Fazit einer Hollywood-Legende

Shirley MacLaine: „Es interessiert mich nicht, was Leute sagen“

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Los Angeles - Shirley MacLaine ist eine der größten Hollywood-Diven aller Zeiten. Mit beinahe 83 Jahren spielt sie nun erneut in einem Film mit. Und erkennt selbst die Parallelen ihrer Filmrolle zum wahren Ich.

Sie machte Karriere und ging dabei über Leichen. Das Haar wurde grau, die schroffe Art blieb. Darum mag sie keiner. Weder die Tochter, noch die Menschen, die sie für ihren Freundeskreis hält. Weiß sie das nicht? Jedenfalls erwartet die halsstarrige alte Dame einen lobhudelnden Nachruf, wenn sie stirbt. Um sicher zu gehen, lässt sie ihn zu Lebzeiten selbst verfassen. Wenn man diese alte Dame im Film spielt, selbst 82 ist und den Ruf hat, sich von nichts und niemand unterbuttern zu lassen, dann muss man mit einer bestimmten Frage rechnen.

Nicht wahr, Shirley MacLaine?

Shirley MacLaine: Ich weiß, Sie wollen wissen, ob ich in "Zu guter Letzt" mich selbst spiele.

Und die Antwort ist...

MacLaine: ...dass es zum Teil stimmt. Die Rolle wurde mir auf den Leib geschrieben. Natürlich erkenne ich mich in ihr wieder – zum Beispiel bei der Arbeitseinstellung. Ohne die wäre ich nie erfolgreich geworden. Und meine Filmfigur hat eine besonders gute freundschaftliche Beziehung zu einer jungen Frau. Das kenne ich gut. Alle Freunde, die ich habe, sind jünger als ich. Ich liebe es, von jüngeren Frauen zu lernen. Von jüngeren Männern natürlich auch. Doch Frauen fällt es leichter, darüber zu reden, was sie stört, was sie wollen, was sie sich wünschen.

Und was können die jüngeren Frau von Ihnen lernen?

MacLaine: Sie lesen meine Bücher, weil sie in einer sehr chaotischen Welt leben. Sie versuchen, einen Sinn hinter den Dingen zu entdecken. Ich gebe ihnen dazu Tipps.

Zum Beispiel?

MacLaine: Wie Sie sich selbst entdecken. Ich wurde in den 30er Jahren geboren und Frauen meines Jahrganges sind es gewöhnt, für ihre Ziele kämpfen zu müssen. Zumindest wenn die Ziele anders waren, als nur dem Frauenideal der Zeit zu entsprechen. Schöne Haare, schönes Gesicht, gute Manieren, nett sein. Junge Frauen heute haben es viel leichter. Allerdings hat das zur Folge, dass sie manchmal einfach gar nicht mehr danach schauen, ob es noch mehr für sie gibt. Sie schöpfen ihr volles Potential nicht aus, weil sie es gar nicht kennen oder erkunden wollen.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, was Sie besonders bereuen?

MacLaine: Nein! Und ich habe über diese Frage schon oft nachgedacht. Wissen Sie warum? Weil ich aus allen Fehlern, die besonders schmerzhaft waren, die besten Dinge gelernt habe. Und wie kann man Lernen bereuen?

Der deutsche TV-Star Hape Kerkeling hat ein Buch darüber geschrieben, wie er ausgebrannt war und dann auf den Jakobsweg gepilgert ist. Sie und ihr Buch darüber waren seine große Inspiration dazu. Hören Sie so etwas oft von Leuten?

MacLaine: Ja, besonders in Bezug auf die Pilgerwanderung nach Santiago de Campostela. Ich war 68, als ich sie unternommen habe und bin damit für viele ein Vorbild geworden. Wissen Sie eigentlich, wie viele wichtige Leute den Jakobsweg schon beschritten haben? Er folgt den Energiewellen der Milchstraße und man kommt so spirituell mit sich ins Reine. Das ist die Voraussetzung, ein guter Leader zu sein.

