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Richard Regan, der Elvis von Schwabing.

Kennen Sie Caruso oder den Elvis von Schwabing?

Die sieben größten Paradiesvögel Münchens

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München - Wer sind die letzten Paradiesvögel in unserer Stadt? Die tz-Klatschredaktion ist dieser Frage nachgegangen. Die Auswahl ist durch und durch subjektiv.

1. Albrecht von Weech - mit ganz viel Stil

Albrecht von Weech.

Seine grauen Haare liegen perfekt. Die Schuhe blitzblank poliert. Das grüne Tweed-Sakko sitzt akkurat. Die blauen Augen blitzen, als Albrecht von Weech (58) die Tür seines Schwabinger Hauses öffnet. Eine Tür in eine andere Welt – in eine Verwunschene, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Ein Haus, das wie sein Hausherr vom Stil lebt... Seidene Polstermöbel, glitzernde Lüster, golden gerahmte Spiegel. Es gibt Tee aus filigranen Tassen. Er greift zur keltischen Harfe, spielt leise und besonnen, man kommt nicht umhin, dem Spiel zu verfallen. Mit den Gedanken abzuschweifen. Diesen Stil, den der Salonier, Puppenspieler und Bühnenkünstler heute pflegt, hat er von klein auf erlernt. Im Anwesen der von Weechs, „Beck am Hof“ in der Nähe von Moosrain am Tegernsee, legte die Familie viel Wert auf Benimm und Stil. „Das Silber war frisch geputzt, das schönste Porzellan stand bereit, der beste Kuchen wurde gekauft und der Sonntagszwirn angezogen, wenn wir Besuch erwarteten“, erinnert sich der Künstler an seine Kindheit und steckt seine französische Berger-Duftlampe an. Sie verströmt einen süßlich-fruchtigen Duft in den hohen Räumen.

Albrecht von Weech zeigt uns sein Wohnzimmer.

„Skurril war es damals schon, weil wir ja eigentlich nicht viel hatten. Abends gab es dann eine Dose Ravioli mit Bohnen. Ich bin mit dem silbernen Löffel groß geworden, aber es war nie etwas drauf.“ Besonders, wenn der Hochadel sich angekündigt hatte, wie Johannes Fürst von Thurn und Taxis, wurde von ihm Benimm und Gehorsamerwartet.„ Dann gab es einen Handkuss und einen Knicks“, so von Weech, der in der Münchner Gesellschaft heute noch als Kenner der besten Benimmregeln gilt. „Johannes Thurn und Taxis berichtete dann aus den Könighäusern und erzählte: ‚Ach weißt Albrecht, die Tante Lisbeth (Anmerkung der Redaktion Königin Elisabeth I. von England) sagt immer: It takes two to tango (dt.: Man braucht zwei für einen Tango)“, erinnert sich der gelernte Goldschmied lachend. Diese Zeit inspirierte ihn auch zu seinen Rollen, in die er gerne schlüpft, wie etwa Tante Bubsi, die er zum Karneval in Venedig verkörperte. Während er sich in sie verwandelt, schlüpft er nach und nach ganz in diese Rolle.

Ohnehin ist Kleidung ein wichtiger Faktor in seinem Leben. Sie drückt einen Teil seiner Persönlichkeit aus. „Ich empfinde Kleidung auch als Ausdruck meiner Verfassung, wenn ich mich schlecht fühle, dann sieht man das auch. Weil ich dann auch die alte Cordhose mit dem ollen Pullover trage“, so der Tausendsassa. „Ganz im Gegensatz zu meinem Lebensgefährten, der sogar halb tot top gestylt ist“, so der Adelige lachend, der durch die Kunstfiguren seine Lust an Mode ausleben kann. „Meine Eltern wollten immer, dass ich Rechtsanwalt, Architekt oder Banker werde. Aber sie haben schnell gemerkt, dass das nichts wird.“

Schon in der Schulzeit habe er sich schwer getan mit dem Lernen. „Ich bin mit sieben Jahren ins Internat gekommen. Lernen, wie man lernt, hat man mir nie richtig gezeigt.“ Auch ansonsten eine Zeit, an die er nicht so gerne zurückdenkt. „Die Stillosigkeit der anderen hat mich gestört, aber ich habe mir nichts anmerken lassen, weil mir meine Eltern beigebracht haben, keinen Standesdünkel zu haben.“ Und das hat er bis heute nicht. Ein Adeliger mit ganz viel Charme und natürlich – Stil!

