Tatjana Gsell im Zeugenstand

- Nürnberg - Tatjana Gsell hat als Zeugin im Berufungsverfahren um einen fingierten Überfall auf ihren Ehemann Franz Gsell erneut ihrem Jugendfreund eine Beteiligung an der Tat vorgeworfen. Die 33-Jährige sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth, der inzwischen vom Dienst suspendierte Staatsanwalt aus Hof habe ihrem Mann dabei geholfen, den geplanten Versicherungsbetrug durchzuziehen.

Bei dem Vorfall im Januar 2003 war der 76-jährige Nürnberger Schönheitschirurg so schwer verletzt worden, dass er wenige Wochen später in einem Krankenhaus starb. Tatjana Gsells von regem Medieninteresse begleitete Aussage konnte indes nicht klären, unter welchen Umständen Franz Gsell verletzt wurde. Selbst auf hartnäckige Nachfragen von Staatsanwalt und Verteidigung berief sich die 33-Jährige auf Erinnerungslücken. Sie habe zwar unmittelbar nach der Tat mit ihrem 34-jährigen Jugendfreund über die misslungene Aktion gesprochen und erfahren, dass ihr Ehemann leicht verletzt worden sei. Wer ihm diese Verletzungen zugefügt habe, wisse sie aber nicht mehr. "Das war bestimmt ein Inhalt dieses Gesprächs. Aber es war alles so wirr", sagte sie.<BR><BR>In Anwesenheit ihres jetzigen Lebensgefährten Prinz Ferfried von Hohenzollern beschrieb Tatjana Gsell ihr langjähriges Verhältnis zu dem Hofer Staatsanwalt als eine enge Verbindung. Als Liebesbeziehung habe sie diese jedoch nie betrachtet. "Es war mehr ein gelegentliches Treffen", betonte sie. Auch als sie bereits verheiratet gewesen sei, seien sie und der 34-Jährige noch miteinander intim gewesen. Der Jurist habe sie auch immer wieder bedrängt, sich scheiden zu lassen. "Ich war seine Traumfrau. Er war sehr in mich verliebt", schilderte die in einem weißen Kostüm erschienene Diplom- Kosmetikerin.<BR><BR>Tatjana Gsell und ihr Jugendfreund aus Hof waren im August 2004 wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat vom Nürnberger Amtsgericht verurteilt worden. Während Tatjana Gsell nach einem umfangreichen Geständnis ihre Strafe von 16 Monaten auf Bewährung sowie 30 000 Euro Geldbuße annahm, streitet der 34-Jährige jede Tatbeteiligung ab. Er legte gegen seine Bewährungsstrafe von 15 Monaten und eine Geldbuße von 3000 Euro Berufung ein. Seit Juni 2003 ist der Staatsanwalt vom Dienst suspendiert. Derzeit arbeitet er an seiner Promotion.<BR><BR>Das Gericht hatte es in erster Instanz im August 2003 als erwiesen angesehen, dass Gsell und ihr Jugendfreund im Januar 2003 einen Überfall auf Gsells Ehemann fingiert haben. Sie wollten damit einen Versicherungsbetrug kaschieren. Dabei soll der 34-jährige Jurist falsche Spuren gelegt haben. Geplant war, Tatjana Gsells Sportwagen von Autoschiebern ins Ausland bringen zu lassen und in Deutschland als gestohlen zu melden. Bei der Schlüsselübergabe in der Gsell-Villa in Nürnberg kam es jedoch zu Handgreiflichkeiten zwischen dem 76jährigen Arzt und einem der Autoschieber.<BR><BR>Der Jugendfreund machte zu Beginn des Berufungsverfahrens keine Angaben zur Sache. Er beschränkte sich auf die Schilderung seiner persönlichen Verhältnisse und seiner Beziehung zu Tatjana Gsell, die er als "freundschaftlich" und "intim" bezeichnete. Der Vorsitzende Richter Alexander Pühringer ließ durchblicken, dass er insgesamt ein kurzes Verfahren anstrebe. Wiederholt fiel er dem Verteidiger ins Wort, als dieser Fragen an Tatjana Gsell stellte. Mitunter kam es auch zu Wortgefechten zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidigung. Der Prozess soll am Montag (2.5.) mit der Zeugenaussage zweier mutmaßlicher Autoschieber fortgesetzt werden. 

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