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135 Gäste genossen das Gala­dinner unter Federführung von Sternekoch Hans Haas.

135 Gäste und Freunde geladen

So feierte das Tantris den 45. Geburtstag

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München - Am Samstag stieg im Tantris die große Sause. Das Münchner Spitzenrestaurant feierte den 45. Geburtstag. Mit dabei: viel Prominenz und ein ganz besonderes Dinner.

Wer einmal zu den Auserwählten zählte, die einen Tantris-Geburtstag mitfeiern durften, wird das nie vergessen. Wie der Vierzigste vor fünf Jahren, als sich die besten Köche der Welt die Ehre gaben. War doch das Tantris in Deutschland der Wegbereiter neuer französischer Küchenkultur, die bis zur Eröffnung des hummerroten und trüffelschwarzen Gastraumes am 2. Dezember 1971 hierzulande noch völlig unbekannt war. Eben, bis sich der Münchner Bauunternehmer Fritz Eichbauer (88) mit Ehefrau Ursula selbst diesen Gourmettempel in der Johann-Fichte-Straße errichtete, um endlich auch daheim Nouvelle Cuisine genießen zu können, die er in Frankreich so liebte. Den Maßstab impliziert der Name: Suche nach Vollkommenheit.

Der erste dieser Suchenden: Eckart Witzigmann, der jahrelange Erfahrung von Frankreichs Spitzenrestaurants mitbrachte und dem Tantris schon nach einem Jahr den ersten Stern und gleich darauf den zweiten Stern erkochte - unbeirrt aller öffentlich geäußerter Skepsis. Beschimpft als Autobahnkapelle und Feuerwache mit einer Überlebensprognose von einem Jahr.

45. Geburtstag als Münchens Spitzenrestaurant

Gerhard Polt, Hans Haas und Christoph Well (v.l.).

Nun - das Tantris feierte an diesem Samstag seinen 45. Geburtstag als Münchens Spitzenrestaurant, ausgezeichnet mit zwei Sternen, die „Der Chef“ Hans Haas seit 25 Jahren souverän und mit Bodenhaftung strahlen lässt. Zum Galadinner lud er seine Lieblingsschüler zum Kochen ein, inzwischen allesamt selbst Stars am Herd. Für 135 geladenen Gäste eine Sternstunde! Acht Stunden, acht Gänge. Poesie auf Tellern! Ein Menü wie ein Gedicht. Weine zum Vergehen.

Der letzte Gang wurde um ein Uhr früh serviert - und ein Praliné beendete den Sinnesrausch. Es gab ja auch nicht nur zu Essen und zu Trinken und zu schauen. Auch viel zu Lachen - mit Gerhard Polt, selbst Feinschmecker und Tantris-Liebhaber, Stofferl Well und dem Biermösl-Nachwuchs sowie Michael Mittermeier, der sich ebenfalls dort heimisch fühlt und sich zum Geburtstagsgeschenk machte. „Das Tantris war Liebe auf den ersten Blick - schon das Ambiente ist der Wahnsinn.“ Hummerrot und trüffelschwarz - mit orangefarbener Auslegeware. Eine Art Theater zum Essen. Für Bürgermeister Josef Schmid ein bedeutendes Stück Münchner Kultur. Und dieser Kultur-Wahnsinn des Schweizer Architekten und Designers Justus Dahinden steht inzwischen unter Denkmalschutz und damit auch der orangefarbene Teppich an der Decke, der auch nach 45 Jahren noch pott auf sich zieht.

Acht Jahre lang ein Verlustgeschäft

Natali und Josef Schmid.

Ja, der visionäre Fritz Eichbauer hat sich allerhand anhören müssen. Von allen Seiten. Und bezahlt dafür! Mit etlichen Millionen hat er den gefräßigen Betrieb in Richtung Vollkommenheit stützen müssen - die ersten acht Jahre waren trotz der Sterne ein Verlustgeschäft - und weit über die schwarze Null hat es das Tantris auch nie geschafft, zu groß ist der Aufwand bis Teller der Vollkommenheit serviert werden können. „Ein Schloss hätt ich mir dafür kaufen können“, sagte Eichbauer immer gern. Aber er hätt halt dort kein so feines Mahl gekriegt. ich dort nichts zu Essen gekriegt.

