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Schloss Windsor: Prachtvolle Residenz und letzter Wohnsitz Queen Elizabeths II.

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Von: Annemarie Göbbel

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Die Kapelle der Coldstream Guards (oben l) spielt anlässlich des 96. Geburtstages der Queen während der Wachablösung auf Schloss Windsor „Happy Birthday“.
Die Kapelle der Coldstream Guards (oben l.) spielte anlässlich des 96. Geburtstages der Queen während der Wachablösung auf Schloss Windsor „Happy Birthday“. © Jonathan Brady/dpa

Schloss Windsor vor den Toren Londons blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück. Die Anlage am Ufer der Themse war seit jeher Rückzugsort und zuletzt auch der offizielle Wohnsitz der verstorbenen britischen Queen Elizabeth II.

Windsor – Lange war Schloss Windsor die Zweitwohnung von Queen Elizabeth II. (96,† 2022). Sie nutzte den monumentalen Bau bevorzugt an den Wochenenden, während sie wochentags im Buckingham-Palast im Stadtzentrum von London lebte. Doch zu Beginn der Corona-Pandemie zog sich die Monarchin immer mehr zurück und begann zunehmend und bald ausschließlich ihre Geschäfte von der westlich von London gelegenen Residenz aus zu führen. Windsor Castle gilt als eines der schönsten, größten und prachtvollsten Schlösser des Landes und blickt auf eine lange, bewegte Vergangenheit zurück.

Windsor CastleDas größte durchgängig bewohnte Schloss der Welt
AdresseWindsor SL4 1NJ, Vereinigtes Königreich
EigentümerDas Schloss befindet sich mit dem gesamten Windsor-Anwesen im Besitz der britischen Krone und wird durch den königlichen Haushalt verwaltet. Es ist Teil der Royal Collection, während das Windsor-Anwesen dem Crown Estate untersteht.
GrößeGrundfläche von 5,5 Hektar qm

Schloss Windsor und seine bewegte Geschichte

Der erste Vorläufer des heutigen Schlosses entstand bereits 1078, kurz nach der Eroberung Englands durch die Normannen. Wilhelm der Eroberer ließ auf dem Gelände eine Holzburg errichten. Im 13. Jahrhundert entstanden unter Heinrich III. (65, † 1272) die ersten Befestigungsanlagen, die heute noch zu sehen sind, darunter der Glockenturm (Curfew Tower). Edward III. (64, † 1377) ließ im 14. Jahrhundert ältere Wehranlagen abreißen. Während seiner Regierungszeit entstanden unter anderem die erste St. George‘s Chapel und der markante Round Tower im Zentrum von Windsor Castle.

Der frühe Baustil von Schloss Windsor entsprach dem einer mittelalterlichen Verteidigungsanlage. Selbst Königin Elisabeth I. (69, † 1603) bezeichnete die Burg im 16. Jahrhundert noch als sichersten Ort ihres Königreiches. In seiner eintausendjährigen Geschichte änderte und entwickelte sich das Schloss entsprechend den bevorzugten Baustilen, Vorlieben, Erfordernissen und finanziellen Möglichkeiten der aufeinanderfolgenden Monarchen. Erst nach dem Ende des englischen Bürgerkriegs und der Restauration 1660 begann der Umbau in ein modernes, luxuriös ausgestattetes Schloss.

Schloss Windsor: Lieblingsort der britischen Königinnen

Außenaufnahme von Schloss Windsor
Schloss Windsor hat eine lange, ereignisreiche Geschichte vorzuweisen. © Eibner/Imago

In den folgenden Jahrhunderten war das weitläufige Schloss Windsor bei den Royals eher unpopulär. Der von geistiger Umnachtung geplagte King George III. (81, † 1820) verbrachte die letzten Jahre seines Lebens mehr oder weniger eingesperrt im Schloss.

