t.A.T.u bei erstem Deutschland-Konzert gefeiert

- Saarbrücken - Bei der Erstürmung der Hitparaden hat dem russischen Mädchen-Duo t.A.T.u eine gehörige Prise wohlkalkulierter lesbischer Erotik geholfen. Auch bei ihrem ersten Konzert in Deutschland erfreuten die leicht bekleideten 18-jährigen Sängerinnen ihre Fans mit ihrem obligatorischen Zungenkuss. Doch dann die eigentliche Überraschung: Die russische Antwort auf die Girlpower des Westens überzeugte in Saarbrücken vor allem musikalisch mit einer packenden 95-Minuten-Show.

<P>Durchsichtiger Mini-Rock, schwarzer Slip, dazu ein hautenges helles Top. Als sich in diesem Outfit das russische Pop-Duo t.A.T.u. am Dienstagabend auf der Bühne präsentiert, wittern viele der etwa 2500 Fans in der Saarlandhalle eine skandalträchtige Show. Doch wie bereits beim braven Grand-Prix-Auftritt am vergangenen Samstag in Riga bleiben die Sängerinnen ziemlich züchtig.</P><P>In der Show der Moskauerinnen geht es zwar immer wieder irgendwie um Liebe, und warum auch nicht um gleichgeschlechtliche. Aber bis auf den Zungenkuss bei ihrem Mega-Hit "All The Things She Said" und einigen zärtlichen Berührungen verzichten Julia Volkova und Lena Katina auf eindeutige Szenen.</P><P>Mit sanften Pop-Balladen über harten Elektro-Crossover-Punk bis hin zum zweiten Hit "Not Gonna Get Us" aus ihrem Album "200 km/h in the Wrong Lane" begeistern die Teenager ihre meist gleichaltrigen Besucher. Auf spartanischer Bühne gibt es dagegen eher magere Tanzeinlagen der beiden, die im Jahr 2000 ein Casting in Moskau gewonnen haben und dann professionell in Gesang, Tanz und Medien geschult wurden. Doch vier Tänzerinnen gleichen das mit einer professioneller Performance aus, und so tut die Bewegungsarmut des Duos der Stimmung kaum einen Abbruch.</P><P>Dann doch noch t.A.T.u-typische Stimmungsmacher: Die beiden kindlich wirkenden Pop-Sterne werfen den Mini-Rock weg und hüpfen nur in Slip und Oberteil über die Bühne. Spätestens als Julia und Lena versuchen, heterosexuelle Fans auf der Bühne zu einem Zungenkuss mit dem gleichen Geschlecht zu bewegen, sind die jugendlichen Besucher aus dem Häuschen. "Absolut cool wie das gesamte Konzert", findet die 19-jährige Anne-Marie. "Peinlich und geschmacklos", kommentiert dagegen eine Mutter, die ihre 15-jährige Tochter begleitet, diese Einlage.</P><P>Obwohl die Saarlandhalle nur zur Hälfte gefüllt ist, scheint das Duo bester Laune. Während Julia sich vornehmlich der russischen Sprache bedient, sucht Elena immer wieder frenetisch gefeiert die Ansprache auf Englisch zu den Fans. Mangelnde Popularität ist sicherlich nicht der Grund für den schlechten Besuch, sondern eher die verwirrende Informationspolitik des Managements. Wegen der Nominierung zu den "MTV Movie Awards" in Los Angeles am 31. Mai und einer anschließenden USA-Tournee wurden alle weiteren in Deutschland geplanten Konzerte vorerst verschoben. Der Termin in Saarbrücken stand, als Teil der "Musikfestspiele Saar" und dem "russischen Kulturjahr in Deutschland", dagegen nie zur Diskussion.</P><BR>

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