2. Caruso - das ist eine Komposition

Auch beim Pizza-Essen ist Caruso gestylt.

Wenn das Outfit farblich zum Auto passt, dann steigt Caruso aus. Sein Look ist mehr eine Komposition als nur schnöde Mode. Anzug, Hut und Schuhe – alles Ton in Ton. Dabei kommt Caruso, der eigentlich Jürgen Schäfer heißt, aus der Musikwelt. Lange stand er als Opernsänger auf den Bühnen der Berliner Staatsoper oder in Bern und Basel. Der Kabarettist Harry G. nannte ihn einst den König von Schwabing und postete auf Facebook ein Foto dazu. Immer dabei: Mops Gina. „Ob sie mit mir oder ich mit ihr spazieren gehe, ist dabei nicht immer klar“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Seine Liebe zur Mode entdeckt er früh. Schon als kleiner Junge spart er sein Taschengeld, um sich ein Einstecktuch zu kaufen. Heute reist er in die Metropolen dieser Welt, um seine Kompositionen zusammenzustellen – fast wie ein klassische Partitur. „Ich fliege mehrmals im Jahr nach Paris, weil dort die Auswahl größer ist und ich mir vieles nach Maß anfertigen lassen muss.“ Und er gesteht: „Fast wäre ich Designer geworden.“ Seine Leidenschaft lebt er heute mit der Boutique VIP (Nordendstraße 50), die seine Frau Karin Huckert betreibt, aus. Ein Schwabinger Unikat...

3. Papis Loveday - er ist bereits eine Marke

Papis Loveday.

Armani, Gucci, Dior, Valentino – auf den internationalen Catwalks ist Topmodel Papis Loveday unterwegs – aber daheim ist er in München. Seit sieben Jahren ist er der Hingucker auf unseren roten Teppichen: mal im goldenen Kettenhemd über dem durchtrainierten Körper, mal mit Pailletenhose, Highheels und witzigen Perücken. Sein Stil? Er sagt: „Avantgardistisch und selbstbewusst. Andere tragen auffallende Kleidung, um aufzufallen. Ich trage sie, weil ich so bin“, erklärt das aus dem Senegal stammende Model, das 2010 nach München zog. „Ich mag den Stil der Stadt und wie elegant sich die Menschen hier stylen.“ Wegen ihm soll es sogar schon Unfälle auf Münchens Straßen gegeben haben. Seinen Durchbruch hatte der Kosmopolit in Paris. „Ich wurde 2003 beim Leichtathletiktraining fotografiert“, erklärt der 40-Jährige. „Die Fotos hat Benetton gesehen und mich zum Gesicht ihrer internationalen Kampagne gemacht.“ Heute ist er nicht nur Model, sondern auch Moderator einer österreichischen Model-Sendung und seine eigene Marke. Es gibt Papis-Champagner, Papis- Duft und auch Papis-Jeans. Extravaganz für jeden.

4. Petra Perle - eine ganz besondere Masche

Zehn Jahre lang hat Petra Perle (54) das Turm-Stüberl im Valentin Musäum geleitet – bis 2012. „Dann war es auch genug“, erklärt sie. „Ich habe das Gefühl, mich alle zehn Jahre neu zu erfinden.“ Und das hat sie nicht zum ersten Mal gemacht: So stand sie früher auf der

Petra Perle.

Bühne als Schlagersängerin, Theaterschauspielerin und Kabarettistin. Heute genießt sie, dass es ruhiger ist, fast meditativ schwingt sie die Häkelnadel in ihrem Wollladen, den sie vor zwei Jahren übernommen hat.

Die Handarbeit tut ihr gut, sagt sie. „Ich bin so entspannt. Noch entspannter und ich wäre tot“, sagt Perle, die gerade ihr Handarbeitsbuch Granny Mania – Häkeln im Quadrat herausgebracht hat. Die gelernte Goldschmiedin ist eine Frau der Tat: „Wie man auch an meiner Wohnung sehen kann, habe ich ganz viel selbst gemacht.“ Mit ihrem Laden Hot Wollée (Müllerstr. 50) hat sie sich einen Traum erfüllt. Es ist Münchens ältestes Geschäft für Wolle, das ohne sie vielleicht hätte schließen müssen. Ihr Motto: Je bunter, desto besser. Doch auch dafür gilt: „Den Laden leite ich zehn Jahre und dann schreibe ich nur noch Romane“, erklärt die 54-Jährige. „Dieser Rhythmus scheint mir vorbestimmt zu sein.“

5. Richard Rigan - der Elvis von Schwabing

Richard Rigan.

