Starrummel um Bill Kaulitz und kein Ende

"Tokio Hotel": - Berlin - "Tokio-Hotel"-Sänger Bill Kaulitz (17) ist überall. Auf der Filmpremiere von Luc Bessons "Arthur und die Minimoys" als Synchronstimme des Titelhelden und bei der Präsentation seiner neuen Single in Berlin. Eigentlich wäre er auch bei der Verleihung eines Musik-Preises in Cannes dabei gewesen, wenn es sich nicht mit seinem Auftritt bei Gottschalks Fernseh-Show "Wetten, dass ...?" überschnitten hätte.

Die Begleiterscheinungen seiner Tour: kreischende Mädchen kurz vor der Ohnmacht und genervte Eltern. Die Magdeburger Teenie-Band schwimmt immer noch auf der Erfolgswelle, die ihnen ihre erste Single "Durch den Monsun" beschert hat.

Frontmann und Sänger Bill gibt sich als Medienprofi. "Wir müssen uns halt die Termine aufteilen", sagte er bei einer Pressekonferenz in einem Berliner U-Bahnhof. Die Single zur neuen Platte "Zimmer 483" stellte die Band gestern Abend gemeinsam vor, wobei Schlagzeuger Gustav und Bassist Georg wie so oft Statisten waren. Überhaupt keine Befürchtungen habe die Band bei der neuen Platte gehabt - "obwohl das zweite Album ja immer das schwerste sein soll", meinte Bill. Er will über das neue Album reden, das erneut die Probleme von Jugendlichen aufgreifen soll. In dem Videoclip des düster-rockigen Liedes "Übers Ende der Welt" marschieren Tokio Hotel ähnlich wie Strafgefangene in einer Reihe durch eine Großstadt und scheren aus der Kolonne aus. "Ich will den Menschen damit Mut machen, aus ihrem Alltagstrott auszubrechen", sagte der Frontmann.

Tokio Hotel wurde auf der Musikmesse in Cannes als beliebteste deutsche Nachwuchsband im Ausland ausgezeichnet, ein weiterer Höhepunkt der fast zweijährigen Karriere. Bill Kaulitz ist mit seiner dunkel gescheckten Stachelfrisur, den schwarzumrandeten Augen und den langen manikürten Nägeln fast zur Marke avanciert. Beinahe reflexartig schnellt sein Finger in die Höhe zum betont provokativen Fingerzeig, sobald eine Kamera auf ihn gerichtet ist. Routiniert signiert er Tausende von Postern, Büchern und T-Shirts, die sich ihm unter lautem Gekreische bei jedem Auftritt entgegenstrecken.

"Menschlichkeit", antwortet Starregisseur Luc Besson auf die Frage nach Bills Stärke - die Fähigkeit, noch spontan zu antworten und zu handeln, trotz Starrummels nicht unnahbar zu wirken. "Es ist alles so krass", sagt Bill. Man nimmt es ihm ab, dass er kaum glauben kann, was aus den Magdeburger Mittelstufenschülern geworden ist. Während der für das Frühjahr geplanten Tour wollen die Zwillinge wieder für den Fernunterricht per Internet lernen. "In unserem riesigen Tourbus ist auf jeden Fall noch Platz für Schulhefte."

Dabei hatten sich die Jungrocker nach ihrem ersten Album kurzzeitig die Sympathien verspielt, als sie mit Berichten über Trinkgelage und Randale in Hotelzimmern in die Schlagzeilen gerieten. "Gerade erst haben sie einen Schwindel erregenden Einstieg an die Spitze der Charts geschafft, und schon benehmen sich die Jungs wie abgebrühte Rockstars", schrieb MTV damals auf seiner Homepage. Benefiz-Konzerte waren nur mager besucht, und auch der Kampf gegen die Vorurteile, die Band sei ein Kunstprodukt der Musikindustrie, hielt an.

Diese Geschichten sind für Tokio Hotel jetzt schon "ewig" her und die Band, die gerade aus dem Malediven-Urlaub zurückgekehrt ist, erkennt sich auf alten Fernsehaufnahmen selbst kaum wieder. "Wir haben angefangen, alles zu fotografieren, sonst glaubt uns in ein paar Jahren keiner mehr, was hier los war", sagte Bill.

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