Sterne-Regen für Deutschlands Köche

Hamburg - Riesenerfolg für Deutschlands Spitzenrestaurants: Gleich drei Köche erhalten im "Michelin"-Führer 2008 ihren dritten Stern. Damit führen jetzt neun Restaurants in Deutschland die international höchste und wichtigste Auszeichnung für Kochkunst.

Neu in der Drei-Sterne-Klasse sind Juan Amador aus Langen bei Frankfurt, Klaus Erfort aus Saarbrücken und Claus-Peter Lumpp aus Baiersbronn. Außerdem rücken vier Küchenchefs in die Gruppe der Gourmet- Gaststätten mit zwei Sternen auf.

"Wir haben wirklich eine großartige Entwicklung, die uns auch europaweit vorangebracht hat", sagte Michelin-Chefredakteurin Juliane Caspar der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Deutschlands Küche hat eine neue Stufe erklommen", bestätigte "Michelin"-Direktor Jean-Luc Naret. "Deutschland baut seine Position als führendes europäisches Gastronomieland hinter Frankreich aus." In Frankreich gibt es 26 Häuser mit 3 Sternen, in Italien 5 und in Spanien/Portugal 6.

Klaus Erfort (35) war am Vortag bereits vom Gourmetführer "Gault Millau" zum "Koch des Jahres" gekürt worden. "Ich bin ein glücklicher Mensch", sagte er am Dienstag, nachdem er den Anruf der "Michelin"-Redaktion erhalten hatte. "Und insgesamt so viele neue Sterne, das ist ja schon eine Revolution."

Besonders bemerkenswert ist der dritte Stern für den Spanier Juan Amador (38), einen Vertreter der spanischen Avantgardeküche. "Das ist unglaublich, das ist das Allergrößte", sagte er. Den Begriff "Molekularküche" wies er aber als "blödes Wort" zurück. "Alles, was wir machen, beruht auf der klassischen Küche. Selbst wenn wir mit modernen Methoden kochen, wie mit Stickstoff, so steht doch das gute Produkt, der bekannte Geschmack im Mittelpunkt. Wir nehmen nur manche Dinge auseinander und setzen sie neu zusammen."

"Michelin"-Chef Naret lobte, Amador habe die neuen Techniken des Spaniers Ferran Adrià oder des Engländers Heston Blumenthal nicht einfach imitiert, wie viele andere, sondern einen eigenen eleganten Stil entwickelt. Die experimentierfreudigen Köche greifen unter anderem auf Gelier- und Verdickungsmittel aus der Chemie- und Lebensmittelindustrie zurück. Zu Amadors Spezialitäten gehört Müritz-Lamm mit Kokos und Curry. Ein Dessert heißt "Dekonstruktion von Rebsorten".

Im "Gault Millau" war Amador am Tag zuvor noch leicht abgewertet worden, weil bei ihm zu viel kulinarische Spielerei geboten werde. Dazu meinte er: "Wir wollen die Leute auch unterhalten im Restaurant, klar. Aber wir übertreiben es nicht."

Claus Peter Lumpp (43) vom Restaurant "Bareiss" konnte zu seinem seit 1993 ganz oben stehenden Baiersbronner Kollegen Harald Wohlfahrt ("Schwarzwaldstube") aufschließen. Lumpp war im "Michelin" zwei Jahre lang als Anwärter auf den dritten Stern geführt worden. "Wir sind überglücklich", sagte Hotelchef Hermann Bareiss, "nun ist es endlich soweit." Küchenchef Lumpp sei überwältigt - und erst einmal nicht erreichbar. Wohlfahrts Kommentar: "Er hat es verdient!"

Neuer Anwärter auf einen dritten Stern im "Michelin" ist nun Sven Elverfeld vom "Aqua" in Wolfsburg. Insgesamt zeichnete der Führer vier Restaurants mehr als im Jahr 2007 mit den begehrten Sternen aus. In die Gruppe der 15 Zwei-Sterne-Köche stiegen Christian Lohse ("Fischers Fritz", Berlin), Andree Köthe und Yves Ollech ("Essigbrätlein", Nürnberg), Eric Menchon ("Le Moissonnier", Köln) und Dirk Luther ("Alter Meierhof", Glücksburg) auf. Die meisten Sterne-Restaurants gibt es weiterhin in Baden-Württemberg (54), danach folgt Nordrhein-Westfalen (33).

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