Tourauftakt von Shakira in Hamburg

- Hamburg - Manchmal haben auch Latina-Hüften keine Lust. Mit nur sparsamen Bewegungen begann die kolumbianische Sängerin Shakira gestern Abend ihr Konzert in der Hamburger Color Line Arena. Es war der Auftakt zur Deutschlandtournee anlässlich ihres jüngsten Albums "Oral Fixation Vol. 2".  Filmbericht <br />

Mit Hits des englischsprachigen Albums sowie des älteren, spanischsprachigen Gegenstücks "Fijación Oral" und vieler alter Songs bestritt der aus Kolumbien stammende Star den Abend. Doch das Feuer im Publikum zündete spät.

"Estoy aqui" (Ich bin hier) schmettert Shakira den Zuhörern entgegen. Das zwar in umwerfender CD-Qualität, doch die Mehrheit des Publikums kennt die alten spanischen Songs aus der Zeit der unblondierten Haare nicht. "Jump Jump Jump!" klingt wie ein unmotivierter Befehl, Spaß zu haben. Auch Shakira wirkt zu Beginn des Konzerts wie eine Dancing Queen, die keine Lust mehr hat zu tanzen. Vergessen anscheinend, dass die mehrfache Grammy-Preisträgerin noch im vergangenen Jahr Choreografie-Preise für ihr schwungvolles Video zu "Hips Don't Lie" einheimste.

 Filmbericht

Stattdessen gewährt Shakira einen Stilmix aus roboterartigen Hüftkicks, zartem Räkeln und abgehackten Fitnessbewegungen, die zu indirekt für eine selbstironische Satire sind. Als sich die 29-Jährige schließlich auf der Leinwand mit modernem Ballett versucht und später in wallend roter Abendrobe die Arme schwingt, sind die Zuschauer komplett verwirrt. "Na toll, das kann man in jeder Tanzschule lernen", schimpfen zwei Mittzwanzigerinnen vor der Bühne in die seichte Instrumentierung. "Pssst!", zischt ein männlicher Zuhörer dazwischen. Die Fans sind sich uneinig.

Shakira aber, zur Zeit brünett, weiß, was sie will. Sie hat es satt, noch eine Woche vor ihrem 30. Geburtstag etwa mit Christina Aguilera verglichen zu werden. Die vielen alten Lieder an diesem Abend aus der Zeit vor dem internationalen Durchbruch mit dem Top-Seller "Laundry Service" sind ein klares Signal, ebenso wie der melancholische arabische Bauchtanz, der an die libanesischen Wurzeln ihres Vaters erinnert.

Erst in der zweiten Konzerthälfte ist die Diva gnädig. Endlich kommen die Fans der Charthits auf ihre Kosten. Nach Balladen wie der aktuellen Single "Illegal" singt Shakira Danceklassiker wie "Tortura", "Whenever, Wherever" und "Hips Dont Lie", schwingt die Hüften und begibt sich zum Händeschütteln ins Publikum. Nach eineinhalb Stunden und dem Auftritt mehrerer arabischer Tänzerinnen reißt der Rhythmus schließlich auch die Zuschauer mit.

Noch im vergangenen Juli hatte Shakira weniger mit Hüfteinsatz geknausert. Da sang sie im Vorprogramm des Fußball-WM-Finales. "Oral Fixation Vol. 2" ist die zweite Welt-Tournee der Sängerin. Mit Konzerten in acht weiteren Städten ist der Star noch bis März in Deutschland zu Gast.

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