: Jetzt wär’ ein Bier nicht schlecht. Das hab‘ ich auch dem Pfleger gesagt. Der hat geantwortet: ,Machen wir einen Kompromiss. In drei Stunden kriegen Sie einen Schluck Wasser.’ Das fand ich auch okay.“

Von da an ging’s bergauf, Schritt für Schritt. Sicher, mit ein paar mulmigen Momenten. Einige Male hat Kraus gedacht, er höre die Totenglocke. Es waren aber bloß die Glocken der nahen Johanneskirche.

Alles gut. Und bald hat Kraus, wie sich das für einen Schauspieler gehört, die Klinik unterhalten: „Ein Pfleger hat eine Videokassette mit einem der Lümmel-Filme mitgebracht und mich gebeten, sie zu signieren. Ich hab‘ mit ,Brandner Kaspar’ unterschrieben. So bin ich mir ja auch vorgekommen. Schließlich hab auch ich dem Boandlkramer ein paar Jahre abgeluchst.“

Ein paar Jahre, in denen Kraus sein Leben neu angehen will. Er sagt: „Irgendwas muss es bedeuten, dass ich nicht gestorben bin.“ Der septische Schock: ein Zeichen für einen Neuanfang. Kraus sagt über sein Leben vor dem Krankenhaus: „Ich habe sorglos in den Tag hineingelebt, war ein fauler Mensch, hatte wenig Ehrgeiz.“ Und: „Teilweise habe ich drei, vier Mass Bier am Tag getrunken. Das war sicher nicht gut fürs Immunsystem.“ Kraus sieht da auch eine mögliche Ursache dafür, dass er diese seltene Hautkrankheit bekommen hat, den Auslöser des ganzen Horrors.

Ein Zeichen, wie gesagt. Ein Zeichen dafür, jetzt richtig anzupacken. Gas zu geben, auf der Bühne und vor der Kamera.

Vielleicht wäre ja der Brandner Kaspar eine schöne neue Rolle.

Uli Heichele

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