„Dass das Tantris auch nach 45 Jahren noch läuft - das ist das Schönste, was es gibt“, freute er sich. Und er kommt ja auch noch regelmäßig zum Essen.

Längst ist Sohn Felix Eichbauer (44) mit Ehefrau Sabine Chef. Behutsam bringen die beiden jugendliche Frische ins ehrwürdige Spitzenrestaurant. So beauftragten sie zum Beispiel die international gefeierten Münchner Modedesigner Johnny Talbot und Adrian Runhof für die 60 Mitarbeiter neue Uniformen zu entwerfen. Überraschung garantiert! Heinz Oestergaard hat die allererste Ausstattung kreiert - eine Ehre für Adrian Runhof, in dieser Tradition zu stehen.

Rund eine Million Gäste

Überhaupt - es ist immer ein Privileg, Teil der Tantris-Geschichte sein zu dürfen. Rund eine Million Gäste hatte es in 45 Jahren, 1138 Mitarbeiter, darunter Deutschlands erste Sommeliere Paula Bosch, drei Küchenchefs. Heinz Winkler war Nummer 2 (von 1978 bis 1991) und erkochte 1981 drei Sterne - mehr geht nicht.

Schauspieler und Genießer Elmar Wepper schätzt solch hohe Kunst sehr - mit Ehefrau Anita. „Was Besseres als was Guads gibt’ net!“, lacht er. „Ich esse gern, ich mag gern guten Wein und ein gutes Bier und ich koch gern.“ Und weil es seinem Bruder Fritz im Krankenhaus in Innsbruck inzwischen wieder gut geht, konnte er das Tantris-Dinner auch mit großer Erleichterung genießen.

„Kein Museum sondern Talentschmiede“

Felix Eichbauer wünscht sich für die Zukunft des Tantris vor allem eins: „Wir dürfen trotz Denkmalschutz kein Museum werden, wir müssen Talentschmiede bleiben!“ Und so kann Töchterchen Elsa (3) vielleicht einmal das 100-Jährige feiern - in Vollkommenheit. Was dann wohl auf den Tellern liegt?

Mit dabei u.a. auch: BR-Moderator Tilmann Schöberl, der durch den Abend führte; Minzi Prinzessin zu Hohenlohe, BMW-Manager Dr. Friedrich Eichiner mit Gattin Silvia, Caterer Uli Dahlmann mit Ehefrau Evelyn, der alle großen familiäre Anlässe gern mit einem Essen im Tantris zelebriert; Immobilienunternehmer Maximilian Hurler, Gastro-Star Rudi Kull, Sportmoderator Marcel Reif und Prof. Dr. Marion Kiechle sowie Ute ­Haberl. Helmut Markwort, der am Donnerstag 80. Geburtstag feiert mit Moderatorin ­Katja Burkard und Medienmanager Hans Maar sowie Hoteliersfamilie Geisel.

Ein Gala-Menü wie ein Gedicht

Tantris-Küchenchef Hans Haas (59) hat seine ehemaligen Lieblingsschüler eingeladen, mit ihm das Galamenü zu bestreiten: allen voran seine Sous-Chefin Sigi Schelling und Fernsehkoch Roland Trettl sowie Martin Fauster (Königshof), Stephan Franz (Schokofoto, Wedel), Thomas Kellermann (Burg Wernberg), Jochen Kempf (Osteria da Francesco) und Mario Lohninger (Frankfurt/Main).

Serviert wurden: Langustine mit Taschenkrebstartar und Zitrusfrucht-Tapioka * Alaska-Black-Cod mit Rettich-Canneloni, Süßkartoffel und geräucherte Consommé * Konfierte Seppioline mit Eigelb und Kaviar gefüllt * Bretonischer Steinbutt mit Bouchot-Muscheln und Risina-Bohnenragout * Topinambur-Ravioli mit weißen Alba-Trüffeln * Wachtel-Pot-au-feu mit Gänseleber und Périgord-Trüffeljus * Oberpfälzer Rehrücken im Gewürzsud gegart mit Rote Bete, Apfel und Schoko-Minze * Gefüllter Topfen-Mohnknödel mit winterlichem Obstragout und Mandeleis.

Ulrike Schmidt

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