Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf im Alter von 90 Jahren gestorben

- Wien/Schruns - Die große Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf ist tot. Sie starb nach Angaben des Bestattungsinstituts Marent Peter im österreichischen Schruns um 1.15 Uhr in der Nacht zum Donnerstag.

Dort hatte sie zuletzt gelebt. Die 1915 in Jarotschin bei Posen geborene Sängerin, auch eine der letzten Diven der Opernwelt, galt als eine der größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts neben Marias Callas und Victoria de los Angeles. Im Juni war Schwarzkopf für ihr Lebenswerk ein Echo Klassik der Deutschen Phono-Akademie zuerkannt worden. Die Auszeichnung hätte sie am 22. Oktober in München entgegennehmen sollen.

Im Mozart-Super-Jahr ist die Erinnerung an Elisabeth Schwarzkopfs unvergleichliche Kunst vermutlich wacher denn je. Mozarts 22 Bühnenwerke sind im Opernprogramm der Salzburger Festspiele zu sehen, und bei den Aufführungen der großen Opern, nicht zuletzt der Premierenoper "Le nozze di Figaro", hoffte mancher Opernfreund sicher auf Darstellungen, wie die Gräfin Almaviva oder auch die Fiordiligi in "Così fan tutte" von Elisabeth Schwarzkopf es waren. Ihr Name stand für unübertroffenen Mozart- und Strauss-Gesang, für subtile Liedkunst, aber auch für hoch artifizielles Singen.

Es war 1946 in Wien, als Plattenproduzent Walter Legge mit der jungen Sopranistin, die 1953 seine Ehefrau wurde, ein Hugo-Wolf-Lied erarbeitete. Eineinhalb Stunden lang feilte er hartnäckig, bis Herbert von Karajan mahnte: "Kreuzige das Mädchen nicht." Doch die Sängerin mit dem "unerbittlichen Perfektionismus" (Legge) bestand den Test. Ihre Weltkarriere begann 1947 mit einem Gastspiel der Wiener Oper in London. Seitdem sang sie an allen großen Bühnen. 1979 gab sie ihren letzten Liederabend in Zürich.

Aber auf die glänzende Karriere fiel später ein Schatten: Alan Jefferson, ein Vertrauter ihres Ehemanns, veröffentlichte Mitte der 90er Jahre eine Biografie über die Diva und erhob Nazi-Vorwürfe. Zwar gab die Schwarzkopf zu, 1940 den Beitritt zur NSDAP beantragt zu haben. Behauptungen britischer Zeitungen, sie sei ein begeistertes Parteimitglied gewesen, wies sie jedoch zurück. "Nur das, was für das Singen Bedeutung hatte, habe ich getan", sagte sie in einem filmischen Selbstporträt.

Schon 1946 bezeichnete Karajan sie als "vielleicht die beste Sängerin Europas". Ihre Interpretation der Fiordiligi, Donna Elvira und Gräfin Almaviva in Mozarts "Cosí fan tutte", "Don Giovanni" und "Le nozze di Figaro" sowie der Strauss-Partien der Marschallin im "Rosenkavalier" oder der Gräfin in "Capriccio" setzten Maßstäbe - bis heute.

Ihre Stimme war einzigartig: Neben unbändigem Ausdruckswillen besaß sie ein sofort wiedererkennbares Timbre und sang mit weich geflutetem Ton. In Duetten mit Sängerinnen wie Irmgard Seefried oder Elisabeth Grümmer "ergeben sich Klangmischungen, die zum Schönsten gehören, was man klanglich von Frauenstimmen überhaupt hören kann", schrieb Musikkritiker Jürgen Kesting. "Sie hat mit den Wortnuancierungen eines subtilen Schauspielers und den feinen Farben eines großen Malers gesungen." Dies gilt vor allem für die Liedaufnahmen.

Doch es gab auch kritische Stimmen. Manieristisch nannten viele Kritiker ihren Stil. Der Theaterwissenschaftler Jens Malte Fischer schrieb: "Mehr Kunst als Natur - wer den sängerischen Naturlaut bei Elisabeth Schwarzkopf sucht, der wird ihn schwerlich finden."

Seit den 80er Jahren trat die Schwarzkopf als Gesangspädagogin hervor - und mahnte ihre Schüler, die Zeit zu nutzen. "Natürlich muss man singen in der Zeit, in der man singen kann. Das Leben des Sängers ist kürzer als jedes andere", betonte sie. "Man muss in diesen Jahren enorm viel lernen. Ich habe viel gelernt, aber leider, wie ich jetzt weiß, niemals genug." Zu den Schülern der Schwarzkopf zählen die international renommierten Baritone Thomas Hampson und Matthias Goerne. Keine schlechte Bestätigung ihrer pädagogischen Fähigkeiten.

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