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Alice Schwarzer wird Doppelmoral vorgeworfen.

Scharfe Kritik im Netz

Steuer-Beichte: Jetzt droht Schwarzers Anwalt

Köln - Während Alice Schwarzer sich nach ihrer Steuer-Beichte scharfer Kritik ausgesetzt sieht, droht ihr Anwalt mit rechtlichen Schritten.

Alice Schwarzer geht nach ihrer Steuer-Beichte in die Offensive. Ihr Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, hat nach der ungewollten Veröffentlichung des Themas juristische Konsequenzen angekündigt. Geprüft würden etwa strafrechtliche Schritte, denn Schertz sieht eine „unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer“, nachdem zuerst „Der Spiegel“ über den Fall berichtet hatte.

Auch Schwarzer selbst hatte auf ihrer Internetseite „das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis“ angemahnt. Sie sprach von einem „Dammbruch für die Medien“ und vermutet den Versuch einer bewussten Rufschädigung.

Heftige Kritik bei Twitter

Die Diskussion um Schwarzer ging am Montagmorgen in sozialen Netzwerken weiter, etwa bei Twitter. In etlichen Meinungsbeiträgen wurde Schwarzer Doppelmoral vorgeworfen, nachdem sie zugegeben hatte, über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht zu haben. Kommentare wie "Hochmut kommt vor dem Fall" oder "Und da sag nochmal einer 'Es gibt nur ein Uli Hoeneß'", sind auf Twitter unter dem Schlagwort #AliceSchwarzer zu lesen. Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der straffreien Selbstanzeige von Steuersündern wurde wieder aufgeworfen.

Angesichts teils heftiger Twitter-Attacken auf Schwarzer wies der Grünen-Politiker Volker Beck auf deren Rechte hin. „Ich habe mit #AliceSchwarzer wegen mangelnder Fairness auch persönlich eine Rechnung offen. Aber manches geht zu weit!“, twitterte er. Zuvor hatten sich etwa der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner oder die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt mit kritischen Beiträgen zu Wort gemeldet, in denen sie Schwarzer als Vorbild und moralische Instanz anzweifelten.

Alice Schwarzer steckt eine Million Euro in neue Stiftung

Unterdessen wurde bekannt, dass Alice Schwarzer mit einer Million Euro eine Stiftung zur Chancengleichheit gegründet hat. Das teilte die von ihr herausgegebene Zeitschrift „Emma“ am Montag auf ihrer Internetseite mit. Das Projekt sei seit Monaten in Vorbereitung. Doch wegen der „aktuellen Debatte“ habe sich Schwarzer entschlossen, mit der Ankündigung früher als geplant an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie selbst gebe zum Start eine Million Euro als Stiftungskapital, hieß es in der Mitteilung. Künftig würden auch die Gewinne der Zeitschrift „Emma“ zum Betrieb der Stiftung beitragen. Diese soll in vielen Bereichen Chancengleichheit und Menschenrechte von Frauen und Mädchen fördern.

Schwarzer hatte sich am Sonntag dazu bekannt, seit den 80er Jahren ein Schweizer Konto gehabt und es erst im vergangenen Jahr beim Finanzamt angezeigt zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie insgesamt etwa 200.000 Euro an Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen.

Schwarzer wird selbst zu Talkshow-Thema

Schwarzer, die in den vergangenen Monaten mit ihrer Anti-Prostitutionskampagne oft im Fernsehen zu Gast war, wird jetzt selbst zum Talkshow-Thema. In der ARD-Sendung "Hart aber fair" wurde kurzfristig das Thema geändert. Unter dem Titel "Was, die auch - kein Recht auf Steuergeheimnis für Alice Schwarzer?" wird der Fall am Montagabend (21 Uhr) thematisiert.

dpa/vh

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