Ohne die schwarze Lederjacke geht er nicht aus dem Haus. Dazu die Haare zur Tolle gestylt, die Jeans zerlöchert. So sitzt Richard Rigan am liebsten in seiner Schwabinger Stammkneipe – dem Kurfürstenstüberl – und erinnert sich an alte Zeiten, in denen er aneckte als Elvis- Imitator Anfang der 60er-Jahre. „Schon in der Schule war ich der Lehrer-Schreck.“ Und auch später machte er das Schwabinger Nachtleben unsicher. „Mein Arzt wundert sich, dass es mir noch so gut geht“, sagt der 72-Jährige mit seiner dunklen, rauchigen Stimme und lacht. Man merkt, dass diese Stimme die Nächte gerockt hat.

Von 1978 bis 1986 betrieb Rigan seinen eigenen Club – den Rigan Club in der Herzogstraße in Schwabing. Dort spielten, neben Rigan selbst, Größen der damaligen Rockszene: The Searchers, The Marmalade oder auch Nina Hagen. Sogar Paul Breitner setzte sich einen Abend lang ans Schlagzeug. Den Rockstar-Lifestyle lebt er heute noch, „aber es ist ruhiger geworden. Ich trete nicht mehr so häufig auf“, sagt er und fährt sich durchs Haar. Dann kommt er wieder durch – der Rebell: „Ich lasse mich nicht verbiegen.“

6. Julia Prillwitz - diese Lady hat ein Geheimnis

Julia Prillwitz.

„Ich bin Münchens Kaffeebohne“, scherzt Julia Prillwitz (45) und meint ihre brasilianische Herkunft. Die Lebensfreude ihres Heimatlandes hat sie sich bewahrt. Ihr Lachen ist ansteckend und das, obwohl ihr nicht immer zum Lachen zumute war. „Ich hatte es nicht immer leicht, aber habe mich nicht unterkriegen lassen“, erklärt die Buchautorin (Julia: Mein Leben zwischen den Geschlechtern). Mit zehn Jahren bemerkt sie Veränderungen an ihrem Körper: Ihre Brust beginnt zu wachsen, obwohl sie eigentlich mit männlichen Geschlechtsteilen geboren wurde. Das bleibt auch ihren Mitschülern nicht verborgen: „Sie merkten, ich war anders, ein Paradiesvogel.

Sie haben mich geschlagen, bespuckt und in den Dreck geschubst.“ Heute hat sich die Transgender- Frau gefunden und ist glücklich mit dem, was sie ist. Verstecken will sie sich nie mehr, lieber richtig auffallen: Sie trägt am liebsten figurbetonte Kleider, schwindelerregend hohe Schuhe, Schmuck, Makeup, Frisur, alles sitzt immer perfekt. „Zu Hause bin ich nicht mehr ganz so ladylike. Da bin ich dann die Konkubine“, sagt sie schmunzelnd. Zu Hause der Vamp – auf dem roten Teppich die Lady.

7. Nick Woodland - er ist gar nicht leise

Ein Herrenhut ist nicht immer nur ein Herrenhut. Es muss ein Zylinder ein. Den trägt Musiker Nick Woodland mit ganzem Stolz. Sein

Nick Woodland.

Markenzeichen! Ohne ihn könnte man Woodland glatt mit Keith Richard verwechseln.... Den Zylinder trägt er auch privat. „Meinen ersten habe ich mir vor elf Jahren in Wien gekauft“, erklärt der gebürtige Engländer, der in München aufwuchs, da sein Vater hier beim Auswärtigen Amt beschäftigt war.

„Nach der Schule gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder an die Uni nach London oder hierbleiben und Musik machen“, erklärt er mit britischem Akzent. Er hat sich für Letzteres entschieden – mit Erfolg. Der Gitarrist spielte schon mit Donna Summer oder Marius Müller-Westernhagen. Mit seinen 66 Jahren denkt er noch lange nicht daran in Rente zu gehen. „Ich habe fürs ganze Leben unterschrieben“, erklärt er lachend und nie oben ohne. (Seinen nächsten Auftritt in München hat Woodland am 10. März im Lustspielhaus.)

Sandra Brockötter

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