Die Träume des Mister Grand Prix

- Pullach im Isartal - "Foto wollense auch? Aber nicht mehr mit den goldenen Schallplatten, das ist doch nicht so wichtig!" Dann vielleicht am Klavier? "Ja, am Klavier ist gut!" Flugs lässt Ralph Siegel seine Hände über die Tasten gleiten. "Jetzt machense mal ihr Bild." Der Fotograf nimmt ihn ins Visier. Allerdings: Dass keine goldenen Schallplatten drauf sind, das kann er nicht versprechen. Im Flur, im Büro - überall tapezieren sie die Wände. Resultat von mehreren Jahrzehnten im Musik-Business - und fast sechzig Lebensjahren. Am Freitag feiert Ralph Siegel den runden Geburtstag.

Mit zwölf Jahren schreibt er das erste Lied

Superstar Nicole wird da sein und auch sonst fast jeder aus der Schlagerbranche. Die Sänger, die Ralph Siegel herausgebracht hat, lesen sich wie ein Streifzug durch die nachkriegsdeutsche Fernsehgeschichte: der schöne Rex Gildo und die Kostüm-Combo Dschinghis Khan, die rothaarige Katja Ebstein und die ewigen Entertainer Peter Alexander und Udo Jürgens. Ralph Siegels Schaffen umfasst mehr als 2000 Lieder.

Größter Triumph: Seine Entdeckung Nicole gewinnt 1982 mit dem Lied "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson - der bisher einzige erste Platz für Deutschland.

Wie Ralph Siegel jetzt auf dem großen Ledersofa in seiner Pullacher Villa sitzt - schwarze Jeans und Polo-Shirt, immer eine Zigarette in der Hand - da wirkt das alles sehr selbstverständlich. Nie, so scheint es, hat "Mister Grand Prix" um etwas kämpfen müssen. Geboren als Sohn des Schlagerkönigs Ralph Maria Siegel und der Operettensängerin Ingeborg "Sternchen" Döderlein, bekam der kleine Ralph schon mit fünf Jahren Musikunterricht: Schlagzeug, Akkordeon, Gitarre und Klavier. Außerdem Harmonie- und Kompositionslehre. Der Junge ist gerade zwölf, da erscheint sein erstes Werk "In der Heimat blühn die letzten Rosen". Um sich vom berühmten Vater zu unterscheiden, arbeitet der Kleine unter dem Pseudonym Peter Elversen.

Ralph Siegel zieht an seiner Zigarette. "Wie viele Söhne kennen Sie, die es mit so einem berühmten Vater geschafft haben? Wenn Sie mir fünf nennen können, sind Sie gut", sagt er und blinzelt durch den Qualm. Nein, er habe es nicht leicht gehabt. Gerade wegen seiner Familiengeschichte.

Gleichzeitig weiß er seine profunde Ausbildung in London und Paris zu schätzen. Und zu nutzen: Noch keine zwanzig, macht er sich auf nach Nashville, Tennessee. Im Zentrum der Country-Musik schreibt Ralph Siegel für Don Gibson den Hit "It's a long long way to Georgia". Er arbeitet mit Roy Orbison und den Everly Brothers.

Das große Ziel: Ein Musical in New York

Kritiker schreiben später, was immer Ralph Siegel anfasse, das werde zu Gold. Zurück in Deutschland, stürmen seine Künstler die Hitparaden: Insgesamt 17-mal wirkt er mit am Grand Prix. Neben dem Nicole-Sieg sind drei zweite Plätze dabei - und ein spektakulärer Misserfolg: 2002 landet Corinna May in Tallin abgeschlagen auf Rang 22. Ein Jahr später ersingt sich Lou nur Platz Zwölf.

Weniger Erfolg ist Ralph Siegel auch auf einer anderen Bühne beschieden: Seit Jahren versucht er es am Broadway. Ein Triumph in New York - dafür hat er ein romantisches Musical mit dem Titel "Clowntown" komponiert. "Der Broadway, das ist mein Traum", sagt er und lächelt versonnen.

Ein privater Traum freilich hat sich erfüllt: Nach zwei gescheiterten Ehen und einem Techtelmechtel mit einem Sternchen namens Naddel, das als Dieter Bohlens Ex Karriere zu machen versucht, hat Ralph Siegel mit der Sopranistin Kriemhild Jahn sein Glück gefunden. Sie und die drei Töchter - Marcella und Giulia aus der Ehe mit Dunja und die neunjährige Alana aus der Verbindung mit Dagmar: Wenn er von ihnen spricht, strahlt er.

Er sagt: "Zu meinem Geburtstag, wissense, was ich mir da wirklich wünsche, das ist Gesundheit. Für mich, für meine Familie und die Freunde." Man glaubt es ihm. An der Wand hängt ein Foto von der Kleinsten: Ein buntes Plastik-Eimerchen auf dem Kopf, lacht das Mädchen in die Kamera. All die goldenen Schallplatten - plötzlich sind sie nicht so wichtig.

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