Erst als Queen Victoria (81, † 1901) Windsor Castle Mitte des 19. Jahrhunderts zu ihrem liebsten Aufenthaltsort machte, erlebte die Anlage einen Aufschwung mit vielfältigen Modernisierungen und neuer Ausstattung. Maria von Teck (85, † 1953), Gattin von George V. (70, † 1936), füllte die Staatsgemächer im frühen 20. Jahrhundert mit wertvollen Gemälden. Ihre Enkelin Queen Elizabeth II. bestimmte das Schloss schließlich zu ihrer Wochenendresidenz. Zusätzlich lebte sie zur Osterzeit einen Monat lang auf Windsor Castle (Easter Court) und im Juni, wenn im benachbarten Ascot die Pferderennen stattfanden.

Schloss Windsor: Der große Brand von 1992

In der Privatkapelle der britischen Monarchin brach am 20. November 1992 ein Feuer aus, nachdem ein Halogenstrahler einen Vorhang entzündet hatte. Der Brand zerstörte neun Staatsgemächer und beschädigte über 100 weitere Räume. Die Renovierungsarbeiten dauerten fünf Jahre und verschlangen rund 37 Millionen Pfund. 70 Prozent davon konnten die Royal Family selbst aufbringen, indem sie erstmals die Staatsgemächer zur Besichtigung öffneten. Das verheerende Feuer zählt zum Annus horribilis Queen Elizabeths II. mehrere Kunstwerke gingen unwiederbringlich verloren.

Schloss Windsor: Privatgemächer Queen Elizabeth II.

Die Wohnbereiche der Royal Family befanden sich unter der Queen im Upper Ward, dem östlichen Flügel von Windsor Castle, und waren für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. War die Königin anwesend, fand auf der Rasenfläche des Upper Ward (The Quadrangle) die tägliche „Changing of the Guard“-Zeremonie statt. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass bei Anwesenheit des regierenden Monarchen die britische Flagge gehisst wird. Diese weht jedoch immer. war Queen Elizabeth II. vor Ort, wurde die „Royal Standard“-Flagge gehisst, die sich aus den Wappen von England, Schottland und Nordirland zusammensetzte.

Schloss Windsor: Öffentliche Bereiche

Queen Elizabeth II. ließ zu Ehren des 100. Geburtstags ihres verstorbenen Ehemanns Prinz Philip eine nach ihm benannte Rose in den Gärten Schloss Windsors pflanzen.
Queen Elizabeth II. ließ zu Ehren des 100. Geburtstags ihres verstorbenen Ehemanns Prinz Philip eine nach ihm benannte Rose in den Gärten Schloss Windsors pflanzen. © picture alliance/dpa/PA Media | Steve Parsons

Für Besucher zugänglich sind in Schloss Windsor folgende öffentliche Bereiche:

State ApartmentsStaatsgemächer
Semi-State RoomsGemächer von George IV.
St. George‘s Chapel aus dem 15. JahrhundertFast alle Trauerfeiern der britischen Königsfamilie werden in St. George's abgehalten. Ein historischer Ort, an dem jetzt auch Prinz Philip ruht.
Albert Memorial ChapelAm 1. Dezember 1875 zum ersten Mal für Besucher geöffnet
Das Puppenhaus von Queen Mary von 1924Aus den 1920er-Jahren stammendes von Edwin Lutyens entworfenes (nicht zu Spielzwecken gebautes) Miniaturhaus im Maßstab 1:12.

Der private Garten Queen Elizabeths II. lagen halb verborgen östlich des Upper Ward. Von der Nordterrasse lässt sich ein Blick hineinwerfen. Kurz nach dem Tod des Prinzgemahls Prinz Philip (99, † 2021), dem Duke von Edinburgh, ließ die damalige Regentin anlässlich seines 100. Geburtstages eine nach ihm benannte Rose dort anpflanzen. Der weitläufige Park von Windsor Castle steht dagegen jedem offen. Der Long Walk führt über 4,26 Kilometer nach Süden zum (künstlich angelegten) See Virginia Waters an zahlreichen Statuen und Monumenten vorbei.

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