Ihre Filmheldin will alles unter Kontrolle haben, selbst nach ihrem Tod. Würden Sie auch in Betracht ziehen, ihren eigenen Nachruf zu verfassen?

MacLaine: Aber klar! (Lacht). Das war ein Witz. Es interessiert mich nicht sehr, was die Leute über mich sagen. 

Sie hatten eine sehr enge Beziehung mit dem Rat Pack. Welcher der Herren hatte es Ihnen am meisten angetan?

MacLaine: Eindeutig Dean Martin. Er war der witzigste Mann, den ich jemals getroffen habe. Seine Spontanität, seine komische Ader war einfach genial. Frank Sinatra habe ich bewundert, weil er so ein großes Herz und noch größeres Talent hatte. Und Sammy David Jr. war einfach jemand, um den ich mich gekümmert habe. Aber um es mal klar zu stellen, ich hatte mit keinen von denen eine intime Beziehung. Sie waren alle nicht mein Typ.

Was ist denn ihr Typ?

MacLaine: Ich stehe auf Männer wie es John Wayne oder Robert Mitchum waren. Das waren ganze Kerle.

Sind Sie eine Perfektionistin?

MacLaine Ich bin jemand, der seine eigene Ordnung mag. Mein ganzes Haus ist voller Souvenirs, die ich in all den Jahren aus aller Welt zusammengetragen habe. Für viele sieht das sicher wie das reinste Durcheinander aus, aber ich weiß, wo alles ist.

Sind Sie ein geselliger Typ?

MacLaine: Ich habe ab und an mal Leute zum Dinner da und genieße anregende Gespräche. Doch ich bevorzuge es, allein zu sein. Das ist die Wahrheit. Ich bin glücklicher im Leben als ich es je zuvor war. Ich habe die meisten meiner persönlichen Probleme im Leben gelöst und genieße einfach nur noch. Und einsam bin ich nie, weil ich meine Hunde habe.

Wieviele sind es denn?

MacLaine: Also ich habe vier – manchmal fünf. Einer von ihnen kommt und geht wie er mag. Ich liebe sie alle, ihr Wesen und was sie von mir fordern. Diese Hunde haben die volle Kontrolle zuhause und ich respektiere ihre Intelligenz.

Sind die Tiere Ihre größte Freude im Leben?

MacLaine: Nein, das ist ein warmer Toilettensitz (lacht). Im Ernst, meine größte Freude ist es, Freiheit zu spüren.

Sie sind schon seit Jahrzehnten erfolgreich. Wie wichtig sind Ihnen Ruhm und Geld?

MacLaine: Ich will jetzt weder über das eine noch das andere eine sarkastische Bemerkung machen. Man braucht nämlich Ruhm und Geld, wenn man einen unabhängigen Film drehen will. Sonst kriegst du das niemals finanziert. Grundsätzlich sind Ruhm und Geld zwei der Dinge, die sich die Menschen am meisten wünschen. Und ich bin schon seit sehr langer Zeit privilegiert genug, beides zu besitzen.

Wären Sie sonst ein anderer Mensch?

MacLaine: Ich glaube nicht, dass mir durch Ruhm oder Reichtum irgendwas im Leben geraubt wurde. Auch ist es nicht mein Wesenszug, mehr davon zu wollen. Ich habe es immer als Geschenk betrachtet und habe wahrscheinlich mehr als andere daraus gemacht. Ich stamme aus der unteren Mittelschicht und mein Vater hat mir vorgelebt, was harte Arbeit ist. Deshalb wollte ich auch immer nur eines - hart arbeiten.

Um Shakespeare zu zitieren: „Die ganze Welt ist eine Bühne“. Wie kann im echten Leben eine schlechte Vorstellung abliefern?

MacLaine: Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, wir alle fürchten uns insgeheim, Teil eines schlechten Stücks zu sein. Wir wollen es allen recht machen. Was dazu führt, dass das oft auf Kosten der Authentizität geht. Es ist fast schon eine Krankheit geworden, dass man seine Prioritäten danach setzt, wie man anderen Menschen gefällt. Ich bleibe ich selbst.

Interview: Dierk Sindermann

Rubriklistenbild: © dpa

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