Ein Schicksal geht in Serie

- München - Uschi Glas hasst dieses Etikett. Trotzdem passt es: In den 70er-Jahren sprach man von der "Verglasung" des deutschen Films. Heute könnte man eher von der "Verglasung der Massenmedien" sprechen. Uschi Glas ist derzeit omnipräsent. Und diesmal nicht nur als ewiges "Schätzchen" oder "Quotenqueen", sondern als betrogene Ehefrau, Nackt-Model und Autobiografin. Deutschlands beliebteste Serien-Darstellerin packt privat aus und ist damit so erfolgreich wie mit ihren Filmen.

<P>Jetzt, pünktlich zu ihrem 60. Geburtstag, den sie am kommenden Dienstag im Familienkreis feiern will, hat ihre Popularität erneut einen Höhepunkt erreicht. Pünktlich zum Jubiläum erschien ihre Biografie "Mit einem Lächeln", die sich bestens verkauft. Ihren Auftritt bei "Beckmann" in der ARD vor zehn Tagen sahen knapp zwei Millionen Zuschauer. "Ich fühl' mich klasse", sagt sie. Und man glaubt es ihr. </P><P>Der Trennungskrieg macht sie zur öffentlichen Frau</P><P>Vielleicht liegt es ja an dem Buch: Auf knapp 350 Seiten hat sie sich alles von der Seele geschrieben. Die Kindheit im ärmlichen Elternhaus in Niederbayern, den Aufbruch nach München, die wilden Schwabinger Zeiten, ihre Filmerfolge, ihr Familienglück, vor allem aber die schmerzhafte Trennung von (mittlerweile Ex-)Ehemann Bernd Tewaag. Damit wird aus ihr, was sie bis dato immer erfolgreich zu verhindern wusste: eine öffentliche Frau. Aus der Dauer-Serienheldin wird ein Dauergast in der Regenbogenpresse.<BR><BR>"Das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht", sagt Uschi Glas heute über den Trennungskrieg. Im Februar 2002 wird Tewaag mit der fast 30 Jahre jüngeren Verkäuferin Anke fotografiert. "Bis zu diesem Tag dachte ich, unsere Ehe wäre glücklich", beteuert Glas noch immer. Beide beschimpften sich öffentlich, die Ehe wird ein Jahr später geschieden. Als schließlich noch ihr Vertrag mit dem Sender Sat.1 aufgelöst wurde, kam Glas nicht mehr aus den Schlagzeilen: "Das wurde alles mit einer Wonne ausgebreitet und mit so viel Häme bedacht", erinnert sie sich schmerzhaft.<BR><BR>Sie glaubt auch zu wissen, warum: Die Mutter der Nation, die erfolgreich Kinder und Beruf meistert, das "Schätzchen", das bisher eine skandalfreie Film- und Fernsehkarriere hinlegte, trifft das Schicksal - zur Freude der Neider - jetzt besonders hart.<BR><BR>Uschi Glas selbst hat diese Klassifizierungen nie akzeptiert. Besonders echauffieren kann sie sich über das Image der "Sauberfrau": "Allein schon das Wort ist idiotisch, so belächelnd. Ist das vielleicht toll, wenn man ständig Verträge bricht, besoffen unterm Tisch liegt und Liebhaber im Schrank versteckt?" Nein, findet Uschi Glas und handelt nach ihrer Überzeugung: "Ich habe für mich entschieden, nicht abzuheben. Von Natur aus, glaub' ich, hab' ich eine gewisse Bodenhaftung." Die hat ihr oft geholfen.</P><P> Schon zu Beginn ihrer Karriere, als sie mit 24 Jahren den begehrtesten deutschen Fernsehpreis erhält, den "Bambi". Oder wenn sie mit dem smarten Roy Black ("die Filmküsse waren damals nicht echt") vor der Kamera steht, oder wenn später die ersten internationalen Filmangebote eintreffen.<BR><BR>Aus Uschi aus Landau an der Isar wird keine zickige Filmdiva. "Kein Mensch hat das Recht, andere Menschen schlecht zu behandeln. Zum Beispiel als Hauptdarsteller. Da ist man eh' schon privilegiert." Ein hohes Maß an Professionalität bestätigen ihr auch die Kollegen am Set, Erfolgs-Produzent Peter Schamoni sagt sogar: "Sie war auch beim Drehen ein Schätzchen."<BR><BR>Als solches wird Uschi Glas mit 60 nicht mehr ernsthaft betitelt. Jetzt macht Uschi, was sie will - zum Beispiel Bikinifotos mit Federboa in der Illustrierten "Max". "Das war Spaß, reine Gaudi. Ich dachte mir, das ist so frech und so daneben. Aber ich geb' zu, ein bisschen blauäugig war das schon." Sie sagt das einfach so, ohne sich dafür zu rechtfertigen. Doch die "künstliche Empörung", so Glas, die nach der Veröffentlichung der Bilder ausgebrochen sei, habe ihr "unfreiwillig geholfen, das Image der verlassenen, immerzu weinenden Frau" zu begraben.<BR><BR>Vorbei ist vorbei, Uschi Glas schaut nach vorne, getreu dem Titel ihrer Autobiographie "Mit einem Lächeln." "Ich denke, dass man das Leben mit einem gewissen Humor ganz gut meistern kann. Und auch wenn einem manch Schlimmes passiert, sollte man an die guten Sachen denken."<BR><BR>Die guten Sachen, das sind für Uschi Glas, neben ihrer Rolle als dreifache Mutter (Benjamin, 27 Jahre, Alexander, 21 und Julia, 17) auch ihre ehrenamtlichen Engagements. So ist sie Schirmherrin der deutschen Hospiz-Stiftung, sammelt Geld für das Obdachlosen-Projekt "Biss" und für Jutta Speidels Frauenhaus in München. Auch für die CSU, für "meinen alten Freund Peter" (Gauweiler) will sie sich weiterhin einsetzen, "wenn auch nicht als Wahlkämpferin". </P><P>Uschi Glas scheint sich aus ihrer Vergangenheit freigekämpft zu haben. Seit vierzig Jahren stehe sie "jetzt im Wind", wie sie in Interviews und auch in ihrem Buch immer wieder betont. Mut machen will sie anderen Frauen in diesem Alter, denn "mit sechzig Jahren ist man noch lange nicht alt!"</P><P><BR> </P>

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