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Die „Echo“-Preisträger Farid Bang (li.) und ­Kollegah

Helene Fischer, Mark Forster und Co. bleiben stumm

Skandal um Farid Bang und Kollegah: Wo bleibt das Echo der Sieger?

Fast eine Woche liegt die Verleihung des Echo nun zurück, die überschattet war von einem Eklat. Bislang haben sich nur wenige geehrte Stars dazu geäußert. Auch auf Nachfrage...

München - Fast eine Woche liegt die Verleihung des Echo nun zurück, die überschattet war von einem Eklat: Die Rapper Kollegah und Farid Bang wurden in der Kategorie Hip-Hop/Urban national ausgezeichnet, obwohl in ihren Texten judenfeindliche Zeilen vorkommen. Zahlreiche Musiker und ­Prominente wie Charlotte Knob­loch von der Israelitischen Kultusgemeinde München haben sich seitdem geäußert und laut ihren ­Unmut gegen die Würdigung der Rapper kundgetan.

Allerdings fällt auch auf: Die meisten Künstler, die am Donnerstag bei der vom Privatsender Vox live übertragenen Veranstaltung mit einem Echo ausgezeichnet wurden, sagen – gar nichts! Kein Statement auf Facebook. Kein ­Interview. Keine Meinung?! Die ­tz bat die neun deutschen Musiker/ Bands, die heuer den Preis ­bekamen, gestern beim ­jeweiligen Management direkt um eine Stellungnahme. Bis 15.30 Uhr gaben wir den Betreffenden Zeit, das ist der Redaktionsschluss für die Ausgabe am Mittwoch. Das Ergebnis: keine einzige Antwort!

Keine Antwort: Mark Forster (34) bekam seinen ersten „Echo“ in der Kategorie „Künstler Pop national“.

Dafür melden sich durchaus ihre Fans zu Wort. Auf der Facebookseite von Mark Forster heißt es etwa: „Mir wäre lieber, Du hättest Campino unterstützt. Mark Forster – was für ein Weichei!“ Carsten Schouler schreibt auf der Facebookseite von Helene ­Fischer: „Und immer weiterlächeln, wenn menschenverachtende und antisemitische ,Künstler‘ ausgezeichnet werden? Warum hat eine Helene Fischer ihren Bekanntheitsgrad nicht ­genutzt, um dagegen zu ­protestieren?“

Keine Antwort:  Helene Fischer (33) bekam den „Echo“ in der Kategorie „Schlager“.

Farid Bang (sein ganzer Name lautet Farid Hamed El Abdellaoui, er wuchs in Düsseldorf auf) ist ­übrigens einer der erfolgreichsten Musiker des Landes. Regelmäßig landet der 32-Jährige mit seinen Platten an der Spitze der Charts und füllt bei Konzerten große Säle. Im Januar spielte er zusammen mit Kollegah (bürgerlich heißt er Felix Blume, ist in Hessen geboren und 33 Jahre alt) im Rahmen der Jung, brutal, gutaussehend-Tour auch in München. Das Konzert wurde ­wegen der großen Nachfrage vom Backstage ins Zenith verlegt, das maximal 6000 Zuschauern Platz bietet. Bangs Geschäfts­modell ist es, Kollegen zu beleidigen und sich durch die daraus ­folgenden ­Beschimpfungen zu profilieren. Die Rechnung geht offensichtlich auf. 

Diese Stars zeigen Haltung

Aus Protest gegen die Auszeichnung von Kollegah und ­Farid Bang geben immer mehr Preisträger ihren Echo zurück. Gestern Nachmittag kündigte Marius Müller-Westernhagen auf Facebook an, all seine ­Trophäen (insgesamt sind es acht!) zurückzugeben. „Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen“, so der 69-Jährige, der von Südafrika aus die „peinlichen Vorkommnisse“ rund um den Echo verfolgt habe. Er glaube nicht, dass die beiden in der Kritik stehenden Rapper Antisemiten seien. „Sie sind einfach erschreckend ignorant.“

Der Pianist Igor Levit gibt seinen Klassik-Echo aus dem Jahr 2014 auch zurück. Ebenso der ­Dirigent Enoch zu Guttenberg (Preisträger 2008). „Nachdem solch ein Preis nun auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom ,Ethikrat‘ Ihres Verbandes freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten“, schrieben Guttenberg und Andreas Reiner vom Orchester Klangverwaltung gestern an die Verantwortlichen. Die Künstler folgen damit Klaus Voormann, der seinen Echo fürs Lebenswerk zurückgegeben hatte. Bereits während der Gala hatte sich Campino von den Rappern distanziert. Peter Maffay forderte den Rücktritt der Verantwortlichen.

Müller-Westernhagen gibt Preise zurück - Veranstalter räumt Fehler ein

Die haben die Auszeichnung der Rapper inzwischen als „Fehler“ bezeichnet. Das schrieb der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, Dienstag in einem Brief an Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür – bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben.“

Knobloch hatte die Auszeichnung als „verheerendes Zeichen“ bezeichnet (tz berichtete). Gerade erst entstehe in Deutschland die „ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen“. Knobloch habe mit ihrer Kritik vollkommen Recht, so Drücke. „Wir als Vorstand haben das falsch bewertet und wollten uns an der falschen Stelle für die künstlerische Freiheit einsetzen.“ Das Geschehene sei nicht mehr rückgängig zu machen. „Wir können allerdings vermeiden, dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen.“ 

Übrigens: Wird Helene Fischer ihren Echo zurückgeben? Dieser Artikel hat mehr Infos.

thy/leic/zg

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