Sportgate-Pleite: Becker muss nicht haften

- München - Ex-Tennisstar Boris Becker muss nicht mit einem Millionenbetrag für die Insolvenz der Internetfirma Sportgate haften. Die 12. Zivilkammer des Landgerichts München I schmetterte am Donnerstag die Forderung von Sportgate-Insolvenzverwalter Hartwig Albers auf Zahlung von 1,5 Millionen Euro plus Zinsen ab.

Becker muss aber rund 5700 Euro wegen Unterbilanzhaftung zahlen. Der 36-Jährige war an der Internetfirma beteiligt, die 2001 nur wenige Monate nach dem Start in die Pleite schlidderte. <P>Glamourös war Sportgate als Internetportal angekündigt worden, das mit Sportinformationen und Kontaktbörsen vor allem Freizeitsportler ansprechen wollte. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin posierte Werbeträger Becker damals für die Medien-Welt. "Ist ja klar", sagte er, natürlich wolle er auch Geld verdienen. Daraus wurde nichts: Erst ging Sportgate mit monatelanger Verspätung an den Start, dann war das Internetportal innerhalb weniger Monate zahlungsunfähig.</P><P>Aus der Pleite erwuchsen auch für den Ex-Tennisstar rasch finanzielle Risiken. In einer schriftlichen Erklärung hatte sich Becker im Juli 2000 zum Ausgleich von Sportgate-Verlusten bis zu 1,5 Millionen Euro verpflichtet. Dies nahm der Insolvenzverwalter zum Anlass, gegen Gesellschafter Becker zu klagen.</P><P>"Wir waren nicht von Juristen umgeben", versuchte der dreifache Wimbledonsieger im September bei der mündlichen Verhandlung die Entstehung des laienhaft wirkenden Papiers zu erklären. Diese Naivität angesichts der - in englischer Sprache verfassten - Patronatserklärung erstaunte nicht zuletzt den Vorsitzenden Richter der Zivilkammer. "Ich kann nicht verstehen, warum Sie das unterschrieben haben", sagte Richter Stefan Bischoff zu Becker. "Ich habe den Eindruck, Sie haben sich nicht viel dabei gedacht."</P><P>"Das war mein wichtigster Sieg", hatte Becker im Oktober 2002 gesagt, als er vom Landgericht München I wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde und damit nur denkbar knapp am Gang hinter Gittern vorbei gekommen war. Und genauso gab es für den 36-Jährigen auch am Donnerstag ein Happy End.</P><P>Aus eher formalen Gründen lehnte die Zivilkammer die Forderung des Insolvenzverwalters ab. Zweck der von Becker unterschriebenen Patronatserklärung sei gewesen, den "Fortbestand des Unternehmens durch rechtzeitigen Verlustausgleich zu sichern". Dieser Zweck könne jedoch nach Eintritt der Insolvenz nicht mehr erreicht werden, befand das Gericht - und lehnte eine Haftung Beckers ab. Statt eines Millionenbetrags muss der 36-Jährige nun nur exakt 5708 Euro und 80 Cent zahlen.</P><BR>

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