Schill angeblich bei Kokainkonsum gefilmt - Staatsanwaltschaft prüft

Hamburg - Ein Video, das den früheren Hamburger Innensenator Ronald Schill beim Kokainkonsum zeigen soll, beschäftigt die Staatsanwaltschaft. "Wir prüfen zur Zeit, ob ausreichende tatsächliche Anhaltspunkte für ein eventuell strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen könnten", sagte der Hamburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bagger verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft bei Rauschgifthandel aktiv werden könne, nicht aber, wenn nur der Konsum nachzuweisen sei. Ob das Video authentisch ist, konnte Bagger nicht sagen: "Das entzieht sich zur Zeit noch unserer Kenntnis."

Der Staatsanwaltschaft liegt nur eine gekürzte Internet-Version vor, nicht aber das gesamte Video, in dem Schill laut "Hamburger Morgenpost" und "Bild"-Zeitung brisante Äußerungen zur Hamburger Politik und zu den Ergebnissen einer Haarproben-Untersuchung 2002 machen soll. Bereits damals, Schill war zu dieser Zeit noch Innensenator, gab es den Verdacht des Kokainkonsums. Dieser Verdacht konnte jedoch auch nach einer Haarproben-Analyse bei Schill nicht erhärtet werden.

Nach Angaben der beiden Blätter soll das Video in Rio de Janeiro entstanden sein. Darin sei zu sehen, wie Schill zunächst etwas mit einem weißen Röhrchen von einem Teller schnupft und danach sagt: "Jetzt wirkt das Koks bei mir. Ich fühl' mich total wach." Bagger sagte, beim Rauschgift gelte das Weltrechtsprinzip. Wenn ein Deutscher in Brasilien mit Rauschgift Handel treibe, könnten deutsche Behörden tätig werden und eine Auslieferung beantragen, erklärte der Oberstaatsanwalt.

Schill, heute 49, war von 1994 bis 2001 Richter in Hamburg und machte sich wegen teils drakonischer Strafen einen Namen als "Richter Gnadenlos". 2001 erzielte er bei der Bürgerschaftswahl überraschend 19,4 Prozent der Stimmen und wurde unter Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Innensenator. Im August 2003 wurde Schill von dem Hamburger Regierungschef entlassen, da er für das Amt "charakterlich nicht geeignet" sei. Nach seinem Ausstieg aus der Politik lebte Schill in Brasilien, Ende vergangenen Jahres kehrte er kurzfristig nach Hamburg zurück, weil sein Reisepass abgelaufen war. Bei der Gelegenheit trat er auch als Zeuge vor einem Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft auf.

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