Die Tate Modern feiert Joseph Beuys

- London - Die Londoner Tate Modern feiert Joseph Beuys. Mit der größten Beuys-Ausstellung der letzten zehn Jahre will die Tate das Werk des Künstlers und Professors aus Düsseldorf einem internationalen Publikum näherbringen.

Level 4 des umgebauten Stromkraftwerks an der Themse ist für Beuys reserviert: 16 Vitrinen, acht Rauminstallationen, Environments und Aktionen geben einen Einblick in das Schaffen des Bildhauers, Künstlers und Lehrers. <P>"Beuys ist heute eine historische Figur. Jetzt ist der Wendepunkt gekommen, um den Mythos Beuys zu enträtseln", sagte Kurator Sean Rainbird am Donnerstag. Die Ausstellung wird am Freitag eröffnet und läuft bis zum 2. Mai. Begrüßt wird der Besucher im ersten der zehn großen, hellen Ausstellungsräume mit der Installation "Fonds VII", den acht Türmen von mit Kupferplatten bedeckten Filzplatten. "Das ist ein unmittelbares, physisches Erlebnis", erklärt Rainbird. Die Ausstellung solle zeigen, dass die Hinterlassenschaft von Beuys über die Bildhauerei hinausgeht.</P><P>Besonders stolz sind die Organisatoren darauf, dass mehrere Beuys- Installationen, die sich wegen ihrer Größe und Fragilität schlecht zum Transport eignen, nach London gebracht werden konnten. Aus der Neuen Galerie in Kassel kam "Das Rudel". Die Installation aus einem VW-Bus mit 24 angebundenen Schlitten, Filzdecken und Lampen, ist damit erstmals seit 1979 außerhalb Deutschlands zu sehen. Beuys hatte sie unter dem Originaltitel "The Pack" erstmals 1970 im College of Art in Edinburgh (Schottland) gezeigt.</P><P>Die Installation "Feuerstätte und Feuerstätte II", mit der Beuys laut Rainbird vor allem auf seine Beschäftigung mit dem Nordirland- Konflikt eingeht, verließ zum ersten Mal überhaupt das Kunstmuseum in Basel. Eindrucksvoll machen sich in den hohen, dezent beleuchteten Räumen der Tate die Basaltsteine der Skulptur "Das Ende des zwanzigsten Jahrhunderts" und die 1976 geschaffene Installation "Straßenbahnhaltestelle."</P><P>In insgesamt 16 Vitrinen, von Beuys als "Gegenstück zum Museum" entworfen, sind die verschiedensten Momentos von Emaille- Waschschüsseln über Schlitten, Flaschen, Filzmantel sowie eine Armbinde der Deutschen Studentenpartei zu sehen.</P><P>Eine kleine ständige Ausstellung von Beuys-Werken hat es in der Tate schon seit Anfang der 70er Jahre gegeben. So kommt auch das wiederbelebte Interesse an Beuys nicht von ungefähr. "Beuys brachte mich zur Kunst", gestand Tate-Direktor Nicholas Serota kürzlich in einem Zeitungsinterview. Wie kein anderer habe Beuys es geschafft, mit Originalität und unkonventionellen Materialien den Zustand der Menschheit ganz direkt anzusprechen.</P><P>Für den politisch denkenden Beuys habe die Kunst immer auch eine soziale Dimension gehabt. Eine Trennung zwischen Beuys' Leben und seiner Kunst habe es kaum gegeben. "Wir haben jetzt die Chance, erneut zu untersuchen, wie Beuys' Werke zu uns sprechen. Ich glaube, sie haben eine größere Relevanz als je zuvor", meinte Serota. Gerade im Augenblick stellten Künstler wieder vermehrt Fragen "nach der Gesellschaft, in der sie leben, und welchen Platz sie darin haben."</P><P>Die Beuys-Retrospektive fällt allgemein mit einem wiederbelebten Interesse deutscher Nachkriegskunst zusammen. Wenige hundert Meter von der Tate entfernt widmet Tate-Rivale Charles Saatchi in seinem eigenen Museum deutschen Gegenwartskünstlern breiten Raum, darunter auch dem Beuys-Schüler Jörg Immendorff und dem 1997 verstorbenen Martin Kippenberger.</P>

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