Sender will eine Million von Emig

- Frankfurt/Main - Der Hessische Rundfunk (hr) verlangt von seinem der Korruption verdächtigten Ex-Sportchef Jürgen Emig eine Million Euro Schadenersatz. Einen Vergleich im Streit um die fristlose Kündigung des 60 Jahre alten TV-Journalisten lehnte der Sender am Freitag vor dem Arbeitsgericht Frankfurt ab. Intendant Helmut Reitze sprach von einem besonders schwer wiegenden Fall, da es im hr klare Richtlinien und spezielle Vorgaben für Emig gegeben habe.

Gegen den Radsportexperten laufen strafrechtliche Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betruges, der Bestechlichkeit, der Untreue und der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Er soll über eine "Strohfirma" Produktionszuschüsse zu Sportübertragungen in die eigene Tasche gelenkt und zu Unrecht Provisionen abgerechnet haben. Zusätzlich seien dem hr weitere Kosten entstanden, die von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ermittelt worden seien, teilte der Sender mit.

Der hr hatte gegen Emig am 14. Juli eine Verdachtskündigung ausgesprochen, als dieser in Untersuchungshaft saß. Spätere Einlassungen Emigs bei der Staatsanwaltschaft wertete der Sender als Geständnis und sprach am 11. August eine erneute fristlose Kündigung wegen der nunmehr als erwiesen angesehenen Tat aus. Vor dem Arbeitsgericht geht es aber ausschließlich um die Rechtswirksamkeit der Kündigung, ein Termin für einen Strafprozess steht noch nicht fest. Für die Verhandlung vor dem Arbeitsgericht setzte das Gericht den 3. Mai 2006 als Termin fest und ordnete das persönliche Erscheinen Emigs an.

Nach Darstellung des hr vor Gericht hatte es bereits vor Jahren Bedenken gegen die enge Zusammenarbeit der Sportredaktion mit einer von Emigs Ehefrau betriebenen PR-Agentur gegeben, die im Jahr 2000 gestoppt wurde. Emig habe daraufhin die Firma SMP mit seiner Frau als stille Teilhaberin und einem weiteren Partner gegründet. "Er hat vorsätzlich und gezielt gegen Anweisungen verstoßen", sagte einer der hr-Vertreter. Den hr und die für die Übertragungen zahlenden Sportveranstalter habe Emig regelmäßig getäuscht, indem er "massiv" Geld abzweigte.

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