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Sean Penn gerät unter Druck. Foto: Hans Punz

Kontroverse um Interview Sean Penns mit "El Chapo"

Mexikanische Soldaten fassen den meistgesuchten Drogenboss der Welt. Danach erscheint ein Interview, dass Filmstar Penn während der langen Flucht des Kartellchefs geführt hat. Der Schauspieler erntet scharfe Kritik. "El Chapo" droht die Auslieferung in die USA.

Mexiko-Stadt (dpa) - Hollywoodstar Sean Penn gerät verstärkt unter Druck nach seinem Geheimtreffen mit dem mächtigsten Drogenboss der Welt, dem Mexikaner Joaquín Guzmán ("El Chapo").

Der Monate nach einem spektakulären Gefängnisausbruch am Freitag gefasste Chef des Sinaloa-Kartells hat während seiner Flucht Penn ein Interview gegeben, das am Samstagabend (Ortszeit) vom Magazin "Rolling Stone" online veröffentlicht wurde.

Womöglich wurde seine Eitelkeit dem 58-jährigen Guzmán ("El Chapo" deutsch: der Kurze) zum Verhängnis. Generalstaatsanwältin Arely Gómez betonte nach der Festnahme, man sei ihm auf die Spur gekommen, nachdem er "Schauspielerinnen und Produzenten" kontaktiert hatte, um einen Film über sein Leben drehen zu lassen. "Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt auch Penn in dem Bericht.

Das Interview löste eine Kontroverse aus. Mehrere mexikanische Parlamentarier forderten die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto auf, von den USA die Herausgabe der von Penn erhaltenenen Video- und Tonbandaufzeichnungen mit den Aussagen Guzmáns zu beantragen, berichtete die Zeitung "Milenio". Es sei notwendig, zu erfahren, was genau der Drogenboss Penn und der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo gesagt habe. Del Castillo hatte den Kontakt für das Interview hergestellt.

Die beiden Schauspieler seien auch Ziel von Ermittlungen der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa ein Mitarbeiter dieser Behörde. Es sei noch unklar, ob sie mit dem Treffen nicht gegen das Gesetz verstoßen hätten, erklärte der Funktionär. Die Generalstaatsanwältin Gómez hatte bereits am Freitag, vor der Veröffentlichung des Berichts, angekündigt, dass die von den Behörden entdeckte Kontaktaufnahme von "El Chapo" mit "Schauspielerinnen und Produzenten" Objekt zusätzlicher Ermittlungen sei.

In den USA reagierte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio ablehnend auf das Interview. "Wenn einer von diesen amerikanischen Schauspielern, die von der Großartigkeit dieses Landes profitiert, Geld mit Hilfe unseres Systems des freien Unternehmertums gemacht haben, einen Kriminellen und Drogenboss hofieren wollen, dann haben sie ein Verfassungsrecht dazu. Ich finde es grotesk", sagte der Senator aus Florida dem Sender ABC News.

Beleg für das Treffen von Penn und Guzmán im Oktober ist ein Foto, das beide beim Handschlag zeigt. "El Chapo" war im Juli durch einen Tunnel mit elektrischem Licht, Luftzufuhr und Schienen aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen. Penn berichtet, Guzmán habe seine Ingenieure für den Tunnel zu einer dreimonatigen Fortbildung nach Deutschland geschickt. Unklar blieben Details dazu.

"Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als jeder andere auf der Welt. Ich habe eine Flotte von U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Booten", sagte Guzmán laut Penn bei dem siebenstündigen Geheimtreffen. Später gab er in einem Video Antworten auf weitere Fragen von Penn.

Ein Topmitarbeiter von US-Präsident Barack Obama zeigte sich von den Äußerungen angewidert. "Ich war angeekelt von seiner Prahlerei (...) über eine Epidemie, die unser Land erfasst hat", sagte der Stabschef des Weißen Hauses, Denis McDonough, am Sonntag dem Sender ABC mit Blick auf die vielen Heroinsüchtigen in den USA. Zugleich bezeichnete er die erneute Festnahme Guzmáns als eine "sehr gute Nachricht".

In ländlicher Umgebung erzählt Guzmán in einer vom "Rolling Stone" veröffentlichten, knapp dreiminütigen Videosequenz von seinem Aufstieg aus einfachen Verhältnissen zu einem der mächtigsten Drogenbosse der Welt. Wenn er nicht mehr existiere, würde der Drogenhandel genauso weitergehen, meinte Guzmán.

Marine-Infanteristen fassten den Chef des Sinaloa-Kartells am Freitag in der Stadt Los Mochis im Westen Mexikos. Bei dem Einsatz kamen fünf mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen. Nach dem Festnahmeversuch in einem Haus floh Guzmán laut Ermittlern zunächst durch die Kanalisation, wurde schließlich aber auf einer Landstraße gestellt und in ein Motel gebracht. Fotos zeigten ihn in schmutzigem Unterhemd in Handschellen auf einem Bett.

Mexikos Generalstaatsanwaltschaft will ihn nun an die USA ausliefern. Sie werde die Ausweisung vorantreiben, teilte die Behörde mit. Wenn das zuständige Gericht die Ausweisung zulässt, muss sie noch von der mexikanischen Regierung bewilligt werden. Noch vor einem Jahr hatte der damalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam eine Auslieferung ausgeschlossen. Einer der beiden bereits eingereichten Auslieferungsanträge kommt aus Texas, wo Guzmán unter den genannten Verbrechen zu Tode verurteilt werden könnte.

Einem Medienbericht zufolge verweigerte Penn in der Nacht zum Sonntag bei einer Gala in Beverly Hills für seine Haiti-Hilfsorganisation jeden Kommentar zu dem Treffen mit "El Chapo". Gefragt danach, habe er lediglich "Ich kann nicht" gesagt und sei gegangen, berichtete die US-Filmzeitschrift "Variety".

Bericht im "Rolling Stone"

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