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Drei für Bayern 3: Mit Hannelore Fischer und Günther Jauch moderiert Thomas Gottschalk ab 1985 die „Radio-Show“.

Thommy, der Radio-Revoluzzer

München - Diesem Geburtstagskind wollen tausende Menschen gratulieren: Herzlichen Glückwunsch, Thomas Gottschalk! Deutschlands größter Showmaster wird am Dienstag 60 Jahre alt.

Er feiert im ganz kleinen Kreis, wie seine Fans vermuten dürfen. Denn seinen Ehrentag will der Modaroter mit den Menschen verbringen, die ihm am wichtigsten sind: seine Familie und Freunde. Doch wie wurde aus dem schlaksigen jungen Mann mit den blonden Locken Thommy, der Superstar? Wir haben uns mit Wegbegleitern unterhalten und gehen in einer dreiteiligen Serie dem Phänomen Gottschalk auf den Grund. Im ersten Teil dreht sich alles um seine Anfänge beim Bayerischen Rundfunk: Dort sorgte Thommy Anfang der 1970er-Jahre für einigen Wirbel.

Spießer-Musik und Langweiler-Ansagen? Nicht bei Thomas Gottschalk. Als Moderator für Bayern 3 hat er Anfang der 1970er-Jahre das Radio revolutioniert. Einer, der ihn in dieser Zeit begleitet hat, ist Musik-Experte Fritz Egner: Er stieß 1979 zum Bayerischen Rundfunk (BR) und erzählt, wie sein Kollege so erfolgreich geworden ist.

Herr Egner, warum ist Herr Gottschalk ein Radio-Revoluzzer?

Egner: Thomas war Vorreiter für das Radio, das wir heute als selbstverständlich empfinden. Er hat damals schon Türen geöffnet, sodass wir beim BR mit unserer sehr exotischen Form, Radio zu machen, durchgekommen sind.

Was war so besonders an ihm?

Fritz Egner: Es war seine unbekümmerte Art, und die Musik, die er spielte, war ganz speziell – er legte zum Beispiel Deep Purple, die Beatles und Abba auf. Und er hat während seiner Sendung live mit Hörern telefoniert.

Seine frechen Sprüche kamen aber nicht überall gut an …

Egner: Es gab Probleme mit den Chefs. Aber Thomas sagte sich: Ich ziehe mein Ding so durch. Er hat es geschafft, dass ihm als Exot die Spielwiese überlassen wurde – vermutlich, weil sich die Verantwortlichen gedacht haben: Nach 20 Uhr kann keiner mehr großen Schaden anrichten.

Hat der Erfolg auch Neider angezogen?

Egner: Klar gab es Neider. Thomas bekam ja bereits Hunderte von Briefen. Aber die Neider hat er als Bestätigung gesehen.

Wann lernten Sie ihn kennen?

Egner: Es war seine heutige Frau Thea, die uns zusammengebracht hat: Damals habe ich noch bei AFN gearbeitet, das war ein amerikanischer Sender. Thea jobbte bei einer Plattenfirma. Da erzählte sie mir, dass ihr Freund bei Bayern 3 ist und einen Vertreter sucht …

… und dann kam es zum ersten Treffen?

Egner: Ja, als wir uns dann kennenlernten, war mir Thomas sofort sympathisch. Er war immer gut drauf, mit dem mochte man gerne zusammenarbeiten, auch dank seiner sehr gewinnenden Art.

Haben Sie sich auch so gut verstanden, weil Sie ähnlich ticken?

Egner: Wir mögen grundsätzlich die gleiche Musik, wobei ich mehr die schwarze Musik abgedeckt habe und Thomas den Classic-Rock. Ich habe ihn um seinen Humor, seine Unterhaltsamkeit beneidet. Das hatte ich nicht! So sind wir uns aber auch nicht in den Weg gekommen. Ich war der Musikchronist, er der Entertainer.

Und wie sah es mit Kontakt außerhalb der Arbeit aus?

Egner: Wir waren privat gleich befreundet. Abends sind wir zum Beispiel ins Roma gegangen, das war ein Italiener an der Maximilianstraße. Thomas’ Wohnung lag in der Nähe, in die bin ich später eingezogen. Beim Vermieter hat er sich für mich eingesetzt: Er war sich nicht sicher, ob ich mir die Wohnung leisten kann.

Hat Herr Gottschalk Sie öfter unterstützt?

Egner: Er hat mir auch bei meiner ersten Sendung im ZDF sehr geholfen. Das war Anfang der 1980er-Jahre bei Rock-Pop in Concert. Da war er schon bei RTL-Radio. Ich hatte keine TV-Erfahrung, da stellte sich Thomas hinter die Kamera und gab mir Anweisungen, was ich besser machen sollte: „Gib mal mehr Power, formuliere das anders …“

Abgesehen von der Arbeit: Was zeichnet den privaten Thomas Gottschalk aus?

Egner: Er ist ein treuer Freund. Manche meinen, er sei oberflächlich. Aber das stimmt nicht. Thomas kann sich eben nicht um alle kümmern.

Interview: Eva Hutter

Der Hörer-Liebling wird zur Reizfigur der Rundfunkräte

Hörfunk, das war Thomas Gottschalks großer Traum. Im März 1974 begann der gebürtige Kulmbacher als freier Stationssprecher beim Bayerischen Rundfunk: Er las in der Servicewelle Bayern 3 Staumeldungen, den Wetterbericht oder Wasserstände für die Binnenschifffahrt vor, gespickt mit Witzen. Die BR-Chefs reagierten säuerlich, die Hörer waren umso begeisterter. „Der Beste von uns war fraglos dieser schlacksige, merkwürdige Kerl“, sagt Wolfgang Aigner, der zur selben Zeit wie Gottschalk bei Bayern 3 anfing und heute bei Bayern 2 als Programmbereichsleiter arbeitet.

1976 bekam Gottschalk seine Festanstellung. Es folgten bald die ersten Fernseh-Sendungen, etwa die Telespiele (1977). Im selben Jahr wurde er mit seiner Sendung Pop nach acht zum endgültigen Liebling der Hörer. Im Alter von 32 Jahren stand der Wechsel zu Radio Luxemburg an: Frank Elstner, damals Sender-Direktor, hatte Gottschalk 1982 abgeworben. Doch drei Jahre später kehrte Gottschalk zum BR zurück. Dort hatte das junge Radio-Talent auch Günther Jauch kennengelernt. Die beiden wurden schnell dicke Freunde. So moderierten sie mit Hannelore Fischer ab 1985 die Radio-Show. Es hätte so weitergehen können – wäre es 1989 nicht zum großen Krach gekommen. Gottschalk hatte sich nach Meinung der BR-Macher zu sehr über den Rundfunkrat ausgelassen. Im September packte Gottschalk seine Sachen und verließ den Sender.

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