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Campino bei seinem Auftritt in Jamel.

Musikfestival für Demokratie in Jamel

Die Toten Hosen rocken gegen Rechts

Jamel - Seit zehn Jahren trotzen Birgit und Horst Lohmeyer im Dörfchen Jamel den Attacken durch benachbarte Neonazis. Das Paar wehrt sich - mit einem jährlichen Rockfestival für Demokratie. Dort treten am Samstag überraschend „Die Toten Hosen“ auf.

Mit einem Spontanauftritt beim Forstrock-Festival in Jamel haben „Die Toten Hosen“ das Künstlerpaar Birgit und Horst Lohmeyer in seinem langen Kampf gegen örtliche Neonazis unterstützt. Dem Festival „Forstrock - Für eine bunte Welt“ verhalf die Punkband damit zu einem Besucherrekord. Etwa 1300 Menschen kamen zu dem zweitägigen Musikfest in dem Dorf bei Wismar, das das Künstlerpaar auf seinem alten Forsthof seit 2007 als Signal für Demokratie und Toleranz veranstaltet. Das waren doppelt so viele wie im Vorjahr.

Der Auftritt sei als Zeichen der Solidarität und des Respekts gedacht gewesen, sagte Frontmann Campino: „Es ist eine Geste der Hochachtung für das, was die Lohmeyers hier leisten, und für alle anderen, die sich nicht wegdrehen, wenn die Nazis Plätze für sich reklamieren.“

Campino zufolge wurde das Gastspiel erst wenige Tage vor dem Festival spontan vereinbart. Der Auftritt wurde bis zum Samstag geheim gehalten, die Nachricht verbreitete sich dann aber rasch über die sozialen Netzwerke. So erlebte das drei Dutzend Einwohner zählende Dorf, das seit Jahren durch das aggressive Auftreten einer Gruppe von Neonazis für Schlagzeilen sorgt, am Abend einen Besucheransturm.

Lange vor dem etwa einstündigen Auftritt der politisch engagierten Musiker musste das Eingangstor zum Forsthof geschlossen werden, weil die maximale Besucherkapazität von 1000 erreicht war.

Scheune angezündet

Seit 2004 lebt das Paar in dem Dorf in Westmecklenburg und sieht sich seither fortwährenden Anfeindungen durch dort lebende Neonazis ausgesetzt. Mitte August war die Scheune auf dem Forsthof in Flammen aufgegangen. Ermittler fanden Indizien für Brandstiftung und vermuten einen rechtsextremen Hintergrund.

Für ihr Engagement gegen rechte Gewalt und Intoleranz wurden Birgit und Horst Lohmeyer am Samstag mit dem Georg-Leber-Preis für Zivilcourage der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geehrt. „Es ist ermutigend, dass sich Birgit und Horst Lohmeyer so unerschrocken gegen die neuen Nazis stellen“, würdigte der Bundesvorsitzende Robert Feiger das Engagement des Paares. Beide gäben ein Beispiel dafür, dass es anders geht, als zu verharmlosen und sich wegzuducken.

Birgit Lohmeyer zeigte sich dankbar für die erneute Auszeichnung und die bundesweite Welle der Solidarität, die sie und ihr Mann besonders seit dem Brandanschlag erlebten. Das sei eine Ermutigung, sich nicht dem Nazi-Terror zu beugen, sagte sie. „Und es ist Ansporn, weiter aktiv zu bleiben.“ 2011 hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland das Paar bereits mit dem Paul-Spiegel-Zivilcourage-Preis ausgezeichnet. 2012 folgte der Bürgerpreis der deutschen Zeitungen.

dpa

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