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Lia Wöhr als Wirtin und Heinz Schenk als Wirt und Oberkellner in der Sendung "Blauer Bock" des hessischen Rundfunks (Archivfoto von Mai 1979). Der „Blaue Bock“ ist untrennbar mit der goldenen Ära des deutschen Fernsehens verbunden. 21 Jahre lang und 208 Mal lud Schenk als Wirt und Oberkellner zur Bembel-Sendung zur allerbesten Sendezeit am Samstagabend ein. Am Freitag wird der populäre Wirt der legendären TV-Show 85 Jahre alt.

TV-Legende Heinz Schenk wird 85

Wiesbaden - Der „Blaue Bock“ war sein größter Erfolg: TV-Legende Heinz Schenk wird 85. Was kaum bekannt ist: Kultfigur Horst Schlämmer ist indirekt Heinz Schenk zu verdanken.

Unter diesem Link sehen Sie einen Rückblick auf die Kultsendung „Zum Blauen Bock“.

Der Mann benötigte weder Teleprompter noch Gagschreiber: Heinz Schenk war im Fernsehen die Schlagfertigkeit in Person und schrieb seine Texte im legendären “Blauen Bock“ selbst. Das sprichwörtliche “Schlappmaul“ hätte es wohl auch kaum zugelassen, dass einer ihm in seine Sendung dreinredet. Am Freitag, 11. Dezember, wird der populäre Wirt der legendären TV-Show 85 Jahre alt.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Abschied vom “Blauen Bock“ ist der “Ebbelwoi-Babbler“ immer noch gut beieinander. Schenk hat sich aber aus der Öffentlichkeit ganz zurückgezogen und gibt auch keine Interviews. Seinen letzten großen Auftritt hatte er vor zwei Jahren, als sein Haussender - der Hessische Rundfunk - ihn nochmals mit einer eigenen Sendung feierte.

125.000 Liter „Ebbelwoi“ ausgeschenkt

Heinz Schenk lacht während der Aufzeichnung der Fernsehsendung „Ein Abend mit Heinz Schenk“ beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main im Dezember 2007.

Der “Blaue Bock“ ist untrennbar mit der goldenen Ära des deutschen Fernsehens verbunden. 21 Jahre lang und 208 Mal lud Schenk als Wirt und Oberkellner zur Bembel-Sendung zur allerbesten Sendezeit am Samstagabend ein. Mit seiner Fernsehpartnerin Lia Wöhr hat er bis Ende 1987 rund 125.000 Liter Apfelwein aus der traditionellen Äppelwoi-Kanne ausgeschenkt und 6500 “Ehrenbembel“ an alle Gäste verteilt. Bis zu 20 Millionen Menschen schalteten damals die Sendung ein. Heute erreicht keine Show auch nur annähernd diese Traumquoten.

Schenk war dabei aber nie nur der volkstümliche TV-Babbler. Er lieferte die Ideen für den “Blauen Bock“ und schrieb neben den Texten auch fast alle Lieder selbst. Schenks Begabung zum Frohsinn offenbarte sich in seiner Heimatstadt Mainz, wo er 1924 als Sohn eines Drogisten und einer Tänzerin geboren wurde, schon früh. Als Kind funktionierte er in der Fasnachtshochburg den Beichtstuhl im Dom zum Kasperletheater um. Fast wurde er vom Bischof der Schule verwiesen.

Mit kaum zehn Jahren stand Schenk zum ersten Mal in der Bütt. Nach dem Krieg wechselte der gelernte Schauspieler nach Kabarett- Auftritten zum Radio, wo er wie Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld Auftritte im “Frankfurter Wekker“ hatte, der legendären komödiantischen Frühsendung des Hessischen Rundfunks. 1966 folgte er Otto Höpfner im “Blauen Bock“ nach.

Computerfreak im hohen Alter

Als der Hessische Rundfunk 1987 nach drei Jahrzehnten den “Blauen Bock“ einstellte, widmete sich Schenk wieder der Bühne. Der oft unterschätzte Schauspieler wurde zu einer Stütze am Frankfurter Volkstheater. Zu seinen Paraderollen gehörte 1991 “De Geizhals“, die hessische Version von Molières “Der Geizige“.

Selbstironie zeigte Schenk 1992 mit einem Auftritt in Hape Kerkelings Film “Kein Pardon“. Dort spielte er einen alternden intriganten Showmaster, der seinen Assistentinnen nachstellt. Und nur wenige wissen, dass Hape Kerkelings Kunst- und Kultfigur Horst Schlämmer indirekt Heinz Schenk zu verdanken ist. Der Name Schlämmer geht auf den heute 72-jährigen Horst Klemmer zurück, seit Jahrzehnten der Manager von Schenk. Dieser hatte Kerkeling einst mit Klemmer bekanntgemacht.

Der in Wiesbaden lebende Schenk gilt als passionierter Skatspieler, Hobbygärtner und -fotograf. Und er ist - was in seinem Alter eher ungewöhnlich ist - ein Computerfreak. Seinen Geburtstag will Schenk im engsten Familien- und Freundeskreis feiern. Mit seiner Frau Gerti - einer gelernten Friseurin - ist er seit fast 60 Jahren verheiratet.

Thomas Maier

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