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Tokio Hotel mit „Humanoid“ muss man ernst nehmen. Doch wo sind die Fans?

Dieses Tokio Hotel ist auch für Erwachsene

München - In diesem Hotel können auch Erwachsene einchecken: Lesen Sie hier die Plattenkritik zum neuen Album „Humanoid“ von Tokio Hotel, das diesen Freitag erscheint.

Die Fans schreien nicht mehr. ­Zumindest nicht mehr so laut. Wahrscheinlich Stimmbandentzündung, chronisch. Der Hype um Tokio Hotel ist spürbar abgeebbt, zumindest in Deutschland.

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Die Single Automatisch düm­pelt bei iTunes auf Platz 102 – so hat’s noch bei allen Teenie-Kapellen seit den seligen Bay City Rollers angefangen mit dem Ende. Gut möglich allerdings, dass bei den Magdeburgern alles anders kommt. Denn: Auf dem dritten Album Humanoid, das diesen Freitag erscheint, verblüffen Tokio Hotel mit breitwandigem Power-Pop, großen Hymnen, Roboter-Marschmusik und von David Bowie geborgter Science-Fiction-Romantik. In diesem Hotel können auch Erwachsene einchecken!

Das ist wohl das aktuelle Problem: Das Werbe-Tamtam ums neue Album kommt krawallig wie eh und je daher („Schock! Drogengeständnis von Bill und Tom!“) – doch Teenie-Musik ist auf Humanoid nicht zu hören. Überwiegend düster geht’s zu, Sänger Bill Kaulitz wird zum Mann, mehr oder weniger, singt mit Pathos und vor wuchtigen Synthie- und Gitarrenflächen vom Kampf der Liebe. 

Ein neues Publikum müssen Tokio Hotel erst finden. Wer reinhören will: Dringend die englische Version des Albums wählen! Wenn ein getriebener Kaulitz im schillernden Popsong ­Automatic klagt: „There’s no real love in you“, wird klar, warum Bravo-Chefredakteur Alex Ger­nandt verweist: „Auch Depeche Mode hat einst als Teenie-Band begonnen.“

Eines der besten Stücke auf Humanoid heißt Menschen suchen Menschen – da ist der Weg nicht mehr weit zu People Are People.

Jörg Heinrich (tz)

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