Das stille Leiden von Japans Kronprinzessin

- Tokio - Über dem Palast des Monarchen strahlt die Sonne vom kaiserblauen Himmel herab. Wie eine grüne Oase des Friedens wirkt das ummauerte Palastgelände im Herzen der japanischen Millionen-Metropole Tokio. Doch ganz so ungetrübt ist das Familienleben des Tenno derzeit nicht.

<P>Seit sein Sohn, Kronprinz Naruhito, der Nation kürzlich in ungewöhnlich deutlichen Worten wissen ließ, dass seine Frau Masako "völlig erschöpft" sei vom jahrelangen Versuch, sich der Kaiserfamilie anzupassen und es "Bestrebungen" gegeben habe, die Karriere und Persönlichkeit der Ex-Diplomatin zu negieren, reißen die Spekulationen um den Zustand der erkrankten Kronprinzessin nicht ab.</P><P>Daran änderte ihr Gemahl auch mit einer vermeintlich klärenden Stellungnahme nichts. Es sei nicht seine Absicht gewesen, mit seinen Aufsehen erregenden Worten irgendeine bestimmte Kritik zu üben, wurde Kronprinz Naruhito zitiert. Er habe lediglich ihre Situation schildern wollen. Vor allem habe er mitteilen wollen, dass Masako ihren Verpflichtungen wieder nachgehen wolle, sobald sie gesund sei. Konkreter wollte - oder konnte - der Thronfolger nicht werden. Und so bleibt den Medien nichts anderes übrig, als weiter zu spekulieren.</P><P>Eine Ursache für Masakos Leiden liege in der Isolation, in der sie lebe. "Das Paar hat niemanden um sich, dem es sich anvertrauen und sein Herz ausschütten kann", zitieren Medien einen Bekannten des Kronprinzen. Selbst mit ihren Eltern könnten sie sich nicht ohne weiteres austauschen, auch nicht per Telefon. Sie hätten nicht einmal eigene Rufnummern. Die Kommunikation mit dem Kaiserpaar, das rund zwei Kilometer von ihrem Kronprinzen-Palais entfernt wohnt, laufe übers Personal, schreibt das angesehene Magazin "Bungei Shunju". Wenn Kaiser Akihito und sein ältester Sohn Naruhito sich begegneten, dann nehme das den Charakter eines geradezu "offiziellen Treffens" an.</P><P>Kein Wunder, dass es da zu Missverständnissen kommen kann. So soll es Kaiserin Michiko bedauert haben, dass ihre Schwiegertochter sie nicht so oft besuche. Dabei habe Kronprinzessin Masako wiederholt um Treffen angefragt, doch sei dies möglicherweise nicht weitergeleitet worden, schreibt das Magazin. Inzwischen soll Masako sich nicht mehr über ihre Beziehung zu ihrer Schwiegermutter sicher sein. Jahrelang wurde die Kronprinzessin abgeschottet und unter Druck gesetzt, einen männlichen Thronfolger zu gebären. Auslandsreisen wurden der früher so frischen, selbstbewussten Karriere-Diplomatin, die als Bürgerliche in die älteste Monarchie einheiratete, jahrelang untersagt.</P><P>Im Dezember 2001 bekam Masako (40) ein Kind: Prinzessin Aiko. Spätestens jetzt hätten Japans Politiker sie von dem Druck befreien können, auch noch einen Sohn gebären zu müssen. Doch halbherzige Vorstöße, die weibliche Thronfolge wieder einzuführen, verstummten. Masako hat seit Dezember, als sie an einer Gürtelrose erkrankte, keine offiziellen Verpflichtungen mehr wahrgenommen. Ende März brach sie mit den höfischen Traditionen und flüchtete in das Landhaus ihrer bürgerlichen Familie. In der Öffentlichkeit kursieren Gerüchte, wonach die Kronprinzessin unter "Stress" und "Depressionen" leidet.</P><P>Glaubt man jüngsten Spekulationen der japanischen Presse, sollen Masako und ihr Mann schockiert gewesen sein, als sie von Ansichten des Hofamtsleiters erfuhren, wonach man vielleicht besser Naruhitos jüngeren Bruder, Prinz Akishino, bitten sollte, für einen Thronfolger zu sorgen. Der Prinz und seine 37-jährige Frau haben zwei Töchter. Solches Ansinnen soll Kronprinz Naruhito letztlich zu seinen unerhöht offenen Worten über das Leiden seiner Frau Masako bewegt haben. Der Vorstoß des Kronprinzen, so schreibt die Zeitschrift "Aera", sei vermutlich erst der Auftakt zum "Kampf" mit dem konservativen Hofamt um mehr Freiräume in dem rigide und verkrustet wirkenden Kaiserhaus.</P>

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